Auf der Jagd nach dem Dax – Der Gebert Indikator

Viele ambitionierte Film- oder Buchproduktionen erscheinen als Trilogie. Bourne, Der Herr der Ringe, Der Pate oder die Jahrhundert-Trilogie von Ken Follett.

Da will ich mich natürlich nicht lumpen lassen!

Nach den Beiträgen Buy-and-hold ist was für Idioten und Nachkaufen wenn die Börse fällt – Schlägt die Ex-Studentin den Finanzwesir?, braucht es nun also den finalen und krönenden Abschluss. Die passende Idee kam mir praktisch zugeflogen.

Denn erfreulicherweise, erhalte ich immer mehr Rückmeldungen von meinen Lesern. Einer von ihnen – Christian – brachte den Gebert Indikator ins Spiel. Über den hatte ich zwar schon mal etwas gehört, mich aber noch nicht näher mit ihm beschäftigt.

Aber hier gilt es den Finanzwesir zu schlagen. Also ist mir jedes Mittel recht! 🙂

Was ist der Gebert Indikator?

Der Gebert Indikator ist einer der bekanntesten Börsenindikatoren Deutschlands. Benannt ist er (natürlich) nach seinem Erfinder Dr. Thomas Gebert. Nach einer quantitativen Analyse, hat dieser vier Einflussfaktoren definiert, nach welchen die Investmententscheidung getroffen und damit der Markt (hier der Dax) geschlagen werden könnte.

Die vier Entscheidungskriterien lauten: Zinsen, Wechselkurse, Inflation und Saisonalität.

Die Berechnung des Gebert Indikators

Die Berechnung des Gebert Indikators ist recht simpel. Einmal monatlich müssen vier Fragen beantwortet werden. Das Ergebnis (der Wert) jeder Frage ist entweder 0 oder 1.

1. Ist der Hauptrefinanzierungszinsatz gesenkt worden?
Falls ja > Wert = 1
Falls nein > Wert = 0

2. Ist die Inflationsrate unter dem Wert von vor 12 Monaten?
Falls ja > Wert = 1
Falls nein > Wert = 0

3. Ist der Dollar höher als vor 12 Monaten?
Falls ja > Wert = 1
Falls nein > Wert = 0

4. Ist die Jahreszeit 1.11. – 30.4?
Falls ja > Wert = 1
Falls nein > Wert = 0

Die Addition der vier Werte ergibt die Gesamtpunktzahl und somit die Investmententscheidung. Ist die Summe der Punkte drei oder vier ist das ein Kaufsignal. Dieses bleibt bestehen, solange kein Verkaufssignal auftritt. Ein Verkaufssignal tritt bei 0 oder 1 Punkten auf und bleibt solange in Kraft, bis ein Kaufsignal aufritt. 2 Punkte sind neutral und ändern das aktuelle Signal nicht.

Tritt ein Kauf- oder ein Verkaufssignal auf, wird dieses am ersten Handelstag des Folgemonats umgesetzt.

Ziemlich simpel oder? 🙂

Schlägt der Gebert Indikator den Finanzwesir?

Nun gilt es, die Anlagestrategie des Gebert Indikators mit einem sturen Buy-and-Hold zu vergleichen. Bei unserem Experiment den Dax zu schlagen, hatten wir folgende Regeln definiert:

1. Wir investieren nur in einen Wert an – den DAX.

2. Wir schauen uns die Eröffnungskurse der ersten Handelstage in den Monaten Januar 1998 bis Dezember 2016 an.

3. Gekauft wird per monatlichem Sparplan am ersten Handelstag zu jeweils 300 €.

4. Werden Anteile verkauft, so werden diese im Laufe der Zeit wieder re-investiert. Bis dahin liegen sie unverzinst auf dem Verrechnungskonto.

5. Transaktionsgebühren werden vernachlässigt. Der Anteil der Transaktionsgebühren ist marginal, da wir nur in einen Wert investieren und nicht so häufig Transaktionen durchführen.

6. Die laufenden Gebühren werden vernachlässigt. Einen Dax-ETF gibt es bereits ab 0,08% p.a.

7. Die Inflation wird vernachlässigt, da sie für den Vergleich der absoluten Zahlen unerheblich ist.

Beim Finanzwesir ist alles klar. Monat für Monat wandern 300 € ins Depot. Verkauft wird nie.
Die Tim-Schäfer-Mantra-Strategie.

Bei der Umsetzung des Gebert Indikators, müssen wir uns auf folgende Kompromisse einigen:

a) Wir kaufen Monat für Monat Dax-Anteile im Wert von 300 €, solange ein Kaufsignal aktiv ist.

b) Tritt ein Verkaufssignal auf, verkaufen wir alle Anteile und sparen die 300 € auf dem Verrechnungskonto an.

c) Tritt wiederum ein Kaufsignal in Kraft, investieren wir das angesammelte Kapital erneut in Dax-Anteile. Und zwar sofort und komplett. Wir wissen ja nicht, wie lange die “Long-Phase” anhält.

Das Duell: Finanzwesir vs. Gebert Indikator

Nochmal zur Erinnerung: Der Finanzwesir stand am Ende bei einem Gesamtvermögen von 125.989 €.

Während unseres Betrachtungszeitraumes, gab es folgende Signale des Gebert Indikators.

Quelle: daxjaeger-blog.de

Somit hätten wir folgende Kaufs- (grün) und Verkaufssignale (rot).

Sieht auf den ersten Blick schon mal ganz gut aus.

Und tatsächlich. Wenn wir die oben genannten Regeln befolgen, hätten wir bei der Investition mithilfe des Gebert Indikators ein Endvermögen von 210.334 € !!!

Die Rendite des Finanzwesir lag bei knapp 7 %. Die Gebert-Indikator-Strategie kommt auf 11,9 %.

Die Entwicklung des Gesamtvermögens sieht wie folgt aus:

Meine Berechnungen kannst du dieser Datei dieser Datei entnehmen.

Und Transaktionskosten?

Moooment! Bei der Umsetzung der Gebert Indikator-Strategie gibt es natürlich viele Transaktionen. Zwanzig Stück im betrachteten Zeitraum. Die bekommt man bekanntlich nicht geschenkt.

Nehmen wir als Referenz mal die Gebühren der Consorsbank. Dort werden 4,95 € + 0,25 % des Volumens fällig. Mindestens 9,95 €, höchstens 69 € pro Transaktion. Bei einem Volumen von rund 25.000 €, wird also die maximale Gebühr fällig. Also machen wir es uns einfach und nehmen für unser Beispiel 20 x 69 €. Das macht Transaktionskosten von insgesamt 1.380 €. Ziemlich happig. Aber die Rendite sinkt damit gerademal um 0,1 Prozentpunkte auf 11,8 %.

Zwischenfazit zu den Gebühren: pupsegal!

Fazit

Tatsächlich konnte man mithilfe des Gebert Indikators in der Vergangenheit eine gute Rendite einfahren. Ob das in der Zukunft auch so sein wird, steht in den Sternen. Dennoch finde ich den Ansatz interessant. Ein Nachteil ist, dass der Gebert Indikator nur auf den Dax angewendet werden kann. Somit geht uns eine breite Diversifikation flöten.

Der Vorteil ist: Du brauchst den Gebert Indikator nicht einmal selbst berechen. Auf dem Dax-Jäger-Blog kannst du dich jederzeit über den aktuellen Indikator und neue Handelssignale informieren.

Aus meiner Sicht ein spannendes Experiment. Ich bin aber noch etwas hin- und hergerissen.

Abschließend noch ein Buchtipp zum Thema. Ist bei mir direkt auf die Wunschliste gewandert 🙂

Was denkst du über den Gebert-Indikator? Nutzt du ihn vielleicht sogar?

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5 Gedanken zu „Auf der Jagd nach dem Dax – Der Gebert Indikator

  • April 19, 2017 um 10:01 am
    Permalink

    Hallo,
    mich würde mal interessieren wie die Sache aussieht, wenn Du bei der Gebert Variante die Steuer (Abgeltungsteuer derzeit 25%, Soli derzeit 5,5% ggf. Kirchensteuer) einberechnest. Da bei einem short-Signal die Position jeweils aufgelöst wird, denke ich das der Einfluss der Steuerzahlung – anderes als die Gebühren – nicht pupsegal sind.

    P.S.: Danke für Deine Blogroll

    Antwort
    • April 19, 2017 um 10:26 am
      Permalink

      Oha – guter Punkt! Die Frage ist aber: Was macht der “Finanzwesir” mit der Kohle? Wird er irgendwann komplett verkaufen oder einen Entnahmeplan aufbauen? Bei der ersten Variante, kommt der Gebert-Anleger vielleicht sogar besser raus, da er über die Jahre verteilt seinen Freibetrag ausnutzen kann. Insgesamt würde er mehr Steuern zahlen – allerdings ist sein Gewinn auch deutlich höher.

      Wenn der Finanzwesir einen Entnahmeplan anlegt und Jahr für Jahr nur so viel entnimmt, dass die anteiligen Gewinne unter seinem Freibetrag liegen, ist er natürlich King.

      Ich hab mal grob überschlagen, wann welche Gewinne mit dem Gebert-Indikator realisiert wurden. Davon 27,8186 % Steuern (8% Kirchensteuer) und Freibetrag von 1.602 €.
      Insgesamt käme man – grob gerechnet – auf eine Steuerlast von ca. 30.000 €. Somit läge das Endergebnis bei etwa 180.000 € – 10,4 % Rendite.

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
      • April 19, 2017 um 12:49 pm
        Permalink

        Hallo Felix

        habe anhand der Datendatei mal nachgerechnet. Ohne Betrachtung der Freibeträge liegen die Steuerzahlungen bei ca. 30.000 €. Diesen Betrag kann man aber nicht von der Endsumme abziehen, sondern muss die einzelnen Steuerbeträge beim Verkauf abziehen. Daraus folgen natürlich Nachteile (“Zinseszinseffekt”), so dass die Endsumme bei ca 157.000 € liegt. Aber auch das liegt noch deutlich vor Alberts 126.000 €. Als Privatier und eher Buy-and-Hold Mensch gibt einem das schon zu denken.

        Beste Grüße
        Thomas

        Antwort
        • April 19, 2017 um 10:05 pm
          Permalink

          Wenn man im Beitrag genanntes System in einer privaten Rentenfondspolice machen würde, würde man sich den KEST-Abzug beim jeweiligen Verkauf sparen. Man müsste nur eine Rentenversicherung mit geringen Kosten wählen und einem DAX-ETF in der Rentenpolice. Wie denkt Ihr darüber?

          Antwort
        • April 20, 2017 um 4:43 am
          Permalink

          Hi Thomas,
          bei den 30.000 € Gewinn sind wir uns einig. In den ersten 6 Jahren wird der Freibetrag nicht gerissen. Ab dann werden zunehmends Kursgewinne jenseits der 1.600 € realisiert. Den größten Batzen macht der Verkauf in 05/2016 mit ca. 20.000 Gewinn. Nach einer 53-monatigen Long-Phase.

          Daher kommt jetzt ein anderer Faktor ins Spiel. Bei großen Einzelpositionen, macht die anteilige Gewinnrealisierung durchaus Sinn. Das heißt, wenn unser GI-Anleger jeweils am Jahresende 2012-2013-2014-2015 teilweise Gewinne mitnimmt (bis zu Freibetrags-Grenze), bezahlt er zwar zusätzliche Gebühren, dafür spart er aber erheblich Steuern.
          Das ist allerdings ein Thema + Rechenbeispiel für sich.

          Grundsätzlich hast du aber natürlich Recht, dass die Steuerlast bei Gewinnrealisierung den künftigen Zinseszins-Effekt erheblich beeinflusst.

          Viele Grüße
          Felix

          Antwort

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