Buchrezension: “Schatz, ich habe den Index geschlagen”

Vor einigen Tagen lag ein flaches Päckchen in meinem Briefkasten. Meine Frau fragte das übliche “Was hast du denn schon wieder bestellt?” (Meistens sind die Pakete aber für sie.)

Das Päckchen entpuppte sich allerdings als Büchersendung und enthielt ein Rezensionsexemplar des neuen Buches “Schatz, ich habe den Index geschlagen” von Christian Thiel. Das war natürlich Balsam für meine Seele. Betreibe ich doch nur einen kleinen, bescheidenen Blog zum Thema Finanzen.

Als ich am gleichen Abend im Bett lag, schauten mich vom Nachttisch aus zwei Bücher an. Ich hatte die Wahl zwischen “Im Takt des Todes” und “Schatz, ich habe den Index geschlagen” – also auf jeden Fall etwas mit Gewalt.

Um meinen Pflichten als Rezensent gerecht zu werden, entschied ich mich für “Schatz, ich habe den Index geschlagen”. Außerdem war ich sehr gespannt, was mein Blogger-Kollege Christian Thiel dort zusammen gedichtet hatte.

P.S.: Bevor die Frage “Bist du immer schon vor 9 Uhr im Bett?” aufkommt.
Nein.
Meistens früher.

Der erste Eindruck

Mein erster Eindruck vom Buch war sehr positiv. Zum einen ist es mit rund 220 Seiten von überschaubarer Länge. Zum anderen wirkt die Gestaltung sehr frisch und modern. Hier wird schnell klar, dass es sich nicht um ein theoretisches Börsenbuch, sondern vielmehr mehr um eine unterhaltsame Lektüre handelt. Lehrreiche Informationen nicht ausgeschlossen.

Das Inhaltsverzeichnis ist recht feingliedrig und bietet eine Übersicht zu den insgesamt zwölf Kapiteln. Allerdings habe ich hier inhaltlich noch keine rote Linie erkennen können. Mal sehen, ob sich das im Laufe des Abends geändert hat…

Einstieg ins Buch

Der inhaltliche Einstieg ist perfekt. Christian Thiel beschreibt seine Überraschung über die Performance seines Aktiendepots im Jahr 2015. “Sagenhafte” 22,7 % – deutlich besser als Dax, Dow Jones & Co. Er eilt in sein Wohnzimmer und verkündet seiner Frau die frohe Botschaft. Ob das wirklich so abgelaufen ist, weiß man nicht. Ist aber auch egal. Emotionen zum Anfang kommen immer gut.

Der Autor findet dann den Übergang zur Frage, weshalb sich Aktien für den langfristigen Vermögensaufbau eignen. Ein guter Einstieg für Wertpapier-Anfänger. Nebenbei watscht er noch die Finanzberater ab und rät zur Selbstverantwortung.

Mit der Anekdote zu Großmutters Sparstrumpf rundet er das erste Kapitel ab.

Gute Aktien vs. böse Aktien

In Kapitel 2 begegnen wir als Leser The Intelligent Investor Benjamin Graham. Hier knüpft Christian Thiel direkt sein Lieblingsthema an. Er ist kein Freund der Dividendenstrategie. Unternehmen mit hohen Dividendenzahlungen wiesen häufig ein nur sehr geringes oder gar kein Wachstum auf. Daher sei die Gesamtrendite häufig niedriger als bei Wachstumsaktien. Um das zu verdeutlichen, wird auch ein bisschen gerechnet.

Auch in Kapitel 3 geht der Leser auf die Reise. Diesmal verkaufen wir mit Warren Buffett Coca-Cola Flaschen am Lake Okoboji. Es ist der Sommer des Jahres 1936. In einem Buch über Aktien darf das Orakel von Omaha natürlich nicht fehlen. Christian Thiel beschreibt sehr unterhaltsam die Kindheit und Jugend von Warren Buffett, in welcher er den Grundstein für sein späteres Vermögens legte.

Buffetts Erfolg am Aktienmarkt sei im Kern auf folgende Strategie zurückzuführen: “It is better to buy a wonderful company at a fair price than a fai company at a wonderful price.” Buffett hat viele schlaue Sätze gesagt. Aber hier steckt alles drin. Kaufe nur Aktien von Unternehmen, deren Geschäftsmodell du verstehst und das dich überzeugt. Und: Kaufe dann, wenn andere Panik haben.

Diese Grafik sollte jeder Aktienanleger in sein Stammhirn brennen.

Quelle: Schatz, ich habe den Index geschlagen (Christian Thiel), S. 59

In Kapitel 4 wird es konkret. In einer Art Zusammenfassung des bisher beschriebenen, vergleicht Christian Thiel die Aktien von Coca Cola, Nike und Facebook. Coca Cola weise ein sehr moderates Wachstum auf. Nike und vor allem Facebook seien hingegen in den letzten Jahren deutlich stärker gewachsen und daher die Aktien mit der besseren Gesamtrendite.

Wer ganz konkrete Aktientipps sucht, wird in Kapitel 5 fündig. Nach einem Einstieg über die Gefahren der Vergangenheit und Zukunft, beschreibt Christian Thiel die Trends der Zukunft. Aufgrund einer wachsenden Mittelschicht, zählten dazu Sport, Freizeit, Reisen, Streaming, bargeldloses Bezahlen, Gesundheit und grüne Energie.

Alles keine Überraschung. Dennoch macht Christian Thiel klar: Schau dir dein eigenes Leben und dein Umfeld an. Denke darüber nach, wie sich die Welt derzeit verändert. Digitalisierung, Flexibilisierung oder Umweltschutz. Überlege dir dann: Welche Unternehmen werden wohl davon profitieren?  E.On oder Netflix? Coca-Cola oder Novo Nordisk?…

Kaufen vs. Mieten

In Kapitel 6 kommt es dann zur Abrechnung mit Immobilien-Investments im Gerd Kommer-Style. Für Einsteiger in das Thema Altersvorsorge und Wertpapiere ein notwendiger Absprung. Treu dem Motto ZDF (Zahlen, Daten, Fakten), gibt der Autor auch hier dem Leser ein paar Zahlen an die Hand. Sie alle verdeutlichen – wenig überraschend – Finger weg von Immobilien, kaufe Aktien.

In Kapitel 7 lernen wir zunächst Sabine Huber kennen. Die “Huber Sabine” ist Bankkauffrau und verkauft Lebensversicherungen und Bausparverträge. Auf den folgenden Seiten bleibt sie die Inkarnation des Bösen. Das inhaltliche Fazit dieses Kapitels: Banken und Versicherungen verkaufen Produkte und verdienen am Kunden. Eine unabhängige Beratung und das Wohl des Kunden stünden nicht im Mittelpunkt. Heutzutage gebe es aber sehr gute Möglichkeiten, den Vermögensaufbau selbst in die Hand zu nehmen und sich über sinnvolle Versicherungsprodukte zu informieren.

Später treffen wir gemeinsam mit Christian Thiel auch noch Gerd Kommer in London. Im Bezug auf das Thema Selbstverantwortung bei der Geldanlage sind sich beide einig. Unterschiede ergeben sich jedoch bei der Auswahl der Finanzprodukte. Gerd Kommer investiert leidenschaftslos in Indexfonds. Christian Thiel hingegen hat Spaß daran, die Märkte und Unternehmen zu beobachten. Beinahe ein wenig versteckt, finde ich in Kapitel 7 meine zwei persönlichen Zitate des Buches:

1. “Indexing ist langweilig, keine Frage. Es ist, als wenn man die eigene Schwester küsst. Oder Farbe beim Trocknen zuschaut.” (Gerd Kommer, S. 135)
2. “Ich würde empfehlen, sich ein schönes Hobby zuzulegen.” (Gerd Kommer, S. 135)

Das ersten Zitat verdeutlicht den erforderlichen Stoizismus. Als Anleger muss man die Langeweile akzeptieren, sonst wird man nie ein erfolgreicher passiver Anleger. Im zweiten Zitat macht Gerd Kommer sehr klar, welche Prioritäten er in seinem Leben sieht. Warren Buffett beispielsweise ist ein sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Ist er auch ein guter Ehemann, Vater und Großvater? Das wird häufig angezweifelt.

Die Muppetshow geht weiter in Kapitel 8. Hier treffen wir den Trading-Experten Karsten Kagels. Passt das zum Thema langfristiger Vermögensaufbau? Ja! Christian Thiel beschreibt in diesem Kapitel keine Trading-Strategien, sondern vielmehr die Emotionen an der Börse. Medien würden viel häufiger über schlechte Nachrichten berichten – auch an der Börse. Wenn der Dax um 7% oder mehr fällt, berichten alle Zeitungen. Dass der Dax auf lange Sicht 8% gebracht hat, ist selten eine Meldung wert.

Day-Trading hingegen sei reines Glücksspiel. Um das herauszustreichen, widmet Christian Thiel das komplette Kapitel 9 diesem Thema. Hier begleiten wir Trader Alex, wie er Haus und Hof verspielt. Der junge Familienvater ist süchtig. Es ist zwar eine fiktive Geschichte, dennoch häufig sehr real. Eine stark zunehmende Sucht, die zurecht Aufmerksamkeit im Buch findet.

Tschaka!

Ab Kapitel 10 beginnt die Zusammenfassung der bisherigen Inhalte. Zunächst beschreibt Christian Thiel, warum seine Aktien sogar noch besser abgeschnitten haben, als am Anfang des Buches erwähnt. Die Aussage “Ich habe dich belogen” rüttelt mich wach – genau an der richtigen Stelle.

Damit du noch etwas Überraschung hast, gehe ich an dieser Stelle auf die Kapitel 11 und 12 nicht näher ein. Dennoch bilden beide einen runden Abschluss des Buches.

Fazit zum Buch “Schatz, ich habe den Index geschlagen”

Ich finde das Buch sehr unterhaltsam. Zudem hält es viele Informationen für Aktieneinsteiger bereit. Mir persönlich waren die Themen nicht neu. Ich verfolge Christian Thiel sowohl auf seinem Blog, als auch in zwei Facebook-Gruppen. Daher war mir seine Vorliebe zu den GAFA-Monopolen (Google, Apple, Facebook, Amazon) oder Novo Nordisk bekannt. Auch die Nachteile des Immobilienkaufs haben wenig neue Erkenntnisse gebracht.

Positiv anzumerken ist die (aus meiner Sicht) fehlerfreie Rechtschreibung. Immerhin handelt es sich hierbei um die erste Auflage des Buches. Weniger gefallen haben mir die Zusammenfassungen (“Halten wir fest”). Diese sind mir persönlich häufig zu lang. Eigentlich sollte hier kurz und knapp eine Kurzform der bisherigen Inhalte stehen.

Quelle: Schatz, ich habe den Index geschlagen (Christian Thiel), S. 46/47

Was den Roten Faden betrifft, bin ich etwas unentschieden. Beim Lesen störten mich teilweise inhaltliche Sprünge. Am Ende des Buches und mit etwas Abstand war es hingegen eine runde Sache.

Für Einsteiger in das Thema halte ich das Buch für sehr empfehlenswert. Es bleibt zu hoffen, dass viele Menschen zu dem Buch greifen, die bisher nicht in Wertpapiere investiert sind.

Mein persönliches Fazit aus dem Buch

Nach anfänglicher Skepsis hat mir das Buch tatsächlich ein wenig die Augen geöffnet. Nicht im Bezug auf meine grundsätzliche Einstellung zum Thema Altersvorsorge, sondern vielmehr bezüglich der Anlageprodukte. Aktuell investiere ich per Sparplan in vier ETFs. Nebenbei kaufe ich Einzelaktien, welche ich aber nicht zur Altersvorsorge hinzurechne. Es ist vielmehr ein Hobby. Die Börse interessiert mich eben.

Dennoch habe ich zwei Entscheidungen getroffen:

1. Ich werde zukünftig komplett auf Einzelakten verzichten. Das war eigentlich nicht unbedingt das Anliegen von Christian Thiel , dennoch hat mich das Kapitel über Trading-Sucht gepackt. Ich bin zwar kein Trader und sicherlich nicht süchtig im Sinne der Definition. Dennoch glaube ich, dass der Grat zwischen Stockpicking und Trading schmal ist. Zudem kostet es sinnvolle Lebenszeit.

2. Ich werde meine ETF-Zusammensetzung überdenken. Dazu werde ich mir die langfristigen Renditen meiner Indexfonds anschauen und überlegen, ob Indizes mit kleinen oder mittleren Unternehmern nicht sinnvoller wären. Näheres dazu findest du übrigens in Kapitel 11 des Buches. Aber das musst du schon selbst lesen 


“Schatz, ich habe den Index geschlagen!”: Wie ich auszog, die besten Aktien der Welt zu kaufen So macht Geldanlage Spaß* erscheint offiziell am 16.02.2017 im Campus Verlag

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4 Gedanken zu „Buchrezension: “Schatz, ich habe den Index geschlagen”

  • Februar 14, 2017 um 4:35 pm
    Permalink

    Schöne Besprechung! Ich habe ‘nur’ die Leseprobe des Buchs ergattert, fand die aber auch amüsant.

    Das Fazit finde ich interessant, weil ich neulich in einem Podcast von Kolja Barghoorn (Aktien mit Kopf) das genaue Gegenteil las. Er geht (jetzt wieder) von den ETFs weg zu Einzelaktien. Grund: je größer das ETF-Vermögen (also “Rentengröße” von ggf. mehreren hunderttausend EURO), desto mehr schmerzen dann später die wenn auch geringen jährlichen Gebühren.

    Antwort
    • Februar 14, 2017 um 4:54 pm
      Permalink

      Habe ich ebenfalls gesehen. Wenn man mit ETFs langfristig auf 8% im Schnitt kommt, finde ich 0,5% Gebühren p.a. nicht entscheidend. Es ist auch bekannt, dass Anleger in Einzelaktien häufig nicht den Markt schlagen. Aber Kolja traue ich das natürlich zu 😉

      Antwort
  • Februar 14, 2017 um 5:03 pm
    Permalink

    Hi Felix,

    vielen Dank für deine informative Rezension. Wenn die Börse dich interessiert und das Investieren von dir als Hobby angesehen ist, ist es doch auch keine Verschwendung von Lebenszeit oder? Bin gespannt, ob du dir ein “Ersatzhobby” suchen wirst. Müsste auf jeden Fall eins sein, dass bis neun Uhr beendet werden kann…Sterneguckerei dürfte schonmal ausscheiden.

    Schönen Gruß
    Marco

    Antwort
    • Februar 14, 2017 um 6:36 pm
      Permalink

      Hi Marco,
      das stimmt. Aber man sollte sich ab und zu hinterfragen, ob ein Hobby wirklich ein sinnvolles Hobby oder schlicht Gewohnheit ist.
      Ersatzhobbies bieten sich genug. Einfach mal abschalten, wird es wohl werden.

      Viele Grüße
      Felix

      P.S. aucb jetzt sieht man schon die Sterne. Ab dem Sommer brauche ich aber eine Alternative 😉

      Antwort

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