Sch* auf den Cost-Average-Effekt – Wie lege ich eine größere Summe Geld sinnvoll an?

Vor einigen Tagen haben wir auf Fyoumoney den 30-jährigen Jeremy kennengelernt, der von Oma Getrud 120.000 Euro vererbt bekam. Aber statt einer Weltreise oder des Austauschs seines Fiat Panda, entscheidet sich Jeremy dafür, den Batzen Kohle sinnvoll anzulegen.

Die Frage war nur: All-in (Einmalinvestition) oder Nach-und-Nach (zeitliche Diversifikation über monatliche Sparpläne)?

Jeremy beschäftigte sich intensiv mit dem Durchschnittskosteneffekt/Cost-Average-Effekt. Dieser besagt, dass die Wertschwankungen der Wertpapiere dazu führen, dass der Anleger im Durchschnitt seine Anteile bei gleich bleibenden Sparraten günstiger erhält, als wenn er regelmäßig zu unterschiedlich hohen Preisen eine gleich bleibende Menge von Anteilen kauft.

Hä?

Einfach gesagt: steigende Kurse = weniger Anteile / fallende Kurse = mehr Anteile.
Voraussetzung ist eine konstante Sparrate.

Für alle, die es nicht so mit dem Lesen haben, hier nochmal als grafisches Schmankerl. Jeden Monat werden 100 € in einen Fonds investiert, dessen Kurs zwischen 80 € und 125 € pendelt. Mal gibt es für die 100 € genau 1,25 Aktien (Kurs = 80 €), mal nur 0,8 (Kurs = 125 €).

Cost-Average-Effekt

 

Zum Cost-Average-Effekt lassen sich zwei Punkte feststellen:

1. Sparpläne nach dem Cost-Everage-Prinzip sind Einmalanlegen unterlegen

Dazu gibt es beispielsweise eine wissenschaftliche Studie der TU Chemnitz. In Der Cost Average Effekt in der Anlageberatung – Einsatzmöglichkeiten und Grenzen sowie deren mathematische Hintergründe heißt es:

“Wenn der mittlere zu erwartende Assetertrag µ über der Rendite des sicheren Assets r liegt, dann ist für risikoneutrale Investoren die Anlage mit früheren Einzahlungen stets vorteilhafter. Sparpläne nach dem Cost Average Prinzip sind damit keine überlegenen Anlageformen. Der Investor muß immer versuchen, so früh wie möglich zu investieren; ein regelmäßiger Sparplan liefert stets ein niedrigeres mittleres Endvermögen als die Einmalanlage.”

2. Der Cost-Average-Effekt ist ein Marketing-Begriff

Weniger risikofreudige Anleger werden geworben, indem ihnen eine bessere Risikostreuung suggeriert wird.

3. Der Cost-Average-Effekt ist ein psychologischer Vorteil

Gerade zu Beginn der Sparpläne, hilft der Durchschnittskosteneffekt die Depotschwankungen besser auszugleichen. Somit bietet er vor allem für risikoneutrale Anleger einen psychologischen Vorteil. Mit zunehmender Laufzeit des Sparplanes, nimmt der Cost-Average-Effekt jedoch ab. Die Rate macht einen immer kleineren Teil im Vergleich zum ansammelten Kapital aus.

Hallo? Noch wach?

Ich habe oben von zwei Punkten geschrieben. Etwas mehr Konzentration bitte!

Nun zur Frage, die uns Jeremy nicht beantwortet hat:

Wie lege ich einen größeren Batzen Geld sinnvoll an?

Hier brauchen wir ein Vorbild. Daher schlüpfe ich nun in die Rolle von Martina.
Also nur mental. Nicht, dass ich hier unseriöse Angebote bekomme…

Martina war vor einigen Jahren auf einem Seminar für Mentaltraining inklusive Start-Up-Brainstorming und Schnittchen zum Mittag. Dort (bei den Schnittchen) hat Martina die Glückskeksautorin Kunigunde kennengelernt. Die kennen wir ja schon aus dem Beitrag Rebalancing – bring dein Portfolio wieder ins Gleichgewicht. Martina hat sich sofort von Kunigundes Unternehmergeist anstecken lassen und führt seitdem ein erfolgreiches Gewerbe als BüroklammernWiederZurechtBiegerin.

Leider wurde Martina in ihrer Ich-AG häufig gemobbt. Daher hat sie ihr Business verkauft und ist als angestellte Glückskeksautorin bei ihrer Freundin Kunigunde eingestiegen.

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Der Nettoerlös ihres Gewerbes betrug bei 105.000 €. Martina fragt sich nun, wie sie das Kapital möglichst sinnvoll anlegen kann.

Versichern, Liquidität schaffen, Investieren

Die erste Devise lautet: Risiken absichern. Martina ist solo unterwegs (sie kam halt selten raus) und hat keine Kinder. Sie besitzt kein Wohneigentum, ist unselbständig beschäftigt und kann mit dem Fahrrad zur Glückskeksfabrik fahren. Daher reicht ihr eine Private Haftpflichtversicherung.

Im zweiten Schritt heißt es: Finanzrücklagen bilden. Falls das Fahrrad oder der Job in die Brüche gehen, sollten finanzielle Rücklagen vorhanden sein. Martinas Ausgaben betragen 1.500 € pro Monat. Sie entscheidet sich, rund drei Monatsgehälter (5.000 €) auf dem Tagesgeldkonto zu parken.

Erst im dritten Schritt geht es darum, das Vermögen sinnvoll anzulegen. Genau wie Kunigunde ist Martina großer Fan des Finanzwesirs. Aus dessen epochalem Beitrag Ich investiere mein Geld passiv (Anmerkung des Autors: Der völlig zurecht in der Finanzblogroll Hall-Of-Fame vertreten ist), weiß Martina, dass sie zunächst ihr Risikoprofil bestimmen sollte. Also die Frage, welchen temporären Vermögensverlust sie maximal seelisch verkraften kann. Martina möchte maximal 40.000 € Minus in ihrem Depot sehen.

Wir unterscheiden risikoarme und risikoreiche Anlagen

Risikoarme Anlagen sind Tages- oder Festgeld und sichere Staatsanleihen. Als sicher (Moody-Rating Aaa) zählen derzeit beispielsweise die Staatsanleihen von Ländern wie Deutschland, der Schweiz, Australien, Norwegen oder der USA.

Sollte Martina einen Staatsanleihen-ETF kaufen?

Nein. Indexfonds sind eine gute Sache, aber hier geht es darum, definitiv kein Geld zu verlieren (Inflation sei an der Stelle vernachlässigt). Der Wert eines ETFs schwankt im Wert, wenn auch bei Staatsanleihen sehr schwach.

Risikoreiche Anlagen sind Aktien bzw. Fonds. Weitere Finanzprodukte wie Derivate oder Unternehmensanleihen lassen wir an der Stelle außen vor. Es geht um risikoreiches, aber langfristiges Investieren, nicht kurzfristiges Zocken. In Betrachtung bisheriger “Börsencrashs”, geht man davon aus, dass der Wert der risikoreichen Investments um bis zu 50% fallen kann.

Nun möchte Martina, die Gewichtung zwischen risikoarmen und risikoreichen Investitionen bestimmen. Der risikoreiche Anteil sollte maximal die doppelte Summe seines maximal verkraftbaren Verlustes betragen. Der risikoarme Anteil ist die Differenz zwischen der gesamten Investitionssumme und dem risikoreichen Anteil. Für Martina heißt das:

Risikoreicher Anteil = 2 x Max. verkraftbarer (temporärer) Verlust = 2 x 40.000 € = 80.000 €

Risikoarmer Anteil = Gesamte Investitionssumme – risikoreicher Anteil = 100.000 € – 80.000 € = 20.000 €

Investition in den Risikoarmen Anteil

Aufgrund der recht niedrigen Zinsen, entscheidet sich Martina für kurz- und mittelfristige Staatsanleihen. 10.000 € gehen in eine kurz- und 10.000 € in eine mittelfristige deutsche Staatsanleihe. Eine weitere Aufsplittung braucht es nicht. Wenn es komplett den Bach runter geht ist es egal, ob Martina zwei oder zwanzig Anleihen im Depot hat.

Investition in den Risikoreichen Anteil

Martina möchte 80.000 € per Einmalzahlung in Aktienfonds investieren. Sie entscheidet sich für folgende Zusammensetzung:

  • 60% MSCI World = 48.000 €
  • 30% MSCI Emerging Markets = 24.000 €
  • 10% Stoxx Europe 600 = 8.000 €

Moment mal? Das kann doch nicht schon alles sein. Was ist mit kleinen Unternehmen oder Zukunftsbranchen?

a) In den oben genannten Indizes, sind kleine Unternehmen schon mit drin. Keiner braucht zusätzlich einen STOXX Europe Small 200. Über einen S&P SmallCap 600 könnte man streiten. Muss man aber nicht…

b) Das Setzen auf bestimmte Branchen ist nichts anderes als Stockpicking. Und wie wir wissen, ist das in der Regel nicht erfolgreicher. Außerdem gehen wir davon aus, dass Trends und Chancen an der Börse bereits eingepreist sind. Aktien von Unternehmen, denen ein hohes Potential zugesprochen wird, sind eben häufig schon recht teuer.

Fazit

Martina ist zufrieden mit ihrer Investition. Jetzt heißt es Nerven bewahren und am besten keine Börsennachrichten verfolgen.

Denn auch Martina weiß, Geduld ist die wichtigste Eigenschaft eines guten Investors.

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29 Gedanken zu „Sch* auf den Cost-Average-Effekt – Wie lege ich eine größere Summe Geld sinnvoll an?

  • Dezember 9, 2016 um 7:00 am
    Permalink

    Hallo Felix,

    ich finde auch, dass der Cost-Average-Effekt übertrieben wird.

    Anlegern, die mit dem Investieren beginnen und keinen größeren Kapitalstock haben, sondern mit kleineren regelmäßigen Raten viel bewegen möchten, hilft der Cost-Average-Effekt sehr, denn es macht keinen Sinn die ersten 10000 Euro über viele Jahre anzusparen und dann erst zu Investieren. Man nimmt sich den Zinseszinsvorteil.

    Außerdem muss man sich nicht groß mit dem Thema beschäftigen. Sparplan einrichten und fertig!

    Eine Einmalanlage, die zur richtigen Zeit am Markt platziert ist, hat dann den unschlagbaren Vorteil, wenn man nicht zig Jahre auf den richtigen Einstiegszeitpunkt warten muss. Da ist man abhängig von der Marktsituation.

    Und dann kommt es bei dem Vergleich natürlich auch auf die Anlagedauer an. Je länger die Anlagedauer umso schlechter darf grundsätzlich der Einstiegszeitpunkt sein.

    Ich glaube deine konkreten Ausführungen zur Einmalanlage werden vielen Lesern weiterhelfen können. Besonders gut finde ich, dass du die Risikoabsicherung durch private Haftpflicht und die Notfallreserve auch ansprichst. Diese Dinge gehören für mich zur Vermögensanlage dazu.

    Schöne Grüße
    Marco

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 8:12 am
      Permalink

      Hi Marco,
      einen Schwachpunkt haben meine Ausführungen. Aktuell sehen wir Allzeithochs der US-Indizes und ein Jahreshoch beim Dax. Wenn Einmaleinlage, dann gibt es sicherlich bessere Zeitpunkte als den jetzigen. Das aber alles nur mit dem Hintergrund Psychologie. Was die Kurse betrifft, wird es bald wahrscheinlich sogar noch höher gehen.

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
  • Dezember 9, 2016 um 7:05 am
    Permalink

    Kann gut gehen, wenn sich Martina an die beiden Tipps aus dem Fazit hält.

    Mögliche Fortsetzung:
    Das wird sie aber als unerfahrene Investorin wahrscheinlich nicht, da es fast unmöglich ist, sich den allgemeinen News zu entziehen. Und dann schaut sie – wenn in Tagesschau und Bild von Börsencrash und Weltuntergang geredet wird – doch mal interessehalber in ihr Depot, sieht 40 % Minus, verkauft am tiefsten Punkt und kauft sich Gold, weil einer ihrer Bekannten vor dem Crash Gold gekauft hat und das seitdem 40 % Plus gemacht hat. Das hält sie dann 3 Jahr lang, bis sich ihre Aktien/ETFs vom Tief her verdoppelt haben. Der Goldpreis ist währenddessen 20 % zurückgegangen. Dann erinnert sie sich, dass da mal am 08.12.2016 ein Artikel im Finanzblogroll erschienen ist, liest ihn nochmal durch und denkt sich ‘Verdammt, hätte ich doch nur mal bis zum Ende gelesen und zumindest Geduld bewiesen.” 🙂

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 8:09 am
      Permalink

      Leide rwird es in den meisten Fällen genauso laufen. Aber dann soll sie nicht sagen, ich hätte sie nicht gewarnt 😉

      Antwort
  • Dezember 9, 2016 um 8:36 am
    Permalink

    sehr geiler Bericht zumal sich mir genau diese Frage in den kommenden Jahren immer wieder (Immobilienverkäufe) stellen wird.

    Für mich ist aber eigentlich klar, so schnell wie möglich in den Markt! Wenn es denn schon ETF sein müssen, würde ich jetzt bei Höchstkursen in einem ausschüttenden Dividenden ETF investieren. Diese Ausschüttungen können dann als Sparplan und somit ein “Cost Average Light” zurück in den Markt fliessen.

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 8:39 am
      Permalink

      Ausschüttend oder Thesaurierend ist eine Philosophische Frage. Ich halte es auch lieber mit ausschüttenden ETFs. Da sind mir die aktuellen Kurse “egaler” 🙂

      Antwort
      • Dezember 9, 2016 um 8:44 am
        Permalink

        als “Stockpicker” und einer der zukünftigen Underperformer brauch ich das Feedback vom den Firmen 😉 Ich geh ja auch lieber ins Stadion als vorm TV mir ein Spiel anzusehen

        Antwort
  • Dezember 9, 2016 um 8:40 am
    Permalink

    Hallo Felix,

    Du hast ja einen wirklich reißerischen Titel für Deinen Artikel gefunden 😉

    Ich fürchte nur, dass hier zwei Sachverhalte vermischt werden, die wenig miteinander zu tun haben. Nämlich einerseits der Cost Average Effekt und andererseits die Investition eines gößeren Geldbetrages.

    Der Cost Average Effekt macht nämlich nur im Fall einer stetigen Investition – insb. dem Ansparen am Weg zur finanziellen Freiheit – Sinn. In dieser Situation liegt der gesamte zu investierende Geldbetrag am Anfang gar nicht vor – die Einmalinvestition ist daher nicht möglich.

    Schau in diesem Sinne auch mal folgenden Artikel an: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/11/17/investieren-mit-dem-durchschnitt-der-cost-average-effekt/

    Viele Grüße,
    FF

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 9:48 am
      Permalink

      Hi Lukas,
      ich denke nicht, dass ich die beiden Sachen vermischt habe. “Jeremy” hat festgestellt, dass der Cost-Average-Effekt kein Mehr an Rendite bringt, sondern höchstens gefühlte Sicherheit. Sowohl Jeremy als auch Martina haben einen größeren Geldbetrag zur Verfügung. Sie haben also die MÖGLICHKEIT, zwischen Einmalinvestition und Sparplan zu wählen.
      Wer diesen “Batzen Kohle” nicht zur Verfügung hat – wie wohl die meisten von uns – muss natürlich die Sparplan-Variante wählen.

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
      • Dezember 12, 2016 um 1:09 pm
        Permalink

        Hi Felix,

        Coole Diskussion, die sich in den Kommentaren hier entwickelt hat!

        Glaube wir sind einer Meinung:
        1) Tranchieren eines Einmalinvestments ist Quatsch – und ist das auch kein Cost Averaging
        2) Regelmäßiges Investieren (über einen Sparplan oder sonst wie) – nutzt zwar die rechnerische Methodik des Cost Averaging, mag aber von manchen nicht als Cost Averaging bezeichnet werden, von manchen aber schon.

        Viele Grüße und happy investing,
        Lukas

        Antwort
        • Dezember 12, 2016 um 7:17 pm
          Permalink

          Hi Lukas, deine Zusammenfassung ist doch ein schöner Abschluss. Allerdings mit der Einschränkung, dass ich weiterhin finde, dass Tranchieren einer Einmalanlage für kurzfristig orientierte Anleger Sinn ergeben könnte. Dazu zähle ich mich jedoch nicht. Natürlich hast du Recht, dass man das nicht als Cost Averaging bezeichnen kann.

          Schönen Abend
          Marco

          Antwort
  • Dezember 9, 2016 um 10:12 am
    Permalink

    Hi Felix,

    es freut mich zu sehen, dass Jeremy mit Martina und Kunigunde zwei Schwestern im Geiste gefunden zu haben scheint! Ich finde die drei konnten sich mal zu Tee und Glückskeksen verabreden und ihre Investments diskutieren. Finn-Sören würde bestimmt auch gerne hinzukommen, aber nur wenn es auch Vanilla Latte gibt 😉
    Zu Artikel: Sehr schöne Anknüpfung an den Cost Average Artikel meinerseits. Schließlich sagt die Entscheidung zum Cost Average Ja oder Nein noch nichts über die eigentliche Investition aus. Deine Gedanken zu den Anlagearten und dem Risikoprofil finde ich sehr gut nachvollziehbar und kann ich so unterstützen.

    Zu der Diskussion mit FF: Ich stimme Felix zu. Hier werden keine zwei Sachverhalte vermischt, weil es de facto nur einen gibt und zwar die Situation in der man eine große Summe zu Verfügung hat. In der “Standard” Variante, in der ich einen Teil meines Einkommens spare und anlege, ist das anders. Klar könnte ich erst einen Haufen ansparen und dann auf einen Schlag investieren, das ist aber eine völlig andere (und auch recht absurde) Idee. Da hätte ich ja weder den psychologischen Vorteil des CA und würde gleichzeitig die Nachteile mitnehmen. Ich denke das ist eine Definitionsfrage. Das Besparen von Sparplänen, würde ich nicht als CA bezeichnen.

    Beste Grüße
    Pascal

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 11:00 am
      Permalink

      Hi Pascal,
      das wäre in jedem Fall ein illustre Runde.

      Folgenden Satz versteht ich hingegen leider nicht:
      “Das Besparen von Sparplänen, würde ich nicht als CA bezeichnen.”
      Warum?

      Liebe Grüße
      Felix

      Antwort
      • Dezember 9, 2016 um 2:09 pm
        Permalink

        Hi Felix,

        kam schlecht rüber. Was ich damit meine, ist die Situation, in der ich keinen großen Betrag zur Verfügung habe und stattdessen einen monatlichen Sparplan bespare. Das mag zwar einen ähnlichen Effekt haben wie CA, ist aber eine andere Situation. Schließlich schiebe ich nicht meine Geldanlage auf, sondern investiere sofort einen Teil meines Einkommens.
        Für mich ist der Ausgangspunkt vom Cost Averaging immer die Verfügbarkeit einer großen Summe.
        Dazu vom englischen Wiki:
        “Dollar cost averaging is not the same thing as continuous, automatic investing. This confusion of terms is perpetuated by some articles (AARP,[15] Motley Fool[16]) and specifically noted by others (Vanguard[17]). The argued weakness of DCA arises in the context of having the option to invest a lump sum, but choosing to use DCA instead. If the market is expected to trend upwards over time,[18] DCA can conversely be expected to face a statistical headwind: the investor is choosing to invest at a future time rather than today, even though future prices are expected to be higher. But most individual investors, especially in the context of retirement investing, never face a choice between lump sum investing and DCA investing with a significant amount of money. The disservice arises when these investors take the criticisms of DCA to mean that timing the market is better than continuously and automatically investing a portion of their income as they earn it. For example, stopping one’s retirement investment contributions during a declining market on account of the argued weaknesses of DCA would indicate a misunderstanding of those arguments.

        The weakness of DCA investing applies when considering the investment of a large lump sum, and DCA would postpone investing most of that sum until later dates. Given that the historical market value of a balanced portfolio has increased over time, starting today tends to be better than waiting until tomorrow. However, for the average retirement investor’s situation where only small sums are available at any given time, the historical market trend would support a policy of continuous, automatic investing without regard to market direction.”

        Beste Grüße
        Pascal

        Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 11:20 am
      Permalink

      Hi Pascal, du beschreibst genau das, was ich eingangs meinte.

      Habe ich einen angenommenen Betrag zur Verfügung (zB. 10000 Euro) macht es kaum Sinn den Betrag über viele kleine Sparraten zu Investieren. Ein viel großer Betrag würde viel zu lange “uninvestiert” herumliegen.

      Meine Ansicht ist:

      a) bei Einmalanlage in ein, zwei oder drei Schritten zu Investieren. Hier sollte dann mehr Wert auf die Wahl des richtigen Einstiegszeitpunkt es gelegt werden.

      b) ohne Startkapital direkt nach der Entscheidung für ein Investment in einen Sparplan einzusteigen.

      Denn der beste Investitionszeitpunkt ist grundsätzlich JETZT!

      Antwort
      • Dezember 9, 2016 um 2:12 pm
        Permalink

        Hi Vermögensanleger,

        kann ich so unterschreiben. Wobei, wenn du mit a) Market Timing meinst, finde ich das schwierig. Der richtige Zeitpunkt zum Investieren ist, wie du ja auch schon sagst, fast immer: Jetzt.

        Beste Grüße
        Pascal

        Antwort
        • Dezember 9, 2016 um 3:20 pm
          Permalink

          Ja aber, wie Felix schon sagte:

          “Aktuell sehen wir Allzeitzhochs bei den US-Indizes und ein Jahreshoch beim DAX.”

          Von daher würde ich mich hüten, mit einer Einmalanlage zum jetzigen Zeitpunkt in diese Märkte einzusteigen. Entweder suche ich mir eine Alternative, warte eine günstigere Gelegenheit ab und steige dann in wenigen Schritten mit der gesamten Einmalanlage ein, oder wenn ich unbedingt sofort in diese Märkte investieren möchte, habe ich dafür einen sehr sehr langfristigen Anlagehorizont.

          Ich hoffe, dass ich jetzt besser rüberbringen konnte, was ich damit meine.

          Schöne Grüße
          Marco

          Antwort
          • Dezember 9, 2016 um 4:13 pm
            Permalink

            Alles klar – verstanden, Marco! Kann deinen Punkt gut nachvollziehen.

            Beste Grüße
            Pascal

  • Dezember 9, 2016 um 12:43 pm
    Permalink

    “Keiner braucht STOXX Europe Small 200”

    Das ist zweifelhaft. Meine Erfahrung. Ich habe 2008 zur Nutzung der alten Steuerregeln einen Einmalbeitrag gleichmäßig gesplittet in folgende ETF:
    ISH.STOX.EUROPE 600
    ISH.STOX.EUROPE MID 200
    ISH.STOX.EUROPE SMALL 200

    Ich habe dazwischen nicht ge- oder verkauft.

    Das Ergebnis war:
    ISH.STOX.EUROPE 600 +36,5 %
    ISH.STOX.EUROPE MID 200 +112 %
    ISH.STOX.EUROPE SMALL 200 + 111 %.

    Die kleinen und mittleren spielen tatsächlich im Stoxx 600 fast keine Rolle volumenmäßig. Dominant waren im Stoxx 600 damals Großbanken. Die größten 50 Aktien dominieren praktisch den Fonds. In meiner Mischung war das Gewicht der mittleren und kleinen viel größer, das Gewicht der Banken kleiner.

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 2:59 pm
      Permalink

      Die Formulierung war bewusst etwas…ähm…direkt gewählt.
      Was ich meine: Die Unternehmen des Stoxx Europe Small 200 sind – soweit ich das sehe – alle auch im Stoxx Europe 600 enthalten. Mit der Wahl des Stoxx Europe 600 hat man also eine breitere Abdeckung des europäischen Marktes. Dass die 200 kleinsten Unternehmen des Index in den letzten Jahren besser gelaufen sind, kann man vorher schlecht bis gar nicht vorhersagen.
      Wer überzeugt ist, dass man einen möglichst großen Teil des Marktes abdecken sollte, um am allgemeinen Wachstum und Fortschritt teilzuhaben, dem reicht der Stoxx Europe 600.
      Wer glaubt, dass die 200 kleinen Unternehmen eine bessere Performance hinlegen, kann zu diesem Index greifen.
      Hier kommt aber das (böse?) Wort Stockpicking ins Spiel.

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
  • Dezember 9, 2016 um 4:57 pm
    Permalink

    Wenn aber die Small 200 nur zu < 5 % im Stoxx 600 enthalten sind (ist so!), erhalte ich eine bessere Diversifizierung, wenn durch meine Wahl auf je 200 Aktien small und medium darauf auch 30% entfallen. Das Problem der ETF ist die starke Volumengewichtung. Im Stoxx 600 entfällt 50% des Gewichts auf die TOP 50. Ich kaufe im Index also vor allem die Großkonzerne. Die kleinen spielen da fast keine Rolle.

    Mein Ergebnis ist deshalb kein Zufall, sondern Ertrag einer besseren Streuung. Deshalb ist das apodiktische "Stoxx small 200 braucht keiner" einfach falsch.

    Mischung über mehrere ETF mit unterschiedlichen Indizes ist besser als ein Index über alles, wegen der Volumengewichtung: Ich habe 8 verschiedene ETF seit 2008 unverändert im Depot, die Bluechip-ETF Stoxx 600 (+37%), DAX (+70%), Global Titan 50 (+54%) hatten nur die Hälfte bis ein Viertel der Wertentwicklung der Small 200 (+112%), Nasdaq (+ 300%), Tec DAX (+200 %) und MDAX (+170%).

    Antwort
    • Dezember 9, 2016 um 7:30 pm
      Permalink

      Tatsächlich besagt der “Size-Effect”, dass Nebenwerte in den letzten Jahrzehnten höhere Renditen erzielen konnten als “Bluechip”-Indizes/Fonds. Das ist aber auch nur ein Preis für ein höheres Risiko. Und ob das in der Zukunft so weitergeht, ist fraglich.
      Danke in jedem Fall für die Anregung. Ich werde mir mal den MSCI World Small Cap genauer anschauen.

      “8 verschiedene ETF seit 2008 unverändert im Depot” – lobenswert!

      Antwort
  • Dezember 10, 2016 um 9:36 am
    Permalink

    Viele interessante Quellen in Artikel und Beiträgen; in der Kombination aber an manchen Punkten nicht stimmig.

    So ist der zentrale Punkt in der zitierten Studie, dass der Investor risikoneutral ist. Der Mensch im allgemeinen (und selbst der passionierte Finanzblogleser) ist das aber niemals vollständig. Der Schluss, dass CA am Anfang einem Risikoneutralen hilft, da das Portfolio stabiler ist, stimmt eben nicht. Diesem wäre die Schwankung ja gerade völlig egal, es zählt einzig die erwartete Rendite.

    Und über das Abfeiern von passivem Investieren (aus meiner Sicht zurecht) bei gleichzeitigem Schreiben über “den richtigen Zeitpunkt” in manchem Beitrag braucht man eigentlich gar nichts mehr zu sagen. Braucht es mehr, um die Fallstricke der Psychologie zu sehen? 😉

    Antwort
    • Dezember 10, 2016 um 10:46 am
      Permalink

      Aus dem Artikel: “Gerade zu Beginn der Sparpläne, hilft der Durchschnittskosteneffekt die Depotschwankungen besser auszugleichen. Somit bietet er vor allem für risikoneutrale Anleger einen psychologischen Vorteil.”

      Der zweite Satz ist Blödsinn. Stimmt.
      Statt “für risikoneutrale Anleger”, müsste es eher “für vorsichtige” oder “für sicherheitsorientierte Anleger” heißen.

      Ich werde das bei Gelegenheit abändern. Danke für die Rückmeldung!

      Antwort
    • Dezember 10, 2016 um 11:32 am
      Permalink

      Hallo Hermwald,

      ich glaube, dass du da zwei unterschiedliche Aussagen vermischt. Ich habe mich gar nicht zum passiven Investieren geäußert.

      Ich verfolge größtenteils eine aktive Strategie und würde mir bei einer Einmalanlage schon den Einstiegszeitpunkt aussuchen.

      Bei einem passiven Investment – wenn es denn als Einmalanlage gestartet werden soll, den Einstiegszeitpunkt ebenfalls berücksichtigen und anschließend passiv bleiben. Hatte dazu erwähnt, dass je länger der Anlagehorizont, desto weniger Wert von mir auf den Einstiegszeitpunkt gelegt werden würde.

      Schöne Grüße
      Marco

      Antwort
  • Dezember 10, 2016 um 8:59 pm
    Permalink

    Vielen Dank für den interessanten Artikel und die schöne Diskussion! Auch für mich ist der CA absolut nebensächlich. Ich investiere “in Etappen” weil es sich von der Finanzplanung nicht anders darstellen lässt. Den Einstiegszeitpunkt blende ich vollkommen aus. Ob wir nun auf dem Allzeichthoch sind oder nicht spielt für mich keine Rolle. Es gibt kein Regelwerk, an das sich der Markt hält. Niemand weiß ob das Allzeithoch für 1 Tag, 1 Jahr oder 10 Jahre hält. Ich weiß nur eines mit relativer Sicherheit: Meine heute getätigte Investition ist mit hoher Wahrscheinlichkeit in 20 Jahren mehr Wert als heute! 🙂

    Antwort
  • Dezember 15, 2016 um 6:21 pm
    Permalink

    Hi Felix, toller Beitrag! Ich kann dir in vielen Punkten zustimmen.

    Zum Glück sprichst du hier ausdrücklich über die Einmalanlage. So scherzhaft das klingen mag: Die beste Alternative ist es, so früh wie möglich zu investieren.

    Der Cost Average Effekt ist trotzdem kein Marketing-Trick. Hier geht es aber normalerweise um langfristiges Sparen (bis zur Rente). Da es wohl kaum einen Arbeitnehmer geben wird, der sein Arbeitseinkommen der nächsten 30 Jahre sofort investieren kann, bleibt für ihn gar keine andere Wahl als regelmäßig zu investieren.

    VG, Rico

    Antwort
    • Dezember 15, 2016 um 7:08 pm
      Permalink

      Hi Rico,
      Danke erstmal. Aber die Diskussion geht weiter 🙂
      “Der Cost-Average-Effekt ist trotzdem kein Marketing-Trick” -> ich denke schon. Nachweislich führt er eben nicht dazu, dass der Anleger seine Wertpapieranteile günstiger erhält. Aber genau das suggerieren Broker und Banken in der Werbung.
      Siehst du das nicht so?

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
      • Dezember 15, 2016 um 9:20 pm
        Permalink

        Der Effekt ist kein Marketing sondern Realität. Es kommt drauf an womit du es vergleichst. Der CAE ist ja auch nichts, was man sich “aussucht”. Er ist einfach da, wenn du einen Sparplan besparst. Und wenn du einen Job hast und jeden Monat Geld zur Seite legen willst, suchst du dir auch nicht aus, ob du einen Sparplan besparst oder nicht. Du hast einfach keine andere Wahl. Und unter diesen Bedingungen wirkt der CAE zwangsläufig — und das zum Vorteil des Sparers.

        Für jemanden, der sein Vermögen bereits verfügbar hat, ist die Diskussion genauso “beliebig”. Lustigerweise spricht jeder davon, dass man “nicht alle Eier in einen Korb” legen soll und sein Depot diversifziert. Warum soll man nun aber mit seinem ganzen Kapital auf einen einzigen Tag wetten und nicht auch in diesem Punkt diversifizieren?

        In beiden Fällen (Diversifikation zwischen Assets und Diversifikation über die Zeit) verzichtet man auf Rendite um dafür das Kursänderungsrisiko zu reduzieren.

        Genau genommen lautet also die Frage wie so oft: Diversifizieren oder nicht?

        VG, Rico

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