Dave Ramsey und die 7 Babysteps

Seit einiger Zeit verfolge ich auf YouTube den Kanal von Dave Ramsey. Seine dreistündige Sendung The Dave Ramsey Show, läuft jeden Montag bis Freitag auf über 500 Radiostationen in den USA und Kanada. Darin philosophiert er über Geld, das kranke Konsumverhalten der Amis und gibt nützliche Finanztips. Das Herzstück der Show sind allerdings die Anrufe der Zuhörer. Sie erhoffen sich Tipps zu Immobilien, horrenden Studienkrediten oder zu ihren Partnern, die unfähig sind, mit Geld umzugehen.

Dave Ramsey ist sozusagen eine Mischung aus dem Finanzwesir und Domian.

Dave Ramsey selbst hat eine bewegte Vita. Nach seinem Abschluss in Finanzen und Real Estate an der University of Tennessee, baute er sich als Broker mit einem eigenen Unternehmen schnell ein Real Estate Portfolio im Wert von 4 Mio. Dollar auf.

Der Erfolg fand mit der Steuerreform von 1986 und damit einhergehenden Immobilienkrise ein jähes Ende. Seine Banken wollten ihr Geld schneller zurück, als er den Cash aufbringen konnte. In der Folge, musste seine Ramsey Investments Inc. die Insolvenz anmelden.

Danach begann Ramsey in seiner Kirchengemeinde mit der Beratung von Paaren. Dem folgten bezahlte Beratungen und Seminare. 1992 veröffentlichte er sein erstes Buch – Financial Peace.

Heute gibt es praktisch überall in den USA Gruppen, die sein Programm anbieten. Das Herzstück bilden dabei die 7 Babysteps. Sieben Schritte zur Schuldenfreiheit und zum Finanziellen Glück.

Diese 7 Babysteps möchte ich dir nun kurz vorstellen. Am Ende sage ich dir noch, was ich von diesen Schritten halte.

Babystep 1 – 1.000$ Rücklagen bilden

Das Leben hält immer wieder unvorhergesehene Ausgaben bereit. Die Waschmaschine geht kaputt, das Auto streikt, ein Wasserschaden in der Küche. Daher rät Ramsey im ersten Schritt dazu, möglichst schnell 1.000$ anzusparen und auf einem Festgeldkonto (er nennt es Emergency Fund) zu parken.

Dadurch soll die Aufnahme neuer Schulden vermieden werden.

Babystep 2 – Tilgung aller Schulden (Immobilie ausgenommen)

Danach sollen alle vorhandenen Schulden aufgelistet und vom kleinsten zum größten Betrag sortiert werden. Dann startet die große Aufholjagd. Zunächst soll der kleinste Kredit getilgt werden. Dann der zweitkleinste und so weiter.

Der Hintergrund ist klar. Durch die Tilgung des ersten Kredites, soll der wichtige Motivationseffekt einsetzen. Zudem fallen schnell die ersten Kreditraten weg. Der Schneeball (“debt snowball”) kommt ins Rollen.

Babystep 3 – 3 bis 6 Monatsausgaben als Rücklage bilden

Erst nachdem alle Schulden getilgt sind, wird eine finanzielle Rücklage gebildet. Diese soll eine Höhe von drei bis sechs Monatsgehälter betragen und beträgt in der Regel zwischen 10.000$ und 15.000$.

Die Rücklage soll bei größeren, unerwarteten Ausgaben davor schützen, neue Kredite aufnehmen zu müssen. Zum Beispiel, wenn der Job oder andere Einnahmen wegfallen.

Babystep 4 – Investiere 15% des Haushaltseinkommens langfristig

Nachdem alle Schulden getilgt und eine ordentliche Rücklage gebildet sind, wird eine langfristige Altersvorsorge aufgebaut. Dafür sollen 15% des (Netto-)Haushaltseinkommens in Wertpapier-Sparpläne investiert werden.

In den USA laufen die Investitionen üblicherweise in die staatlich geförderten Fonds: den 401(k), Roth IRA oder den Traditional IRA.

Dave Ramsey schwört auf eine Kombination aus 4 Investmentfonds: Growth (Wachstum), Aggressive Growth (Starkes Wachstum), Income (der langweilige Teil, z.B. Nicht-zyklische Konsumgüter) und International (Aktien aus Europa oder Asien).

Babystep 5 – Sparen fürs College

Jetzt kommen die Kinder dran. Wenn alle Schulden getilgt und eine Rücklage gebildet sind, sowie regelmäßig Sparraten in die Fonds fließen, soll ein College-Fonds aufgebaut werden. Die Zielsumme hängt davon ab, wie viele Kinder im Haus herumwuseln und welches College es denn später sein soll.

In den USA gibt es hierfür den 529 College Saving Fund oder die Coverdell ESAs (Education Savings Accounts). Beide werden steuerlich bevorteilt. Auch hier rät Dave Ramsey dazu, die Sparraten auf die vier Investmentfonds (siehe Babystep 4) zu verteilen.

Babystep 6 – Haus abbezahlen

Erst im sechsten Schritt steht die Abbezahlung der Hypothek für die selbst genutzte Immobilie an. Das Motto lautet eben: Pay yourself first!

Babystep 7 – Bilde Vermögen und Spende

Der letzte Schritt, wird von Dave Ramsey häufig als funny step bezeichnet. Das Motto lautet: “It’s time to live and give like no one else!

Wer die ersten sechs Schritte geschafft hat, hat Ausdauer bewiesen und gute Gewohnheiten entwickelt. Ohne den richtigen Mindset, schafft man es eben nicht bis hierhin. Deshalb wird man sein Leben auch nicht ändern, wenn die erste oder die zweite Million erreicht ist.

Spätestens jetzt ist es auch an der Zeit, Gutes zu tun. Deshalb sollte man überschüssiges Geld spenden. Wie häufig in den USA üblich, steht auch für Dave Ramsey die Kirchengemeinde an erster Stelle.

Meine Meinung zu den 7 Babysteps von Dave Ramsey

Ich glaube, dass die einige Menschen eine strukturierte Vorgehensweise brauchen, um ihre Finanzen in den Griff zu bekommen. Die 7 Babysteps von Dave Ramsey zeigen einen möglichen Fahrplan auf.

Den ersten Schritt – den Aufbau einer eisernen, aber kleinen Reserve – halte ich für sehr sinnvoll. Größere Rücklagen zu bilden, bevor die Schulden getilgt sind, wäre unnötig.

Der zweite Schritt ist eher ein Marsch als ein Schritt – je nach Höhe der eigenen Schulden. In den USA ist es allerdings nicht selten, dass Menschen in ihren 20ern oder 30ern mehrere Zehntausend Dollar Schulden zusammenhäufen. Da dieser Schritt der schwerte ist, wird er auch durch Motivations- und Spar-Seminare begleitet.

Was mir sehr gut gefällt, ist der vierte Schritt. Langfristig investiert werden sollen 15% des Haushaltseinkommens – nicht mehr und nicht weniger. Unter der deutsch-sprachigen Kapitalisten lautet das Motto häufig “umso mehr, desto besser”. Ich denke, dass es manche damit auch übertreiben. Außerdem geht es her um die langfristige Sparquote. Familiäre Veränderungen, wie Kinder inbegriffen. Wer eine Sparquote von 15% langfristig umsetzen kann, wird ein großes Vermögen aufbauen. Du brauchst nur Geduld und Gelassenheit.

Der fünfte Schritt – das Sparen fürs College – gilt vielleicht mehr für die USA als für Deutschland. Aber auch hierzulande kann es nicht schaden, eine gewisse Summe anzusparen, um den Kindern eine vernünftige Ausbildung zu ermöglichen. Zum Glück gibt es bei uns aber auch gute Studienmöglichkeiten ohne elitäre Semesterbeiträge. Die Entwicklung in den USA hin zur radikalen Bildungs-Klassengesellschaft finde ich sehr bedenklich.

Abschließend noch ein Wort noch zum siebten Schritt – dem Spenden. Ich denke, dass es schon vorher Sinn macht, einen gewissen Betrag für wohltätige Zwecke zu spenden. Sei es die Unterstützung von Hilfsorganisationen in Entwicklungsländern oder von karitativen Einrichtungen in der eigenen Stadt.

Fazit

Insgesamt finde ich es gut, dass die 7 Babysteps einen Fahrplan zur Schuldenfreiheit anbieten. Vor allem das Programm, welches Dave Ramsey drumherum macht, finde ich toll.

Dabei fällt aber auch auf, wie stark die Gesellschaft in den USA auseinander driftet. Selbst in gleichen Bildungsschichten und Einkommensgruppen. Zum einen die Gutverdiener, die sich jedes neue Smartphone und dicke Autos kaufen. Pool im Garten, teure Reisen und aufwändige Hobbies. Auf der anderen Seite die Gutverdiener, die andere Prioritäten im Leben setzen. Weniger Konsum, mehr Zeit durch früheren Ruhestand. Die sogenannte FIRE-Bewegung – “Financial Independence” und “Early Retirement”.

Durch gute Verdienstmöglichkeiten, geringe Steuern und Sozialabgaben, ist der Hebel in den USA eben größer als Deutschland.

Was hältst du von den 7 Babysteps? Verfolgst du auch ab und zu die Dave Ramsey Show auf YouTube?

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8 Gedanken zu „Dave Ramsey und die 7 Babysteps

  • Mai 19, 2017 um 1:38 pm
    Permalink

    Die Schritte kommen einem fast ZU einfach vor aber ich denke, man darf nie unterschätzen, WIE unbedarft und hilflos viele Leute beim Umgang mit Geld sind. Mir persönlich fehlt noch die Aufforderung, ein Haushaltsbuch zu führen.

    Antwort
    • Mai 20, 2017 um 10:54 am
      Permalink

      So sehe ich es auch. Und die Resonanz zeigt, dass es vielen wirklich weiterhilft.
      Wie im Beitrag angerissen, glaube ich, dass es in den USA deutlich extremer in beide Richtungen geht – Verschuldung und Reichtum.

      Antwort
  • Mai 21, 2017 um 3:18 am
    Permalink

    Hi Felix,

    ein alter Schuh, doch das kann auch positiv sein. Mit wenigen Ausnahmen handelt es sich um die gleichen Schritte, die alle Gurus der Branche propagieren. Sei es ein Bodo Schäfer, ein Collins, ein Robbins oder gar ein Tim S., mal sind es sechs, mal sieben oder auch nur 3 Schritte. Inhaltlich bleibt es meist bei der gleichen Message. Diese werden sicherlich unterschiedlich verpackt, schließlich will jeder sein Buch/Podcast verkaufen. Dazu kann man bei jedem Schritt beliebig tief in die Details einsteigen und sich (in der Finanzblogszene nicht unüblich) gerne darin verlieren.

    Ist das negative Kritik? Keineswegs. Es zeigt, dass verantwortungsvoller Vermögensaufbau kein Hexenwerk ist. Und dass es eine Art goldenen Weg gibt. Quasi eine simple Bauanleitung. Wenn man diese verfolgt, ist schon viel geschafft. Dann sind die Details zur Investitionsstrategie schon fast zweitrangig.

    Beste Grüße
    Pascal

    Antwort
  • Mai 29, 2017 um 11:50 am
    Permalink

    Hi Felix,

    vor etwa 4 Monaten bin ich erstmals auf Dave Ramsey aufmerksam geworden und habe mich daraufhin mit seiner Vita, vielen seiner “Anhänger” und auch Kritikern auseinandergesetzt. Im Zuge dessen habe ich mich auch bei einigen Facebok-Gruppen angemeldet, um herauszufinden, wie praktikabel seine BabySteps wirklich sind und auch wie der Umgang innerhalb dieser Community ist.

    Nach einiger Vorbereitungszeit folge nun auch ich diesem Programm. Derzeit bin ich bei BS 2.
    Sicherlich kann man sagen, dass vieles von dem was Dave predigt, auch bereits unsere Großeltern wussten und auch praktiziert haben, nicht zuletzt auch gepredigt haben. Aber wie vermutlich viele andere, musste auch ich so manchen Fehler eben erst einmal selbst machen, bevor ich reumütig eingestehen musste, dass meine Ahnen schlichtweg Recht hatten.. Sei`s drum.

    Dave Ramsey, EveryDollar und alles was zu dieser Maschinerie dazugehört, machen einen sehr guten und fundierten Eindruck, wie ich finde. Er selbst nimmt kein Blatt vor den Mund, stößt mitunter damit auch nicht unbedingt nur auf Begeisterung; seine App EveryDollar -ich nutze sie in der FreeVersion- leistet mir sehr gute Dienste; aber auch die Gruppen (beispielsweise auf Facebook) unterstützen Anfänger wie Fortgeschrittene wirklich ausgezeichnet.
    Nimmt man noch seine Radioshow und die wirklich unzähligen YouTube-Videos hinzu, hat er sicherlich ein Programm geschaffen, das
    – motiviert
    – fundiert und informativ ist
    – finanziell erschwinglich ist
    – jedem das Gefühl geben kann, es schaffen zu können.

    Für mich persönlich kann ich nur sagen, ich bin sehr froh auf ihn aufmerksam geworden zu sein und sehe nun optimistischer in die Zukunft.

    Wenn ich auch mal eine Frag in den Raum werfen darf.. Bist Du im Zuge Deiner Recherchen auf deutsche Ableger gestoßen? Spätestens bei BS 4 und unserem derzeitigen Zinsniveau wäre das durchaus interessant 😉

    Herzliche Grüße

    Antwort
    • Mai 29, 2017 um 12:18 pm
      Permalink

      Hallo Stefanie,
      solange er es schafft, andere zu motivieren und zu informieren ist es doch sinnvoll.
      Bei dir scheint es ihm ja sehr gut gelungen zu sein.

      Einen vergleichbaren deutschen Ableger habe ich noch nicht gefunden. Es kann aber nicht lange dauern, bis es den Finanzwesir auch im Radio zu hören gibt 🙂
      Ansonsten gibt es eben die Vielzahl an Finanzblogs, aus denen man sich bedienen kann. Auch bei YouTube ist die Auswahl ausreichend groß.

      Ich denke, am Ende muss jeder selbst entscheiden wie er sein Geld am besten anlegen kann und möchte. Hier spielt das Trio aus Risikobereitschaft, Anlagehorizont und Nervenstärke die entscheidende Rolle.

      Ich wünsche dir viel Erfolg bei BS2! Vielleicht hast du auch Lust im Forum ein paar Worte über dich und deine Ziele zu schreiben. Du bist ja anonym 🙂
      http://finanzblogroll.de/forum/

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
  • August 17, 2017 um 10:36 am
    Permalink

    Hallo Felix,
    ich kann nur Positives über Daves Plan erzählen. Im Juli 2015 hatten meine Frau und ich Schulden i.H.v. 29.960,-€. Wir haben alle offenen Forderungen (1.200,-€) beglichen und dann Schritt 1 (1.000,-€ sparen) geschafft. Nach 24 sehr harten Monaten und sehr viel Arbeit haben wir ALLE Schulden vernichtet und sogar unsere “Debt Free Scream” gemacht.
    Der Plan funktioniert 100%. Entscheidend ist es, dass man dauerhaft das finanzielle Verhalten verändert.

    Antwort
    • August 21, 2017 um 5:49 am
      Permalink

      Hi Gary,
      gibt es in Deutschland auch Seminare und Gruppen zum/über den Plan?
      Soviel ich weiß gibt es in den USA sehr viele davon.

      VG / Felix

      Antwort
      • August 21, 2017 um 9:02 am
        Permalink

        Hi Felix,
        meinst Du seinen 9-wöchigen Kurs “Financial Peace University”? Soweit ich weiß gibt’s keine solcher Kurse in Deutschland. Du kannst allerdings den Kurs in DVD oder Streaming-Format von seiner Website bestellen.

        Jetzt geht es darum. 18.000,-€ als “Fully Funded Emergency Fund” anzusparen.

        Das Gefühl, endlich schuldenfrei zu sein, ist einfach unbeschreiblich!!

        Antwort

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