Demut hilft im Leben – und beim Investieren

In der Vergangenheit habe ich immer mal wieder von meiner Strategie-Anpassung geschrieben. Weg von börsengehandelten Indexfonds (ETFs), hin zu Einzelaktien.

Ich bin weiterhin davon überzeugt, dass ETFs für Börsenanfänger eine hervorragendes Instrument sind. Um sich mit der Kaufabwicklung über den Broker und mit den Launen des Marktes vertraut zu machen.

Für mich persönlich sprechen aber zwei gewichtige Punkte gegen ETFs. Zum einen sind ETFs lediglich ein Finanzinstrument. Aktionärsrechte, wie beispielweise das Stimmrecht auf Hauptversammlungen, werden an die Fondsgesellschaft abgetreten. Zum anderen unterstelle ich Fonds im Allgemeinen und Indexfonds im Speziellen eine niedrigere Halbwertszeit als Aktienpapieren. Die Fondsgesellschaft kann praktisch jederzeit Fonds schließen oder zusammenführen. Aus organisatorischen oder strategischen Gründen. Aus Kostengründen oder aufgrund von Verschmelzungen von Finanzinstituten. Und das kommt häufiger vor, als man denkt. Im Jahr 2014 wurden knapp 1.700 Fonds geschlossen und über 1.100 verschmolzen (Quelle: Anlage-Wissen.de). Als Anleger kann man dann überhaupt nichts machen.

Mein steiniger Weg hin zu Einzelaktien

Aber auch auf der Seite der Einzelaktien-Investoren ist das Gras nicht nur grün. Gibt es bei ETFs schon eine große Auswahl verfügbarer Produkte, so ist das Angebot bei Einzelaktien geradezu überwältigend. Das ist positiv wie auch negativ.

Ich setze gerne auf Sparpläne. Auch bei Einzelaktien. Damit habe ich schon mal nicht das Problem Market Timing. Also das scheinbare Kaufen bzw. Verkaufen zu den richtigen Zeitpunkten. Klappt sowieso nicht.

Aber welche Aktien sollen es nun sein? Eine stark wachsende Amazon oder doch lieber eine grundsolide Procter & Gamble? Schauen ab jetzt alle nur noch Netflix und welche Filme hat Disney wohl in der Pipeline? Baut Daimler auch in 30 Jahren noch Autos oder fahren wir dann alle Tesla oder BYD?

Bei meiner Aktienauswahl kam ich nicht wirklich voran.

Es musste doch möglich sein, dass ich eine Gruppe von zehn Aktien auswählen kann, die langfristig mindestens so gut laufen wie der Gesamtmarkt. Ich bin doch nicht blöd! Außerdem ließ ich eine Vielzahl von Aktien-Screenern laufen. Ich habe eine Excel-Tabelle gebastelt, die mir die besten Aktien auf Knopfdruck liefert. Nach Wachstum, Dividenden oder Bewertung. Oder alles kombiniert. Plus Erwartungen von Analysten. Ich bin gut! Nein – ich bin besser!

Der Verstand verabschiedet sich

In den letzten Wochen kamen die ersten Zweifel. So sagte mir mein Verstand, dass es doch vollkommen egal sei, was man heute kauft. Denn die Erwartungen und Hoffnungen auf der einen, sowie die Ängste auf der anderen Seite, sind bei Aktien im aktuellen Kurs “eingepreist“.

Denn – unter uns – wir wissen nicht als Einzigste, dass Weihnachten vor der Tür steht und dass Amazon vom Weihnachtsgeschäft profitieren wird.

Diese Überlegungen führten meinen Verstand zum Ergebnis: Langfristig ist es egal was man kauft. Man sollte natürlich diversifizieren – in 10 bis 20 Aktien aus unterschiedlichen Branchen und unterschiedlichen Regionen.

Aber diese Erkenntnis reicht nicht aus.
Es braucht zwei weitere Denkanstöße.

Verstand aus – Haltung ein

Den ersten Denkanstoß erhielt ich durch einen Podcast zum Thema Demut.

Was beudeutet Demut?

Viele Menschen verbinden Demut mit Unterwerfung. Mit eingeforderten Opfer-Erbringung, Demütigung und Unfreiheit. Der Begriff Demut ist negativ belastet. Allerdings ist das noch eine alte und überholte Interpretation. Sie stammt aus der Zeit der Monarchen, Ständen und kirchlichen Hierarchien. Der Begriff stammt ab vom althochdeutschen diomuoti, was soviel bedeutet wie “dienstwillig” oder die “Gesinnung eines Dienenden”.

In der Moderne hat sich die Verwendung des Begriffes aber gewandelt. Heutzutage kommt der Demut in der Psychotherapie und auch der Persönlichkeitsforschung eine große Rolle zu. Dort gilt sie als Tugend. Als eine Fähigkeit, Dinge hinzunehmen wie sie sind.

Diese Strategie wird bei der Bewältigung von Kindheitstraumata, aber auch in der psychologischen Betreuung todkranker Menschen eingesetzt.

Es gilt: Nur wer die äußeren Einflüsse oder vergangene Zustände akzeptiert, kann in Gegenwart und Zukunft mit bestimmten Geschehnissen oder Schicksalschlägen umgehen.

Aber auch wer nicht mit Opfern schlimmer Schicksale zu tun hat, kann die Stärke der Demut in seinem Umfeld beobachten.

Heutzutage kennen wir keine Grenzen. Jeder hat mehr oder weniger stark ausgeprägte Möglichkeiten, an technischen, politischen oder sozialen Fortschritten teilzuhaben. Jeder darf wählen, jeder darf sagen was er will, jeder darf den Beruf lernen, den er will. Das Internet ist rund um die Uhr geöffnet. Und häufig auch der 24/7 Supermarkt um die Ecke.

Es gibt kaum noch Grenzen.

Die Demut – so die Experten – sei ein moderner Gegenbegriff zum durchgeplanten und erfolgsorientierten Lebensstil geworden. Sie ist der Gegenentwurf zum McKinsey-Typ. Wo neben einer Führungsposition eine Familie gegründet, ein Haus gebaut, der Mount-Everest erklettert und der Malediven-Urlaub unter den Hut gebracht werden muss. Nichts scheint unmöglich, die Möglichkeiten grenzenlos. Diese Freiheit erzeugt die falsche Hoffnung, dass alles – auch Gesundheit und Erfolg – nur durch uns selbst beeinflusst wird.

Aber dem ist nicht so. Die scheinbare Kontrolle Führt irgendwann zur Überforderung. Es hat sich eine Gegenbewegung entwickelt, die oft minimalistische oder frugalistische Züge hat. Es geht um den Verzicht auf Materielles, um den Ausstieg aus dem Konsumrausch.

Ich denke, dass im Hintergrund auch viel Demut dabei ist. Eine Art Selbstdistanziertheit. Eine gewisse Balance und Entspanntheit. Das Wissen, dass man andere Menschen nicht beeindrucken muss und dass man bestimmte Dinge auch nicht beeinflussen kann.

Wer Demut nicht kennt, muss sich wahnsinnig anstrengen, um den Anforderungen gerecht zu werden.

Demut an sich ist noch keine Dankbarkeit. Dankbarkeit ist mehr. Sie ist die Freude über die Umstände der Gegenwart oder der Geschehnisse in der Vergangenheit. Demut ist nur der erste Schritt. Die Anerkennung, dass man selbst nur “etwas Kleines” ist. Ohne aber sich unterzuordnen gegenüber Anderen.

So…Ende der Therapiestunde

Zurück zu den Einzelaktien.  Wie ich vorhin geschrieben habe, erhielt ich zwei Denkanstöße. Den zweiten bekam ich bei unserem letzten Finanztreffen. Die autonome Zelle Essen traf sich am 15.11.2017 zum zweiten Mal.

Wie auch beim ersten Treffen, war es ein sehr netter Abend mit interessanten Gesprächen. Wir waren 18 Leute, einige waren bereits zum zweiten Mal dabei. Wir freuen uns auch immer über neue Mitstreiter (hier anmelden).

Nachdem ich über meine Zweifel zum Thema Einzelaktien erzählt habe, bekam ich die unterstützende Antwort eines erfahrenen Anlegers: Kauf was dir gefällt. Auf lange Sicht ist es sowieso egal, was du kaufst.

Es ist nicht so, dass ich vorher eine andere Meinung gehabt hätte. Allerdings ist es sehr hilfreich, die Meinungen erfahrener Anleger zu hören.

Bei mir hat es Klick gemacht.
Aber nicht im Kopf, sondern im Bauch.

Die Auswahl an interessanten Unternehmen und spannenden Aktien ist grenzenlos.
Man kann nicht alle analysieren und beobachten.

Ich habe meine Grenzen erkannt. Die Grenzen meiner Zeit und meiner Fähigkeiten.
Ich habe mir nun zehn Aktien herausgesucht die ich im Jahr 2018 konstant besparen werde.
Punkt.
Keine Experimente, keine Anpassungen.

Ein Stockpicker, also jemand der glaubt durch gezielte Auswahl den Aktienmarkt schlagen zu können, wird sicherlich widersprechen. Er könne doch eine viel höhere Rendite erzielen als ich. Lerne: Demut ist also noch mehr als nur eine Haltung. Es ist auch Verrat am System, an den anerkannten oder glaubhaft gemachten Wahrheiten.

Zur Demut gehört Mut

Zur Demut gehört also eine Menge Mut. Denn mit der Masse mit-schwimmen kann jeder.

Aber Demut macht auch frei. Frei von dem Glauben, nur selbst die Erfüllung der eigenen Ansprüchen in den Händen zu haben.

Vor allem aber, kommt Demut nicht vom Verstand. Wie bei der Liebe und Dankbarkeit, muss sie von innen heraus kommen. Und genau deshalb kann man Stockpickern mit noch so vielen Argumenten und Statistiken kommen. Solange nicht die Einsicht greift, dass ihr Wissen immer begrenzt sein wird, werden sie keine Demut beim Aktienkauf erreichen. Und dieser Hochmut kostet Kraft. Und Zeit.

Gott, gib mir die Gelassenheit,
Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Reinhold Niebuhr)

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14 Gedanken zu „Demut hilft im Leben – und beim Investieren

  • November 21, 2017 um 3:32 pm
    Permalink

    Moin Felix,
    dann hier mal der Tip von einem weiteren erfahrenen Anleger:
    Damals als ich noch Einzelaktien hatte, habe ich bei jedem Einzelwerte-Kauf den aktuellen Indexwert in EUR notiert (zB MSCI World) …
    so konnte ich stets sehen, wie meine Einzelaktie im Vergleich performt (und natuerlich auch ueber das Depot aufsummiert).
    Und was soll ich sagen: irgendwann war ich so demuetig einzusehen, dass ich trotz mehr Zeit aufbringen (= Hobby?) in der Summe mit einem Index-Investment (ETF) deutlich schneller vorangekommen waere …
    und habe alles auf ETFs umgestellt.
    Aber als junger Mensch soll man ruhig mal von der Picke auf alles lernen … es bleibt noch genug Zeit fuer eine Kurskorrektur auf dem Weg zur Rente! Viel Erfolg & LG Joerg

    Antwort
    • November 22, 2017 um 8:15 am
      Permalink

      Hi Jörg,
      interessanter “Rückwärts”-Sprung zu ETFs. Jeder sollte das tun, was ihm bzw. ihr zum jeweiligen Zeitpunkt am besten passt. Aktuell sind es bei mir (noch) Einzelaktien.
      Hast du denn die Einzelaktien verkauft oder nur neue Käufe auf ETFs umgestellt?

      VG
      Felix

      Antwort
  • November 21, 2017 um 3:57 pm
    Permalink

    Ich denke auch, dass Demut sehr wichtig ist. Ich habe diesen Sommer angefangen und dachte, ich schaffe es, je mehr ich lese und mich bilde, die Perlen rauspicken zu können. Nur – je mehr ich lese und mich bilde, desto mehr komme ich zu dem Punkt, dass ich mit höherer Wahrscheinlichkeit nicht besser sein könnte. Genau deswegen halte ich Indexfonds für immer wichtiger und steige da jetzt auch ein.
    Bei Einzelaktien werde ich trotzdem z.T. bleiben. Ich möchte Teil von diesen großartigen Firmen sein. Da möchte ich ein Portfolio mit 10 Werten aufbauen. Danke übrigens für den Link letztes Mal, denn ich werde jetzt auch Einzelaktien besparen und somit einen durchschnittlichen Einstiegspreis herstellen. Ich lese im Moment “Der intelligente Investor” von Graham, mit Kommentar, und er hat sich jetzt schon mehrmals positiv über den Cost-Average-Effekt geäußert, sowie über Indexfonds übrigens. Dieses Buch brachte mich übrigens zu meiner größten “Demut”, denn während ich töricht dachte, dass ich es jetzt schon schaffen könnte, besser als Durchschnitt zu sein, empfiehlt mir das Vorbild Warren Buffets Indexfonds und den Cost-Average-Effekt. Im Buch steht sogar wörtlich: “Die meisten Menschen, die versuchen, ihre Aktien selbst auszuwählen, machen die Erfahrung, dass sie nicht so gut sind, wie sie dachten. Die Glücklichsten unter ihnen bemerken dies sehr schnell, während diejenigen, die weniger Glück haben, oft Jahre brauchen, um es wirklich zu glauben.” Ich hoffe, ich gehöre zu den Glücklichen, denn nach paar Monaten habe ich mich ja umentschieden.

    Ich habe auch das Buch gelesen “5 Mistakes every Investor makes and how to avoid them” und Nr.#1 war Market Timing. Dort stand auch, dass viele Market Timing betreiben und das gar nicht als Market Timing wahrnehmen. So geht es mir auch: ich weiß manchmal nicht, ob das, was ich oder andere machen, Market Timing ist oder nicht. Deswegen finde ich die Sparplan-Lösung sehr elegant, vor allem, weil darin anscheinend schon eine “Margin of Safety” eingebaut zu sein scheint.

    Trotzdem will ich soviel wie möglich über Unternehmen und Aktien lernen. Auf was achtest du bei Einzelaktien? Ich mache mir immer eine Excel-Tabelle und durchforste Kennzahlen der letzten zehn Jahre via Morningstar und Ariva. Sehr wichtige Punkte sind Margen (hohe Margen weisen auf Wettbewerbsvorteile hin), Liquidität, Renditen und vor allem der FCF. Sehr gut finde ich, wenn der FCF schneller wächst als der Umsatz. Als Nächstes werde ich mich in Fundamentalanalyse und Bilanzierung einlesen, denke ich.

    Viele Grüße aus BaWü 😀

    Antwort
    • November 22, 2017 um 8:21 am
      Permalink

      Hi Anna,
      ich habe mir immer die Daten von Gurufocus gezogen. Das ist über die Watchlist auch kostenlos möglich. Kennzahlen habe ich so ziemlich alle betrachtet 🙂 Wachstum- und Gewinnwachstum, PE, PEG, PS, …. etc. Daher auch irgendwann die Einsicht, dass das alles zu viel ist.
      Für meine jetzige Auswahl habe ich die Kennzahlen auch betrachtet, aber doch mehr aus dem Bauchgefühl überlegt, welche Unternehmen in den nächsten Jahren erfolgreich sein könnten. Vielleicht bespare ich ab dem nächsten Jahr aber 10 andere Aktien.

      Wenn ich richtig verstanden habe, baust du jetzt ein Depot aus ETFs und Einzelaktien?! Welche Anteile machen diese Bereiche aus bzw. sollen sie ausmachen?

      VG
      Felix

      Antwort
      • November 22, 2017 um 4:06 pm
        Permalink

        Ja, genau, so dachte ich das zumindest. Also mein Bauch sagt, ich will den ETF-Anteil nur etwas beimischen und die Einzelaktien überwiegen, aber mein Kopf sagt, der ETF-Anteil sollte stark übergewichtet werden und die Einzelaktien sollten als Nice-To-Have betrachtet werden. Andersrum fände ich es nun mal viel reizvoller und ich mag auch den Gedanken, dass man mit Expertise Kontrolle aufbaut und besser wird. Aber so scheint das wirklich nicht zu laufen bei der Börse: http://finanziell-frei-mit-30.de/affen-sind-die-besten-investoren/ Du hast selbst geschrieben, dass es anscheinend keinen Unterschied macht, ob man sich nun sehr lange damit beschäftigt oder die Werte zufällig auswählt. Ja, vielleicht stimmt das tatsächlich? Das gibt einem stark zu denken, finde ich.

        LG 🙂

        Antwort
  • November 21, 2017 um 4:57 pm
    Permalink

    hallo Felix,

    der beste Artikel den ich seit Langem zu diesem Thema gelesen habe, sollte man sich ausdrucken und öfter mal durchlesen, in guten wie in schlechten Zeiten, ich kann dem Ganzen nur beipflichten.
    Mit meinen Aktien halte ich es ähnlich, ich kaufe Aktien von denen ich überzeugt bin, oftmals kaufe ich auch zu teuer, aber ich bin sicher, in 10 Jahren wird mich das heutige Minus bei Fresenius oder Henkel keinen Deut mehr kratzen,
    ich kaufe stur und stetig jeden Monat 1 Wert oder auch mal 2, mehr als 30 Einzeltitel wird es nicht geben, 5 sind noch über, nächstes Jahr ist eher Aufstocken angesagt, und auch mal ein Aufstocken eines ETF’s, die besitze ich ja auch noch.
    Ich habe dann nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt, wenn es zu Rückschritten kommt, und die kommen irgendwann, dann gehört das auch dazu, es ist ja wie im wirklichen Leben, auf Regen folgt Sonnenschein und umgekehrt.
    Viel Erfolg mit Deinen Plänen!

    Antwort
    • November 22, 2017 um 8:39 am
      Permalink

      Hi Annabella,
      Danke für das Lob! 🙂 Das hört sich nach einem guten Plan an.
      Der Punkt beim Thema Bewertung ist Folgender: Ich bin in zwei Aktien-Gruppen bei Facebook. Dort lese ich immer wieder auch Beiträge nach dem Motto “Aktie x ist in den letzten 2 Wochen um y % gefallen. Die ist jetzt total unterbewertet.” Stellt sich die Frage, warum die Aktie gefallen ist. Meistens gibt es ja gute Gründe dafür. Das Gleiche geht natürlich auch in die andere Richtung.
      Ich bin davon überzeugt, dass der aktuelle Kurs der “richtige” Kurs ist. Denn das ist der Kurs, den der Markt als fair erachtet. Somit können wir unsere KGVs, KUVs etc. in die Tonne werfen und die Werte kaufen, bei denen wir ein gutes Gefühl haben.

      Es ist auch hilfreich mit erfahrenen Anlegern zu sprechen. Letzte Woche hat mir wieder jemand erzählt, dass er BASF mit 600%+ im Depot liegen hat. BASF ist gut gelaufen, aber auch kein Apple oder Amazon. Trotzdem kann man auf lange Sicht richtig gute Renditen einfahren. In diesem Sinne sollte man vielleicht nicht auf die aktuelle Rendite oder den absoluten Gewinn einer Aktie schauen, sondern auf die Haltedauer 🙂

      VG
      Felix

      Antwort
  • November 21, 2017 um 5:14 pm
    Permalink

    Hi Felix,

    Interessanter Artikel und schöne Worte zum Thema Demut.

    In der Sache bin ich auch bei dir, bei den Schlüssen, die du daraus ziehst jedoch nicht ganz.

    Zunächst ist da die ETF Kritik. Ja ich mag ETFs aber ich weiß auch, dass sie kein Allheilmittel sind und berechtigte Kritik anzubringen ist. Deine Punkte sind für den Privatanleger jedoch, meiner Meinung nach, nicht relevant.
    Ja Fonds schließen. Zum einen vermute ich jedoch, dass dies vor allem aktive betrifft. Zum anderen: So what? Ich verliere dadurch doch kein Geld. Ausgabeaufschlag gibt es auch nicht, also schichte ich einfach in einen neuen um. Das kostet vllt 10 Euro und kommt alle 5 Jahre vor. Zum anderen das Stimmrecht: Durchaus berechtigt. Doch sein wir ehrlich. Ich habe einige Einzelaktien im Depot, eine Einladung zur HV habe ich hingegen noch nie wahrgenommen. Im Zweifelsfall bin ich so opportunistisch zu behaupten, dass mein Interesse und das der Bank im Regelfall nicht divergieren.

    Deine Erkenntnisse zu Aktien teile ich. Entgegen der landläufigen Meinung ist es tatsächlich egal was du kaufst. Hatte auch mal einen Artikel mit diesem Titel geschrieben.
    Was mich jedoch verwirrt ist der Schluss den du daraus ziehst. 10-20 Aktien auswählen und dann besparen ist für mich trotzdem Stockpicking auch wenn ohne System. Wenn du das quasi zusätzlich zu Indexfonds machst, würde ich sagen ok cool macht halt Spaß und schaden tuts nicht. Aber als Grundlage für den Vermögensaufbau? Hier fehlt mir Diversifikation.
    Für mich ist das der logische nächste Schritt in deiner guten Denkkette. Wenn du realisierst, dass es egal ist welche Aktie du kaufst, heißt dass nicht gleich, alles auf eine (oder 10) Karten. Denn während der Erwartungswert zwar der selbe wie beim Indexfonds ist, so ist die Streeung doch viel höher. Für mich klingt das ein wenig nach “ja ich weiß ich kann den Markt nicht schlagen aber ich will mir wenigstens die Möglichkeit offen lassen” – bitte korrigiere mich 😉

    Demut beim Investieren bedeutet für mich einzugestehen, dass ich keine Winner Aktien finden kann und sie als Konsequenz alle kaufe. Somit muss ich als kleinsten gemeinsamen Nenner nur noch ans Wachstum glauben!

    Guter Artikel, der zum Diskutieren anregt. Jetzt sind meine Finger kalt…

    Grüße
    Pascal

    Antwort
    • November 22, 2017 um 8:49 am
      Permalink

      Hi Pascal,

      dein letzter Satz erinnert mich zwangläufig an Charlton Heston… Ist das ein schlechtes Zeichen? 🙂

      Zum Thema: Ob und wie viele ETFs in den nächsten Jahren geschlossen werden – darüber unterhalten wir uns gerne mal in 10 Jahren. Das Thema Stimmrecht ist von mir natürlich etwas ideologisch betrachtet. Hier geht es einfach ums Prinzip. Eien Aktie ist eine direkte Unternehmensbeteiligung, ein ETF nicht.

      Bei meiner (sturen/konsequenten/ideologischen) Denkhaltung, geht dein zweiter Punkt nicht auf. Ich habe eingesehen, dass ich den Markt nicht timen kann. Ich habe eingesehen, dass ich den Markt nicht schlagen kann. Ich habe eingesehen, dass es eine gewisse Diversifikation braucht.
      Schlussfolgerung: Zu den Werten, die ich aktuell im Depot habe (und die ich nicht verkaufe), kommen im nächsten Jahr 10 monatliche Sparpläne oben drauf.
      Ich denke, dass eine gute Diversifikation durchaus bei 20 Einzelwerten gelingen kann.

      Du fährst einen Mix aus ETFs und Einzelaktien?
      Ist das nicht inkonsequent? Oder vertraust du deinen “geschwungenen Hokuspokus-Linien” doch nicht 100%-ig? 😉

      VG
      Felix

      Antwort
      • November 22, 2017 um 9:53 am
        Permalink

        Hi Felix,

        ja das würde ich spontan als schlechtes Zeichen bezeichnen – aber du weißt ja wie das mit Analogien an der Börse ist: meist irreführend 😉

        Über ETFs kann man bestimmt trefflich streiten und die ideologische Frage direkte Unternehmensbeteiligung oder nicht ist sicherlich etwas für kalte Winterabende am Kamin (meine Familie wäre begeistert…). Ist aber eigentlich auch egal in diesem Zusammenhang.

        Mmh, deine Schlussfolgerung mit den 20 Aktien verstehe ich zwar, sie leuchtet mir dennoch nicht richtig ein. Du sagst, sie sei das Ergebnis deiner sturen und konsequenten Denkhaltung. Das hieße du würdest dich mit einem Würfel hinsetzen und 10 Aktien zufällig auswählen. An sich konsequent, da sie alle den selben Erwartungswert hinsichtlich Rendite haben. Doch damit lässt du bei der Diversifikation einfach nur den Zufall walten. Schließlich verbessert Diversifikation nicht den Erwartungswert der Rendite, sondern soll deren Volatilität beschränken. Wenn du das sinnvoll tun möchtest, müsstest du wiederrum Unternehmen verschiedener Branchen, Länder etc. wählen aaaand we are back at stock picking. Vielleicht sehe ich das aber auch etwas engstirnig 🙂

        Mein Vertrauen in die geschwungene Hokus-Pokus Linie ist ungebrochen! Ist mein Mix inkonsequent? Zum Teil sicherlich. Allerdings nicht weiter schädlich in meinen Augen. Was mache ich? Ich habe einen bestimmten Betrag, den ich dauerhaft und regelmäßig für meinen langfristigen Vermögensaufbau investieren möchte. Der geht ausschließlich in ETFs, weil ich davon überzeugt bin, dass diese langfristig das beste Ergebnis liefern.
        Dazu bin ich aber auch ein Spielkind und es macht ja auch Spaß in Einzelwerte zu investieren. Man beschäftigt sich mit Unternehmen und hofft die richtigen zu picken. Ich versuche das aber gedanklich klar abzugrenzen. Für mich ist letzteres Zockerei. Geld, dass ich hier investiere darf auf keinen Fall zu Lasten meines gewöhnlich investierten Betrages für den langfristigen Vermögensaufbau gehen.

        Beste Grüße
        Pascal

        Antwort
  • November 22, 2017 um 6:11 pm
    Permalink

    Hallo Felix,
    da ist Dir ein toller Artikel über Demut gelungen – herzlichen Glückwunsch! Tatsächlich ein Thema, über das man ruhig öfters mal lesen oder nachdenken sollte. 🙂

    Ich bin ein überzeugter Stock-Picker mit einem längerfristigen Anlagehorizont seit 30 Jahren. Auch ich habe in dieser langen Zeit durch mehrere Börsencrashs hindurch gelernt, demütig zu sein und meine Grenzen zu kennen. Markt-Timing halte auch ich für einen Privatanleger für nicht sinnvoll möglich und versuche es erst gar nicht. Dennoch weiss ich aufgrund meiner Erfahrung, dass mit einem gewissen Aufwand (den man tatsächlich treiben muss) mit Einzelaktien langfristig deutlich bessere Ergebnisse als mit ETFs zu erzielen sind (so ca. 5% p.a., siehe dazu mein Langfrist-Experiment unter http://bit.ly/2wJRcWt)
    In diesem Punkt stimmen wir ja wohl auch überein.

    Aber Deine weiteren Schlussfolgerungen kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Es ist egal was Du kaufst? Du empfiehlst hier tatsächlich, einfach irgendwelche Aktien zu kaufen “die einem gefallen”, ohne auf die Bewertung zu schauen? Das wäre genauso als wenn Du in einen x-beliebigen Supermarkt gehst und unabhängig vom Preis das kaufst, was Dir gerade gefällt. Das klingt für mich seltsam…

    Wenn sich ein Privatanleger als Wertpapiersparer versteht und er/sie keine wesentliche Zeit investieren möchte in seine Geldanlage, dann gibt es mit ETF, ausgewählten Fonds und Wikifolios heute vielerlei aktive oder passive Investment-Möglichkeiten für diesen Anlegertypen. Für viele Leute ist das tatsächlich der beste Weg, langfristig ein Vermögen aufzubauen. Hauptsache man investiert überhaupt und lässt das Geld nicht auf dem Sparkonto nutzlos rumliegen.

    Wenn Du Dich aber entscheidest, Einzelaktien zu halten, dann erwirbst Du einen Anteil an einem Unternehmen. Ob es dem gleichen Unternehmen in 10 oder 20 Jahren noch genauso gut geht wie heute, das kann gerade im Zeitalter der Digitalen Transformation niemand sagen. Viele Branchen sind komplett im Umbruch – wir leben in einer extrem kurzlebigen Zeit. Viele Unternehmen mit heute noch guten Cashflows und einer geringen Bewertung werden m.E. irrelevant werden in den nächsten 10-20 Jahren. Ich halte diese Buy+Hold-Strategien zum Vermögensaufbau, die in vergangenen Jahrzehnten gut funktioniert haben, daher in den allermeisten Branchen für extrem gefährlich. Soll heissen: langfristiges Investieren zum Vermögensaufbau in Einzelaktien ja, aber Du musst m.E. zumindest 1-mal pro Jahr schauen, ob sich das Unternehmen noch auf Kurs befindet und ob der Grund für Deinen Kauf noch immer gültig ist.

    Viele Grüße
    Stefan

    Antwort
  • November 24, 2017 um 8:48 am
    Permalink

    Ich denke, ein wichtiger Aspekt ist der “Zufall”. Der Zufall spielt eine große Rolle in unserem Leben. Meist bleibt er aber für uns unsichtbar. Stellt euch vor, ihr habt euren ersten Schultag. Der NEbensitzer auf der Bank ist ein netter Junge, oder ein nettes Mädel. Mit relativ großer Wahrscheinlichkeit wird er ein lebenslanger Freund oder Freundin. Sein Einfluss auf euer Leben ist kaum zu unterschätzen. Und das nur weil ihr “zufällig” in der gleichen Bank gesessen seid. So geht es im Leben weiter. Nicht zuletzt auch bei der Partnerwahl, Berufswahl, etc.
    An der Börse ist es etwas anders. Hier kann man den Zufall ziemlich genau messen. Er tritt uns in Gestalt der Volatilität gegenüber. Dabei ist er eigentlich ein Freund. Ja, das Risiko ist ein Freund, denn nur dadurch ist es möglich auch Renditen zu erzielen.
    Dennoch verunsichert uns das Risiko, wir wollen es minimieren.
    Aber vielleicht hilft auch der Gedanke, dass die Börse mit ihren (messbaren) Risiken, gar nicht so viel anders ist, wie unser normales Leben. Womöglich sind dort sogar die (versteckten) Risiken viel größer, und dennoch tragen wir sie mit einigermaßen Gleichmut.
    Da ist Demut wirklich ein guter Ratschlag, ein guter Weg um mit den Zufällen fertig zu werden, oder anders ausgedrückt, sein Schicksal anzunehmen.

    Antwort
    • November 24, 2017 um 9:29 am
      Permalink

      Sehr schöne Ergänzung! Wer weiß, ob ich heute Geld in Wertpapiere investieren würde, wäre ich nicht irgendwann über die Blogs des Finanzwesirs, Finanzrockers oder andere “gestolpert”.

      Der Versuch das Rikiko zu minimieren führt aus meiner Sicht auch im normalen Leben selten zum Mehrwert. Gesundheitliche Risiken können wir eben nur bedingt beeinflussen.

      Am Ende gilt ein gesundes Mittelmaß als Königsweg – gleichzeitig leider aber auch der häufig belächelte Werg. Wer ist heute schon gerne normal?… Aber wer nicht raucht, nicht säuft und sich einigermaßen gesund ernährt, macht alles richtig. Es muss ja nicht der Iron-Man oder die vegane Ernährung sein (zumindest nicht aus Gesundheitssicht).
      Und an der Börse ist es ähnlich. Der goldene Mittelweg sind ETFs oder das Buy-and-Hold von Einzelaktien. Bei Letzterem müssen es nicht die Super-Gewinner-Aktien sein, die man findet. Ein gesundes Mittelmaß reicht aus.

      Antwort

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