Die 10 größten Finanzirrtümer

Beim Thema Finanzen können vor allem Anfänger schnell unsicher werden. Ich finde das vollkommen verständlich und menschlich. Schließlich werden wir von gewissen Interessensvertretern ständig mit falschen Vorstellungen bombardiert.

Zeit, mal ein bisschen aufzuräumen!

1. Eine Immobilie zu kaufen ist günstiger als mieten

Der Klassiker. Schaffe, schaffe, Häusle baue. Der feuchte deutsche Traum von den eigenen vier Wänden. Erst wenn die Wände feucht werden, wird er zum Albtraum.

In erster Linie ist ein Hauskauf kein Investment und keine Altersvorsorge. Es ist eine persönliche Lifestyle-Entscheidung.

Viele verdienen daran, dass Immobilien gekauft werden: der Staat, die Banken, das Handwerk, die Versicherungen, die Makler und die Notare. Hinzu kommen die Eltern mit der Aussage: „Hat bei uns doch auch super geklappt“.

Erstens sind die Rendite-Rechnungen häufig falsch und zweitens haben sich die Rahmenbedingungen verändert. Mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt und der demografische Wandel sind nur zwei davon.

Wer immer noch glaubt, dass kaufen im Schnitt besser als mieten ist, sei nochmal der Klassiker von Gerd Kommer ans Herz gelegt.

2. Man muss reich sein um zu investieren

Investieren in Wertpapiere ist nur was für Golf spielende Mercedes-Fahrer, die in ihrer Penthouse-Wohnung ständig den Aktienticker auf dem Wand-großen Flatscreen-Fernseher verfolgen. Für bodenständige Arbeitnehmer, die den öffentlichen Nahverkehr nutzen und in einer 2-Raum-Mietwohnung hausen, ist das nichts.

Falsch!

Jeder kann investieren – auch du! Es ist die beste (und einzige) Möglichkeit, um ein kleines Vermögen aufzubauen. Nicht die absoluten Anlagesummen entscheiden, sondern der relative Anteil gemessen am Einkommen.

Auch wenn du noch keine Ahnung von Aktien hast, kannst du loslegen. Du musst nicht viel lesen, recherchieren oder dich beraten lassen. Starte mit einer Depot-Eröffnung und bespare kontinuierlich und automatisiert einen ETF. Am besten auf den MSCI World.

3. Ich verdiene nicht genug Geld, um zu investieren

In Gesprächen häufig die Abstufung zum Finanz-Mythos #2. Nach dem Motto „ich bin weder reich noch mittelreich – ich hab gar nüscht“.

In manchen Fällen mag das wirklich so sein. Bei Geringverdienern mit Kindern oder gar Alleinerziehenden ist das Geld wirklich knapp.

Aber in den meisten Fällen, gibt es Möglichkeiten, um zu sparen. Das Problem sind häufig zu hohe Konsumausgaben. Viele Menschen leben von Monat zu Monat. Nur wenn am Ende des Monats (aus Versehen) noch Geld übrig ist, wird das kurzfristig angespart. Wenn nicht, dann nicht.

Das ist der größte Fehler!

Irgendein schlauer Amerikaner (ja, die gibt es), prägte den Ausdruck: „Pay yourself first“. Man sollte also bereits zu Beginn des Monats einen Teil (10%) des verfügbaren Einkommens entnehmen und ansparen.

Es geht darum, die Sparraten als Fixkosten zu betrachten. Dadurch entsteht der Druck, die anderen Kosten sensibler zu betrachten und zu reduzieren.

Du kannst nichts ausgeben, wenn nichts mehr da ist.

Wenn du noch auf der Suche nach Sparmöglichkeiten bist, dann lies meine 8 Finanztipps, mit denen du garantiert reich wirst 

4. Gold ist ein gutes Investment

Vor allem, wenn die Aktienkurse wieder etwas korrigieren oder es gar zu einem vorübergehenden Crash kommt, steigt der Goldpreis. Es scheint der sichere Hafen in stürmischen Zeiten.

Daher glauben viele auch daran, dass Gold eine der wenigen sicheren Anlagen sei, wenn das System komplett kollabiert. Wenn das Armageddon der Weltwirtschaft eintritt. Wenn Massenarbeitslosigkeit herrscht, Euro und Dollar nahezu wertlos werden und Aktienwerte verpuffen.

Ganz ehrlich: Wenn es soweit kommt, hilft dir dein Gold auch nicht mehr. Solltest du an ein solches Szenario glauben, dann baue dir lieber einen Bunker und bestücke ihn mit viel Wasser und Dosenfutter 

In der Realität bringt es Gold langfristig auf eine Rendite von 4%, ein MSCI World auf 8 bis 9% (Quelle: Finanztip). Vor allem kurzfristig schwankt Gold etwas mehr als Aktien.

Gold ist keine schlechte Geldanlage. Aber es gibt bessere Alternativen!

5. Kapitallebensversicherungen eignen sich gut zum Sparen

Die klassische Lebensversicherung ist das Lieblingsfinanzprodukt der Deutschen. „Herr Meier von der Allianz will doch nur das Beste für mich!“

Pustekuchen!

Versichern und Sparen zu kombinieren lohnt sich nicht. Lieber die Versicherungen an die individuelle Situation anpassen und renditestarke Anlagen vorziehen. Zudem sind die Vertriebsprovisionen der meisten Produkte viel zu hoch. 70% der Verbraucher kündigen ihre Lebensversicherung vor Ablauf.

Versicherungs- und Sparprodukte sollten getrennt werden. Die Kapitallebensversicherung hilft nur den Versicherungsgesellschaften.

6. Ich brauche mir keine Gedanken um Geld machen. Mein Partner kümmert sich darum

Oh je… Auch der größte Romantiker weiß, dass die Scheidungsrate etwa 50% beträgt. Und selbst wenn du und dein Partner den Schwur der ewigen Treue durchzieht, ist es keine gute Einstellung.

Niemand sollte irgendeine wichtige Entscheidung seines Lebens in die Hand eines anderen legen. Selbst wenn es die des Partners ist und dieser ein intelligenter, lieber und vertrauenswürdiger Mensch ist. Beratung ist gut und wichtig. Die Entscheidungen solltest aber du selbst treffen. Und dazu stehen.

Außerdem bedeutet es für deinen Partner auch viel Verantwortung und Stress, wenn er sich alleine um eure Finanzen kümmern muss. Er handelt mit seinen Entscheidungen für euch beide.

Es ist gut, wenn einer „den Hut auf“ hat. Aber in einer guten Beziehung, sollten wichtige Entscheidungen von beiden Partnern getroffen werden. Sprecht miteinander!

7. Ich bin besser als der Markt

Es gibt einige Anleger die glauben, dass sie eine bessere Rendite erwirtschaften können, als der Markt. Dass sie durch Stockpicking (also die gezielte Aktienauswahl) und Market-Timing (das Kaufen und Verkaufen zur scheinbar richtigen Zeit), mehr Geld verdienen können als mit einem schnöden ETF.

Studien belegen das Gegenteil.

Kurz gesagt: Du bist nicht Gott!

8. Man sollte immer drei Monatsgehälter als Rücklage haben

Keine Ahnung wer das in die Welt gesetzt hat. Aber es hält sich hartnäckig. Andererseits könnte man ja froh sein, wenn die Mehrheit finanzielle Rücklagen gebildet hätte…

Die Höhe sollte sich aus meiner Sicht aber an den monatlichen Ausgaben und der persönlichen Situation orientieren.

Selbstständige mit schwankenden Einkommen benötigen einen größeren Puffer. Auch Immobilienbesitzer oder privat Krankenversicherte, um ggf. höhere Ad-hoc Ausgaben stemmen zu können.

Angestellte oder Beamte ohne Kinder brauchen nur einen kleinen Puffer. Hier sollte man sich fragen: „Was kann schlimmstenfalls kaputt gehen, das ich sofort reparieren oder neu kaufen muss“.

Für die einen reicht ein Monatsgehalt als Rücklage, andere sollten bis zu sechs Monatsgehälter vorhalten.

9. Zwei Einkommen sind besser als eines

In den letzten Jahren haben sich viele Familien für den Kauf einer Immobilie entschieden. Als Pro-Argument habe ich schon häufig gehört: „Die Finanzierung ist sicher. Wir gehen ja beide arbeiten“.

Mh…okay, wenn beide in Relation zur Höhe des Kredites sehr gut verdienen. Wenn aber für die Kreditrate und die Basis-Konsumausgaben beide Einkommen benötigt werden, geht die Rechnung nicht auf. Dann bedeuten zwei Einkommen ein höheres Risiko, als wenn sie mit einem Einkommen kalkuliert hätten.

Zudem können zwei Einkommen das finanzielle Bild verzerren. Es kommen viele Einnahmen rein, müssen im Gegenzug aber teilweise wieder ausgegeben werden. Ein zweites Auto, auswärtiges Essen, ggf. Arbeitskleidung. Wo viel Geld da ist, wird meist auch viel ausgegeben.

Jetzt aber zum wichtigsten Punkt. Bei der Entscheidung ein oder zwei Einkommen, geht es ja eigentlich um die Frage der Kinderbetreuung. Möchte man seine Kinder im Alter von sechs Monaten im Kindergarten abgeben oder bis zum zweiten oder dritten Lebensjahr zuhause betreuen.

Die Entscheidung muss jeder selbst treffen.

Meine Meinung: Geld sollte nicht die treibende Kraft bei finanziellen Entscheidungen spielen. Was bringt mir Reichtum und finanzielle Freiheit mit 45 Jahren, wenn ich meine Kinder bis dahin kaum gesehen habe, weil ich ständig gearbeitet habe? Die Kinder sind dann vielleicht 15 Jahre alt. Dann wollen die mich auch nicht mehr mit mir spielen…

10. Über Geld spricht man nicht

Wir Menschen sprechen über Vieles. Über das Wetter, Fussball, die AfD und Boris Becker. Aber häufig nicht über die wichtigen Dinge im Leben. Häufig nur oberflächlich über den Beruf oder die persönlichen Finanzen.

Dabei ist das der wichtigste Hebel um mehr Finanzbildung in die Köpfe der Menschen zu bekommen.

Nein, Geld ist nicht das Wichtigste im Leben. Aber unsere (Lebens-)Zeit ist sehr wichtig. Und wenn Zeit gleich Geld ist, dann ist auch Geld wichtig. Quod erat demonstrandum! 

Also sprich mit deinen Freuden und deiner Familie über Geld. Über Versicherungen und Geldanlagen.

Oder/Und schließ dich einer der autonomen Zellen des Finanzwesirs an. Aus eigener Erfahrung kann ich nur positives berichten. Es sind wirklich angenehme Gespräche mit tollen Leuten.

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7 Gedanken zu „Die 10 größten Finanzirrtümer

  • September 29, 2017 um 6:57 am
    Permalink

    Bisher kann ich tatsächlich keinen der Punkte abhaken, stattdessen kann ich noch ergänzen:
    11. Man muss so früh wie möglich mit dem Investieren anfangen. Die ersten Jahre entscheidet die Sparrate über den finanziellen Erfolg, weswegen man in jungen Jahren nicht alles in Wertpapiere pumpen muss. Lieber auf eine gute Einnahmequelle und ein gutes Finanzpolster setzen.
    12. Ich muss finanziell frei werden, um dem Hamsterrad zu entkommen. Man kann schon vorher ein schönes Leben haben. Man muss kein Unternehmer werden, um gute Einnahmen und flexible Arbeitszeiten zu haben.

    Antwort
    • Oktober 2, 2017 um 6:42 pm
      Permalink

      Hi Jenny,
      sehr schöne Ergänzungen, die ich so unterschreibe!

      VG / Felix

      Antwort
  • September 29, 2017 um 5:11 pm
    Permalink

    Punkt 1 kann ich so nicht unterschreiben.
    1.) Bei der Auswahl der Immobilie muss man die gleiche Sorgfalt walten lassen wie bei anderen Investments. Dann kann man auch vermeiden eine Schrottimmobilie „angedreht“ zu bekommen oder/und über Wert zu bezahlen.
    2.) Schaut man sich den Immobilienmarkt an, sind die Preise seit 2008 deutlich angestiegen.
    3.) Nach 10 Jahren kann man den erzielten Gewinn steuerfrei kassieren
    4.) Bei selbstgenutztem Wohneigentum kann man die eingesparte Miete als „Rendite“ verbuchen und diese Rendite ist wiederum steuerfrei.

    Fazit: Man sollte alle möglichen Investments prüfen ob Sie für die eigene Lebenssituation lohnend sind.

    Antwort
    • Oktober 2, 2017 um 6:47 pm
      Permalink

      Hi Andreas,
      Steigende Immobilienpreise bedeuten noch lange keine positive oder gar gute Rendite. Da wären zum einen die Kaufnebenkosten, zum anderen die Kreditzinsen. Hinzu kommen Instandhaltungskosten, die häufig unterschätzt werden.
      Dennoch konnten auch Immobilienkäufer in den letzten Jahren mit Gewinnen aus dem Markt aussteigen – keine Frage. Vor allem in Großstädten und Ballungsräumen. Auf dem Land sieht es aber schon wieder ganz anders aus.

      VG / Felix

      Antwort
  • Oktober 2, 2017 um 4:57 pm
    Permalink

    Sehr schöner Artikel, ich kann Dir auch in fast allen Punkten 100% zustimmen.

    Allerdings muss ich bei Punkt 7 doch heftig widersprechen. Warum wird nur auf fast allen Finanzblogs gebetsmühlenartig behauptet, ein Privatanleger könne in seiner Aktienauswahl nicht erfolgreich sein?

    “Es gibt einige Anleger die glauben, dass sie eine bessere Rendite erwirtschaften können, als der Markt. Dass sie durch Stockpicking (also die gezielte Aktienauswahl) und Market-Timing (das Kaufen und Verkaufen zur scheinbar richtigen Zeit), mehr Geld verdienen können als mit einem schnöden ETF.
    Studien belegen das Gegenteil.”

    Was diese Studien belegen ist lediglich, dass die allermeisten Fondsmanager schlechter abschneiden als der Markt. Aber es gibt etliche Privatanleger, die deutlich besser sind über Jahrzehnte hinweg. Privatanleger haben es viel einfacher als Fondsmanager, eine solche Outperformance zu erzielen. Ich habe mindestens 7 Gründe dafür gefunden und hier mal zusammengeschrieben: https://www.high-tech-investing.de/single-post/2017/09/03/7-Gr%25C3%25BCnde-warum-Privatanleger-erfolgreicher-investieren-als-Fondsmanager

    Ein ETF ist ein gutes Investment für alle Leute, die mit minimalem Aufwand eine durchschnittliche Rendite erzielen wollen und ihr Geld auch keinem Dritten anvertrauen wollen. Aber es gibt etliche Privatanleger, die um einiges besser abschneiden. Die sind nicht Gott. Aber sie interessieren sich für die Börse, haben Erfahrungen gemacht, Wissen aufgebaut und profitieren nun davon. Ich finde wir sollten dieses Wissen weitergeben auf unseren Finanzblogs und nicht demotivieren durch zu pauschale Aussagen.
    VG Stefan

    Antwort
    • Oktober 2, 2017 um 6:54 pm
      Permalink

      Hi Stefan,
      Manchmal kommt es mir vor wie beim Poker oder bei Fussball-Wetten: Irgendwie scheinen immer alle zu gewinnen 🙂
      Lass es mich so formulieren: ich behaupte, dass der Großteil der privaten Stockpicker schlechter abschneidet als der Markt. Und zwar nicht aufgrund schlechter Aktienauswahl, sondern aus psychologischen Gründen.
      Ich denke aber auch, dass es erfahrene Anleger gibt, die Überrenditen erzielen. Weil sie ihre Nerven im Griff haben und ihre Strategie durchziehen.

      Welche langfristige Performance kannst du bieten? 🙂

      VG / Felix

      Antwort
  • Oktober 3, 2017 um 7:32 am
    Permalink

    Super Beitrag.

    Geld und in der Pampa leben ist der größte Traum, was soll ich denn in so einem Stadt KZ wohnen voll mit Linken, Nazis und neuerdings diesen kleinasiatischen Dönermatschos und Islamisten. Da kann mich jeder Herr Bänker und Politiker mal getrost am Arsche lecken. Dazu noch laute Autobahnen und Manager mit kleinem Penis in einem überdimensionierten Metallgerippe auf Rädern (Mercedes). Tags über den Boss spielen und Abends lassen sie sich den Arsch von irgendeiner Domina versohlen.

    Hier habe ich auch einen Beitrag über Finanzirrtümer geschrieben http://sh-lifestylecoaching.com/finanzirrtumer-6-mittelschicht-gerald-horhahn/ Erschreckend, wie viele Menschen immer noch darauf reinfallen.

    Antwort

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