Die Zukunft für die du sparst existiert nicht

Auf Finanzblogs und in entsprechenden Facebook-Gruppen, fallen häufig folgende Aussagen:

“Im Alter von 44 gehe ich in Rente.”

“Mit 37 Jahren gehe ich auf Weltreise und werde digitaler Nomade.”

“In 3 Jahren habe ich ein Dividenden-Einkommen von monatlich 125,67 €.”

Und so weiter…

Häufig geäußert von Mittzwanzigern. Ohne Kinder.
Die gerade ihr Studium oder ihre Ausbildung beendet haben.
Die gerade ihren ersten Job begonnen haben und zum ersten Mal viel Geld verdienen.

Sie schreiben über ihre Zukunft, als wäre sie planbar.

Ist sie nicht!

Auch ich bin erst 32 Jahre alt. Aber ich bin seit 7 Jahren berufstätig und habe zwei Kinder.
Ich habe also einen Hauch von Ahnung davon, wie sich das eigene Leben verändern kann.

Die Zukunft lässt sich nicht planen

Ich bin überzeugt: Einer der schlimmsten Fehler ist, sein Leben so zu planen, als würde alles so bleiben oder als wäre alles vorhersehbar. Weder global, noch im privaten Umfeld wird das so sein. Im Gegenteil. Vor allem global (politisch, wirtschaftlich, sozial) wird es zunehmend unruhiger.

Nicht, dass man Angst davor haben müsste. Wir sollten es aber akzeptieren.

Die meisten Menschen, denen ich durch meinen Blog bisher begegnet bin, sind sehr strukturierte Persönlichkeiten. Sie sind gebildet, arbeiten didaktisch und methodisch. Und planen gerne (“Go, Excel, Go!”).

Ich gehöre selbst zu dieser Randgruppe.

Wir sollten uns aber eines klar machen: Dinge, die wir nicht wissen, wissen wir nicht! Es ist eine Illusion, dass sich Dinge oder Rahmenbedingungen nicht ändern. Die Aussagen “das war schon immer so” oder “das haben wir schon immer so gemacht” unserer Eltern und Großeltern kennen wir alle. Das funktioniert aber nicht mehr.

Auf der einen Seite, haben das viele “Solo-Kapitalisten” verstanden. Sie lassen ihr Geld nicht auf Sparbüchern verrotten oder schaufeln finanzielle Gräber mit einem 100%-finanzierten Eigenheim. Früher hat das vielleicht funktioniert. Sicherlich funktioniert das mit dem Häuschen auch heute noch für einige Menschen. Aber nicht für alle.

Der Traum vom Eigenheim ist kaum mehr als ein gedankliches Erbe unserer Eltern und Großeltern.

Gib dem Finanzblogroll deine Stimme für den Publikumspreis beim

Ich würde mich sehr darüber freuen! 

Auf der anderen Seite leben viele Blogger und Investoren in einer Illusions-Blase, indem sie glauben, ihr Leben wäre planbar. Als ob nicht irgendwann ein Partner/eine Partnerin in ihr Leben treten würde. Als ob nicht irgendwann eine Familie gegründet würde. Als ob nicht irgendwann Angehörige gepflegt werden müssten.

Auch das Leben um uns herum verändert sich. Sowohl Ausbildung und Studium, als auch das Berufsleben.
Früher hieß es: “Sei fleißig in der Schule und geh studieren, dann bekommst du einen guten Job“.
Anders gesagt: Wenn du keine gute Ausbildung hast, bekommst du keinen Job und wirst arm. Punkt.

In den USA ist diese Denkweise mittlerweile noch viel stärker ausgeprägt. Derzeit versinkt eine ganze Generation in Studien-Krediten, weil jeder einen guten Uni-Abschluss haben möchte. Aktuell sind es satte 1,45 Billionen US-Dollar, die sich auf 44 Millionen Amerikaner verteilen.
Bei 320 Millionen US-Bürgern, hat also etwa jeder Achte einen offenen Studien-Kredit.
Die Ausfallquote liegt bei derzeit 11%. (Quelle: studentloanhero.com)

Und dabei läuft es wirtschaftlich gut.

Die Flexibilisierung des Arbeitslebens

Insgesamt wird das Arbeitsleben flexibler. Wir leben in einer Generation von YouTube-Stars, Bloggern und Uber-Fahrern. Letzteres leider noch nicht in Deutschland.

In der Zukunft sind Kreativität und Unternehmertum die Schlüssel für den persönlichen beruflichen Erfolg. Wir werden mehr steuern und koordinieren als selbst ausführen und körperlich arbeiten. Auch die Arbeitszeit könnte sich erheblich verkürzen. Vermutlich wird es auch neue Jobs geben, an die wir heute nicht einmal denken.

Aber warum sollten wir dann zwingend mit 65 oder 67 Jahren in Rente gehen?

Yes, we can!

Ich weiß nicht was die Zukunft bringt. Weder privat noch beruflich.
Aber ich akzeptiere, dass sie anders sein wird als die Gegenwart.

Einige Menschen aus meiner Familie werden leider nicht mehr da sein.
Vielleicht werde sogar ich nicht mehr da sein.

Es hilft aber auch nicht, nichts zu tun. Wir können zum großen Teil unsere Gesundheit selbst beeinflussen. Körperlich und finanziell. Wir können uns stetig weiterbilden und sollten gelegentlich unsere Komfortzone verlassen. Alles andere bringt die Zukunft mit sich.

Unsere Zukunft wird geprägt sein durch wirtschaftliche Unsicherheit, beeindruckende technologische Fortschritte und mehr Chancen, als wir uns vorstellen können. Wir können sie nicht vorhersagen, aber wir können uns darauf vorbereiten. Indem wir Schulden abbauen, finanzielle Reserven aufbauen und offen sind für neue Wege.

Oder wie es ein bedeutender Amerikaner formuliert hat:

Yes, we can!
(Bob der Baumeister)

Möchtest du ab sofort über neue Beiträge informiert werden?
Dann melde dich jetzt für meinen Newsletter an.

Teilen macht Freu(n)de... Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+0Pin on Pinterest0Email this to someone

19 Gedanken zu „Die Zukunft für die du sparst existiert nicht

  • September 21, 2017 um 1:38 pm
    Permalink

    Hallo,
    schöner Artikel mit Blick auf die Zukunft.
    Wie heisst es so schön?
    Theorie ist das was keiner versteht, und Praxis das, was keiner erklären kann. 🙂
    In einem Punkt will ich dir aber widersprechen, ich glaube wir haben als Menschheit noch nie in ruhigeren Zeiten gelebt als jetzt grade. Das Trifft mit Sicherheit nicht auf alle zu, aber wir müssen uns nicht vor Säbelzahntigern verstecken, wir brauchen keine Angst zu haben, dass der Nachbarstamm uns überfällt, wir müssen uns nicht vor dem schwarzen Tod fürchten. Jeder von uns hat realistische Chancen älter als 30 jahre zu werden.
    Mit Blick auf unsere Vergangenheit der Menscheit, fühle ich mich jetzt grade Pudelwohl.
    Was die Zukunft bringt? Keine Ahnung, aber es kann nur besser werden…:)

    Antwort
    • September 22, 2017 um 5:00 am
      Permalink

      Hi Stefan,
      wir leben in einer guten Zeit und es kann nur besser werden?! Du bist ja echter Optimist 🙂
      Politisch und sozial sind die Zeiten ruhig wie kaum zuvor. Gefühlt ist es wohl leider etwas anders.

      VG / Felix

      Antwort
  • September 21, 2017 um 1:52 pm
    Permalink

    Es wäre auch langweilig wenn immer alles planbar wäre … Wobei uns ja eher die negativen Seiten des unbekannten schrecken.

    Deine Aussage “[…] Uber-Fahrern. Letzteres leider noch nicht in Deutschland” ist sicher aus deiner Fahrgast sicht gemeint, oder?
    Ich kann mir nicht vorstellen das die *meisten* Überfahren ausser in ihren Träumen je finanziel frei werden (okay irgendwann schon mal so entgültig halt)…

    Antwort
    • September 22, 2017 um 5:02 am
      Permalink

      Hi,
      stimmt, das wäre langweilig. Uber-Fahrten als Nebenverdienst wäre doch auch in Deutschland eine gute Sache.
      Allerdings setze ich meine Hoffnung eher auf das autonome Fahren.
      Dann sollte man nicht alles auf die “Uber-Karte” setzen 🙂

      VG / Felix

      Antwort
  • September 21, 2017 um 3:04 pm
    Permalink

    Hi Felix,

    da stimme ich dir bis auf eine Aussage vollkommen zu und zwar diese hier:

    “…Vor allem global (politisch, wirtschaftlich, sozial) wird es zunehmend unruhiger….”

    Ich glaube ganz genau das Gegenteil. Es wird immer ruhiger 🙂 Das wir anders denken, ist wohl ein Problem unserer ständig zur Verfügung stehenden Informationen.

    Viele Grüße

    Lars

    Antwort
    • September 22, 2017 um 5:05 am
      Permalink

      Hi Lars,
      die Aussage ist sicherlich etwas provokant 🙂 Was ich aber meine ist der Wandel, weniger das Thema Sicherheit.
      Und an diesem Wandel, sind Politik und Wirtschaft beteiligt. Die soziale Frage wird immens zunehmen, wenn gut ausgebildete IT-Fachleute und Unternehmer zwar gefragt sind, die klassischen Arbeitsplätze aber immer mehr wegfallen.

      VG / Felix

      Antwort
  • September 22, 2017 um 4:29 am
    Permalink

    Ich finde es cool, dass es einige mit ambitionierten Zielen gibt. Ich komme mir da langweilig vor, wenn ich sage: “Ich will mit 60 in Rente oder zumindest in Teilzeit arbeiten.” Denke auch, dass man durch solche Ziele aggressiver an die Vermögensbildung geht. Wer 100k in einem großen Konzern verdient, kann durchaus ein paar Jahre im Voraus planen, selbst mit Kindern. Als Frau tue ich mich da wesentlich schwerer, weil ich zwecks Familiengründung keine große Karriere geplant habe.

    Antwort
    • September 22, 2017 um 5:08 am
      Permalink

      Hi Jenny,
      Karriereplanung ist doch eh Müll. In bin seit 7 Jahren berufstätig und komme auch gut ohne voran.
      Im Gegensatz dazu kenne ich viele, die irgendwelche Unternehmens-Programme durchlaufen und am Ende trotzdem keine Chance bekommen (teilweise zu recht).
      Einfach einen guten Job machen und das Leben nicht vergessen.
      Und schon gar nicht aus Karriere-Gründen auf Kinder verzichten! 😉

      VG / Felix

      Antwort
  • September 22, 2017 um 7:00 am
    Permalink

    Hallo Felix,
    wohl wahr, das mit der Planbarkeit ist so eine Sache 😉

    Ich habe einen Buchtipp: “Wenn Ideen Sex haben: Wie Fortschritt entsteht und Wohlstand vermehrt wird” von Matt Riley. Der deutsche Titel ist bescheuert, der englische trifft es besser: “The Rational Optimist: How Prosperity Evolves”, hier die Web-Site zum Buch. http://www.rationaloptimist.com/
    Tenor des Buches:

    1. Wir leben in guten Zeiten und es wird noch besser werden (u.a. Mordrate in Großbritannien vor und nach der industriellen Revolution. Sie sinkt um 2 Zehnerpotenzen.)
    2. Putzige Planung hilft nicht wirklich. Fortschritt und Entwicklung sind wie die Evolution eine Bottom-up-Geschichte. Bsp: Könige codifizieren das Recht und die Prinzipien, die Kaufleute schon lange informell anwenden. Dinge, die sich bewähren kommen irgendwann auch bei der herschenden Klasse an. Aber von oben herab Fortschritt zu planen: Sinnlos!

    Wenn Du das Buch noch nicht kennst: Ich könnte mir vorstellen, dass es Dir gefällt.

    Gruß
    Finanzwesir

    Antwort
    • September 22, 2017 um 7:35 am
      Permalink

      Hallo Albert,
      der Autor sieht doch aus wie du…dein zweites (drittes?) Standbein?! 😉
      Aber Respekt an die deutschen Übersetzer. Gar nicht so einfach den Begriff “Sex” hier einzubauen.

      Naja, auf jeden Fall Danke für den Tipp.
      Kommt auf die Weihnachts-“Watchlist” 🙂

      VG / Felix

      Antwort
  • September 22, 2017 um 10:36 am
    Permalink

    Sehr schöner Artikel, vielen Dank!
    Ich habe seit Jahren das für mich schönste Zitat zum Thema (von John Lennon) in Riesengröße als Wand-Tattoo im Schlafzimmer hängen: “Life is what happens while you’re busy making other plans”.

    Ich gehöre von meinem Naturell auch eher zu den Viel-planern und mir hat die tägliche Begegnung mit diesem Zitat sehr geholfen, mein Leben entspannter anzugehen – denn was hilft die angebliche finanzielle Freiheit, wenn Gesundheit oder Familie auf dem Weg dorthin leiden müssen…
    VG Stefan

    Antwort
    • September 22, 2017 um 12:10 pm
      Permalink

      Hi Stefan,
      das erinnert mich an einen Bekannten. Der hatte im Schlafzimmer den Spruch “Enjoy the little things in life” 🙂
      Aber zum Thema. Wie so oft, ist ein gesundes Gleichgewicht das Wichtigste.

      VG / Felix

      Antwort
  • September 22, 2017 um 2:27 pm
    Permalink

    Hallo Felix, du schreibst:
    “Vor allem global (politisch, wirtschaftlich, sozial) wird es zunehmend unruhiger.”

    Kannst Du das belegen oder ist das nur deine subjektive Wahrnehmung?

    Antwort
    • September 22, 2017 um 7:19 pm
      Permalink

      Hallo Sabine,
      wie unten bereits kommentiert: “Was ich aber meine ist der Wandel, weniger das Thema Sicherheit.
      Und an diesem Wandel, sind Politik und Wirtschaft beteiligt. Die soziale Frage wird immens zunehmen, wenn gut ausgebildete IT-Fachleute und Unternehmer zwar gefragt sind, die klassischen Arbeitsplätze aber immer mehr wegfallen.”
      Das wir in der friedlichsten Zeit mit dem höchsten Wohlstand überhaupt leben ist unbestritten (außer von den Linken 😉 )

      VG / Felix

      Antwort
  • September 23, 2017 um 10:24 pm
    Permalink

    Ich mußte an folgenden Spruch beim Lesen deines Artikels denken:

    “Plane – und du wirst irren. Je genauer man plant, desto härter trifft der Zufall. Je weniger man plant, desto leichter hat es der Zufall. Je mehr der Zufall trifft, desto nötiger ist der Plan. Plane nicht – und du wirst nicht wissen, ob du geirrt hast.” Franz Luwein

    Antwort
    • September 28, 2017 um 6:17 am
      Permalink

      Den musste ich drei Mal lesen 🙂 Aber sehr wahr!

      VG / felix

      Antwort
  • September 24, 2017 um 3:50 pm
    Permalink

    Hallo Felix,
    sehr interessanter Artikel. Ich finde es gut, voraus zu planen. Denn das bedeutet für mich, Ziele zu haben. Und Ziele finde ich gut.
    Aber natürlich kann es jederzeit passieren, dass meine Pläne durch irgendwas zunichte gemacht werden. Ich lebe nicht in der Illusion, dass alles für immer so bleiben wird.

    Kürzlich haben meine Freundin und ich und getrennt. Das war nicht geplant und meine ehrgeizigen 60+% Sparquote werde ich daher nicht mehr halten können. So ist das halt. Und auch andere Dinge in meinem Leben haben sich seit dem geändert. Das Meiste überraschender Weise zum Besseren.

    Aber für mich ist ganz egal, wie die Zukunft aussieht. Etwas auf der hohen Kante zu haben wird in keinem Fall schaden. Wichtig ist, dass man dabei aber trotzdem nicht vergisst, im Hier und Jetzt zu leben. Denn mein tolles Depot nützt mir wenig, wenn ich morgen vom Bus überfahren werde.

    Mein Fazit: Pläne sind gut, aber man darf sie nicht als Fakt ansehen.

    Darüber hinaus bin ich ein naiver Optimist: Egal was passiert, es kommt immer darauf an, was man daraus macht. Jede Situation kann man besser oder schlechter verkraften. Das hängt letztendlich von der eigenen Einstellung ab.

    Viele Grüße
    Tobias

    Antwort
    • September 28, 2017 um 6:15 am
      Permalink

      Hi Tobias,
      Pläne sind immer gut, solange man nicht stur an ihnen festhält.
      Naiver Optimismus geht mir leider etwas ab 🙂 Ich bin eher bei den Realisten. Was du beschreibst klingt auch eher nach eine hohen Resilienz-Fähigkeit. Sehr spannendes Thema übrigens 🙂

      VG / felix

      Antwort
  • Oktober 15, 2017 um 12:15 pm
    Permalink

    Hi Felix,
    interessanter Artikel.
    Im Leben ist nicht alles planbar, aber mit einem Plan findet man leichter das Ziel. Auch wenn die Lebensumständen sich geändert haben, heißt dass nicht, dass es ‘falsch’ war, geplant zu haben.

    Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.