Einkommen, Investieren, Abseits – hauptsache passiv!

Dieser Beitrag ist Teil der Blogparade Passives Einkommen von Vincent (freakyfinance.net) und Eva Abert (Vermögensakademie).

“Ein Spieler wird nur dann für seine Abseitsstellung bestraft, wenn er zum Zeitpunkt, zu dem der Ball von einem Mitspieler gespielt oder berührt wird, aktiv am Spiel teilnimmt, indem er […] den Ball spielt oder einen Gegner beeinflusst” (DFB Regelwerk )

Das passive Abseits im Fußball, bietet immer wieder Raum für ausschweifende Diskussionen. Stundenlang wird in Fußball-Talks oder in Kneipen darüber diskutiert, ob Spiel A nun wirklich aktiv ins Spiel eingegriffen oder nur doof herumgestanden hat.

Und am Ende jeder Diskussion, steht der Satz:
Abseits ist, wenn der Schiri pfeift.

Bei den Diskussionen um passives Einkommen und passives Investieren, gibt es leider keinen Schiedsrichter. Trotzdem – oder vielmehr gerade deshalb – wird umso heftig darüber diskutiert.

Der Anstoß

Anstoß für diesen Beitrag war ein Video, welches vor einigen Tagen auf dem YouTube-Kanal Aktien mit Kopf veröffentlicht wurde.

Der Kanal wird vom fleischgewordenen Hawaii-Hemd-Träger Kolja Barghorn betrieben. Falls du ihn noch nicht kennen solltest, kann ich dir wärmstens empfehlen mal vorbei zu schauen.

Die Videos sind häufig informativ und unterhaltsam. Vor allem, wenn Vollblut-Kapitalist Kolja seinen Gedanken einfach freien Lauf lässt.

In dem angesprochenen Video allerdings, ging die Message daneben. Zumindest aus meiner Sicht.

In Investieren OHNE Geld? Wie der 24-Jährige Hendrik Gewinnbeteiligungen aushandelt, erzählt Koljas Geschäftskumpel Hendrik von seiner “Investition ohne Geld”. Dahinter verbirgt sich aber lediglich die Mitwirkung an einem Filmprojekt. Er macht Marketing oder Werbung oder so ein Gedöns für einen bereits finanzierten Film. Dafür erhält er eine Gewinnbeteiligung.

Für ihn sei das eine Investition, die passives Einkommen generiere.

Für mich ist das eine selbstständige Tätigkeit.

Der Transfer

Denn was heißt denn “passiv”? Passivität heißt nicht mehr und nicht weniger als Untätigkeit.

Offiziell gibt es für das Wort Passivität folgende Synonyme: Energielosigkeit, Gleichgültigkeit, Initiativlosigkeit, Tatenlosigkeit, Teilnahmslosigkeit, Temperamentlosigkeit, Trägheit, Untätigkeit, Willenlosigkeit; (bildungssprachlich) Apathie, Indolenz, Lethargie, Phlegma (Quelle: Duden)

Klingt nicht so pralle oder?!…

Keiner dieser Punkte trifft auf die Tätigkeit zu, die Hendrik hier ausführt. Im Gegenteil, er nimmt aktiv “am Spiel” teil. Beeinflusst seine Mitspieler und Gegner.

Ansonsten könnte ich auch behaupten, dass ich ohne Geld investiere. Denn ich unterstütze ein Unternehmen durch mein Humankapital und meine Zeit. Dafür bekomme ich eine Vergütung plus Prämien.

Ganz schön raffiniert. Aber keineswegs passiv.

Die Blutgrätsche

Wenn ich bei YouTube “passives Einkommen” eingebe, erhalte ich 11.500 Ergebnisse. Bei “passive income” sind es sogar 352.000 Treffer!

Halbwüchsige geben Tipps, wie man mit wenig Aufwand schnell reich wird. (Dabei sind meine Tipps doch viel besser )

Vor allem Online Marketing sei der absolute Bringer. Dafür müsse man nur an ein paar Seminaren teilnehmen. Schon könne man sein Geld kaum noch zählen, in weißen Mercedes’ durch die Gegend fahren und doofe Videos drehen.

1. Marketing zu betreiben ist nicht passiv!

2. Online-Marketing und Network-Marketing (MLM) sind nicht mehr als moderne Schneeball-Systeme. Finger weg davon!

Weitere Beispiele für passives Einkommen seien das Amazon Reseller Programm, Verkäufe auf ebay, Franchise-Unternehmen, Patente, T-Shirt-Design und so weiter…

Manchmal habe ich das Gefühl, passive Einkommen seien die neuen selbstständigen Tätigkeiten.

Stell dir mal vor, ein Zahnarzt, Steuerberater oder Hundewasch-Salon-Betreiber würde behaupten, dass sein Einkommen passiv sei.

Ja, deren Einkommen ist nicht skalierbar. Aber was hat das mit passiv zu tun?!…

Der Doppelpack

Auch bei der Geldanlage, wird das Thema Aktiv vs. Passiv immer wieder gestresst.

Im letzten “Der Finanzwesir rockt” Podcast zum Thema Faktor-ETS und Smart-Beta, wurde das Thema ebenfalls angeschnitten. Finanzwesir Albert stellt dabei die Frage auf, was schon wirklich passiv sei!? Denn selbst für die einfachste 70/30 ETF Struktur, müsse sich der Anleger ja aktiv entscheiden. Auch Rebalancing wäre ja ein aktiver Eingriff in das Depot. Deshalb sehe er den Begriff passiv nicht so eng. Er würde sogar Faktor-ETFs als passiv bezeichnen, da sie einer festgelegten Strategie stur folgten.

Kann man so sehen.

Ich sehe es ähnlich wie Albert. Wer in ETFs investiert und einmal im Jahr Rebalancing betreibt, der darf sich passiver Investor nennen. Wer einzelne Aktien kauft und regelmäßig auch wieder verkauft, ist ein aktiver Anleger.

(P.S. @Albert: John Bogle, nicht Jack )

Das Finale

Ich bin der Meinung, dass es passives Einkommen im Grunde nicht gibt. Klingt halt schön. Mehr aber nicht.

Immobilien, Blogs, Bücher, Beratung, Nischenseiten, YouTube-Videos und so weiter… Alles erfordert am Anfang Aktivität. Der Vorteil bei diesen Einkommensarten ist, dass sie irgendwann ohne weiteren Arbeitseinsatz laufen und möglichst skalierbar sind.

Ist beispielsweise ein Buch einmal geschrieben, so kann es theoretisch millionenfach verkauft werden.

Trotzdem ist das aus meiner Sicht nicht passiv. Lediglich die Prämie oder Tantieme für den vollbrachten Arbeitseinsatz ist variabel. Nach unten hin auf 0 begrenzt, nach oben hin offen.

Also: Liebe YouTube-Jünger und selbsternannte Marketing-Experten, bitte hört auf die Leute für doof zu verkaufen.

Es gibt kein passives Einkommen!

Weitere interessante Artikel der Blogparade:

– Comper von Finanziell frei mit 45 legt den Schwerpunkt auf P2P-Investitionen, die aus seiner Sicht ein gutes Chancen-Risiko-Verhältnis bieten > http://www.freimit45.de/2017/07/blogparade-passives-einkommen.html

– Für Axe von Geldchallenge steckt hinter allen Einnahmen ein gewisser Aufwand. Er selbst erzielt regelmäßige Einnahmen aus Vermietung, dem Optionshandel und Dividenden > http://geldchallenge.de/blogparade-passives-einkommen/

– Aus Sicht von Mathias von Getmad braucht es für die Generierung von passivem Einkommen Geduld, Durchhaltevermögen, eine Idee und etwas Glück > http://www.getmad.de/passives-einkommen-blogparade

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10 Gedanken zu „Einkommen, Investieren, Abseits – hauptsache passiv!

  • Juli 19, 2017 um 5:32 am
    Permalink

    Ich sehe das eigentlich genau so.
    Aus diesem Grund habe ich zuletzt auch an der Blogparade teilgenommen.
    Für mich zählt passives Einkommen auch nicht zwangsläufig zur finanziellen Freiheit.
    Viel wichtiger ist ein skalierbares Geschäftsmodell 🙂

    mfG Chri

    Antwort
  • Juli 19, 2017 um 8:22 am
    Permalink

    Natürlich gibt es kein passives Einkommen. Aber lässt sich doch so viel einfacher Verkaufen. Vielleicht würde ein Erbe als passives Einkommen dann noch durchgehen.

    In 99,999999999 % der Fälle ist erstmal Arbeit nötig und dann kommt das Einkommen halt stätig weiter. Daher finde ich viel interessanter über sein Stundenlohn nachzudenken. Wie easydividend schon schreibt: Ist meine Arbeit skalierbar. Desto mehr ich pro Stunde bekomme am Ende desto weniger muss ich für mein Lebensstil arbeiten.

    Mit einem Buch, wie Harry Potter hat man dann wahrscheinlich ein Stundenlohn jenseits der Million. Passiv ist das Thema aber bei weitem nicht. Dort sind Jahre und sogar Jahrzehnte vorher rein geflossen am Arbeit, welche sich am Ende nun auszahlt.

    Gruß,
    mafis

    Antwort
    • Juli 20, 2017 um 4:56 am
      Permalink

      Hi mafis,
      ob es sich auszahlt, weiß ich aber vorher nicht. Es gibt wahrscheinlich tausende Möchtegern-Autoren, die viel Zeit und Geld in ihre Bücher gesteckt haben, ohne dass es sich ausgezahlt hat.
      Entweder es floppt – oder es fluppt 🙂

      VG / Felix

      Antwort
  • Juli 19, 2017 um 9:42 am
    Permalink

    Hallo Felix,

    danke für diesen Super-Artikel, der mir voll aus der Seele spricht. Neulich habe ich schon so herzhaft gelacht über deinen “So-wirst-du-reich” Artikel – super!

    Ich habe dazu auch schon mal einen Artikel geschrieben, speziell aus der Sichtweise der Onlinekurs-Entwickler. Die Botschaft darin liegt mir SEHR am Herzen, weil ich besorgt beobachte, wie alle möglichen Leute zu allen möglichen Themen ihre Onlinekurse entwickeln, weil sie auf “passives Einkommen” hoffen. Das ist in der Regel weder im Sinne des Teilnehmers / Käufers des Kurses noch macht das den Anbieter glücklich. Weil sich der Kurs natürlich NICHT wie von selbst verkauft sondern stetiges Online-Marketing und Community-Pflege braucht – wie du ja auch geschrieben hast.

    Ich hoffe, es ist in Ordnung, wenn ich den hier verlinke und du empfindest das nicht als zu viel Eigenwerbung? Die Botschaft ist wirklich wichtig, um zu verhindern, dass ganz viele Hoffnungen sich in Frust auflösen.

    Das ist der Link zum Artikel: https://www.marit-alke.de/mythos-passives-einkommen-skalierbarkeit/

    Viele Grüße
    Marit Alke

    Antwort
    • Juli 20, 2017 um 5:00 am
      Permalink

      Hi Marit,
      danke für das Lob! Da dein Artikel schon lange online ist und ich ich ihn voll unterschreiben kann, darfst du ihn gerne hier posten!
      Ich würde sogar behaupten, dass die Typen, die kostenpflichtige Kurse über passives Einkommen anbieten, daraus höher Einnahmen erzielen, als die durch ihre Kurse bei den Teilnehmern erzeugten passiven Einnahmen.
      (Ich hoffe, der Satz war verständlich 🙂 )

      VG / Felix

      Antwort
  • Juli 19, 2017 um 1:45 pm
    Permalink

    Ein Film kann aber auch noch weiterhin Gewinn abwerfen, wenn das Marketing bereits beendet ist. Zumindest falls sich jemand dafür interessiert und sich weiter damit Geld verdienen lässt…
    In dem Fall wird doch dann aus der selbstständigen Tätigkeit später mal passives Einkommen (Gewinnbeteiligung einstreichen ohne noch etwas dafür tun zu müssen).
    Das kann man nun natürlich unterschiedlich einstufen/bewerten, aber komplett falsch ist das Label passives Einkommen damit denke ich dann doch nicht.
    Gerne wird ja auch ein Buch zu schreiben, Onlinekurse zu erstellen und dergleichen Zeug ebenfalls zur Erzeugung passiven Einkommens empfohlen – das geht aber in die selbe Richtung, da hier ebenfalls erst mal etwas dafür getan werden muss.
    Wenn man passives Einkommen so definiert, dass nach dem initialen Aufwand nichts mehr aktiv dafür getan werden muss und trotzdem noch Geld rein kommt, kann man dies genau so wie viele andere Beispiele durchaus mit dazu zählen…

    Gruß,
    Martin

    Antwort
    • Juli 20, 2017 um 5:04 am
      Permalink

      Hi Martin,
      das sind für mich keine passiven Einnahmen, sondern lediglich weiterhin fließende Umsätze durch ein Produkt.
      Eine Produzent buttert Budget in einen Film – investiert also. Wie hoch die Einnahmen sein werden, kann er vorher nur abschätzen.

      Bei Aktien wird es schon schwieriger, da hier “nur” das Geld arbeitet. (Kann Geld arbeiten?!)
      Aber andersherum würde keiner behaupten, dass die Zins-Zahlungen, welche die Bank/Sparkasse von Kreditnehmern erhält, passive Einnahmen wären.

      VG / Felix

      Antwort
  • Juli 21, 2017 um 4:12 pm
    Permalink

    Hi Felix,

    moment, moment! Online Marketing ist kein Schneeballsystem, sondern im Prinzip traditionelles Marketing, nur eben erweitert, also online. Was du meinst ist Affiliate Marketing. Wobei das auch nicht unbedingt ein Schneeballsystem per se ist.

    LG
    Johannes

    Antwort
  • Pingback: Geld ohne Arbeit: Die 4 größten Lügen des passiven Einkommens

  • Juli 29, 2017 um 9:16 am
    Permalink

    Zwei Punkte:

    Online Marketing ist ein Schneeballsystem?

    Da hast du dich ein bisschen arg weit aus dem Fenster gelehnt. So wie der Satz da steht, ist er falsch und geht in die völlig verkehrte Richtung. Online Marketing ist Online Marketing und ein Schneeballsystem ist ein Schneeballsystem. Das eine hat mit dem anderen erstmal nichts zu tun. Große und etablierte Unternehmen vermarkten ihre Produkte auch online (=Online Marketing). Schneeballsystem?

    Wenn man in der Debatte um passives Einkommen ein Wörterbuch zur Hand nimmt und Definition herunterbetet, dann wird es schnell mal lächerlich.
    Du hast natürlich vollkommen recht, dass ein völlig passives Einkommen im Wortsinn nicht existiert. Aber wie sich da immer an Kleinigkeiten aufgehangen wird, kann ich wiederum nicht verstehen. Es geht doch im Kern um den Grundgedanken, von der – ich nenne sie jetzt einfach mal so – Arbeitnehmerhaltung “Ich arbeite X Stunden und bekomme dafür Y Geld” wegzukommen.
    Da müssen wir uns doch nicht ständig an solchen banalen Kleinigkeiten aufhängen. Jeder, der sich ernsthaft damit beschäftigt, weiß doch, dass einem gebratene Hühnchen und bündelweise Bargeld nicht einfach so aus dem Hintern fliegen – ohne, dass man auch nur drücken müsste.

    Beispiel.

    Eine vermietete Immobilie ist nach meiner Definition und Meinung durchaus passiv. Auch wenn sie es, wie bereits erwähnt, dem eigentlichen Wortsinn nach nicht ist. Und natürlich fällt Aufwand an, natürlich muss ich auch da arbeiten. Instandhaltung, Verwaltung, Steuer etc. Vollkommen klar.
    Aber, und das ist der Punkt: Die Leistungserbringung, also das, wofür die Leute konkret Geld bezahlen, in dem Fall die Miete fürs Wohnen, und der Arbeitsaufwand fallen eben NICHT im klassischen Sinne zusammen. Und genau da fängt es doch an, interessant zu werden. Die Leute genießen die Leistung (=wohnen) auch ohne dass du täglich und 24/7 neben dem Haus stehst und dafür sorgst bzw. arbeitest, dass diese Leistung auch erbracht wird. Und das 365 Tage im Jahr.

    Das lässt sich natürlich auch wieder diskutieren und wenn man möchte, kann man das immer weiter aufdröseln und sich eine Plattitüde nach der anderen aus den Rippen leiern, bis man am Ende wieder beim Wörterbuch landet…
    Aber ganz ehrlich: Bringt es einen weiter? Ist das zielführend? Auf fast jedem Blog zum Thema Finanzen die selbe endlose wie sinnlose Diskussion, was passives Einkommen ist und was es nicht ist. Meine Güte, aber hilft uns das echt weiter?
    Alle loben sich dafür auch noch gegenseitig über den grünen Klee, aber am Ende vom Tag ist man keinen Schritt weiter. Anstatt eure und die Zeit des Lesers damit zu vergeuden, sich an neunmalklugen Diskussionen um passives Einkommen zu ergötzen, wäre es mal sehr erfrischend, etwas tiefer in die Materie einzusteigen und eher die unternehmerische Seite bzw. die dahinterstehenden Methoden und Systeme zu betrachten, die einen von Stundenlohn und 9to5 wegbringen.
    Aber das Problem ist wohl, dass viele Lifestyle-Finanz-Blogger davon offenkundig selbst keine Ahnung haben und jeder plappert die gleichen, oberflächlichen Banalitäten nach..

    Antwort

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