Finanz-Fundstück des Monats: Die moderne Hausfrau

Bereits im Dezember letzten Jahres flatterte ein Werbeblättchen in unseren Briefkasten. Die moderne Hausfrau mit dem Untertitel Geniales, garantiert günstig machte mich – als Anhänger des Schäfer’schen Minimalismus und Gegner unnötigen Konsums – natürlich sofort aufmerksam. Und ich sollte nicht enttäuscht werden…

Auf der ersten Seite empfing mich Eva Fröhlich.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich hier um eine real existierende Person mit ihrem echten Namen handelt. Selbstverständlich. Wer glaubt denn schon, dass der Kundenservice eines Low-Budget-Blättchens von einem übergewichtigen und stark transpirierenden Choleriker Horst Czibulski geleitet wird?

Zudem wird durch “Eva” noch einmal klar gestellt, dass dieses Werbeblättchen für Hausfrauen bestimmt ist. Nur damit das Rollenverständnis wirklich klar ist.

Ganz nebenbei suggerieren die cleveren Werbemacher der Leserin, dass die angespriesenen Produkte wirklich glücklich machen. Das Zahnpasta-Lächeln zeigt der modernen Hausfrau: Auch du kannst glücklich werden!
Oder Eva? Thumbs up!

Ehrlichkeit war leider auch beim Textinhalt nicht zu erwarten.  Hervorgehoben ist die Zeile “1.000 Sachen, die das Leben leichter und schöner machen“. Glück durch Konsum – der Klassiker. Natürlich alles “super-günstig“. Allerdings auch diesmal teurer als umsonst.

Natürlich wollte ich sofort wissen, wie auch ich meine liebe Frau glücklich machen kann. Weihnachten stand ja vor der Tür. Da gab es bestimmt tolle Geschenkideen.

Hier kommt meine persönliche Top 5 aus der Modernen Hausfrau.

1 – Löffel-Ablage

Wer kennst das nicht? Die verschmierten Kochlöffel müssen abgelegt werden. Häufig werden sie achtlos auf der Arbeitsplatte abgelegt. Diese wird unnötig verdreckt und muss später einem stundenlangen Reinigungsprozess unterzogen werden.

Mal ehrlich, ich kenne wenige Bekannte, die eine Küchenarbeitsplatte aus Baumwolle nutzen. Auch ich verwende lediglich eine beschichtete MDF-Platte aus feinstzerfasertem, hauptsächlich rindenfreiem Nadelholz und durch eine schonende Verpressung in Längs- und Querrichtung gleichermaßen homogenen Holzwerkstoff.

Zur Ablage von verschmierten Kochlöffeln nutze ich sogenannte “Teller”. Fachleute arbeiten auch gerne mit “Küchenbrettern”.

Außerdem wäre mir die Löffel-Ablage zu sperrig. Das Teil passt doch in keine Schublade. Also ab damit in eine der “Sammel-Auszüge” im unteren Schrankbereich. Die geschwungenen Zacken der Löffel-Ablage bieten die perfekte Form, um sich in der ohnehin überfüllten Schublade zu verkeilen. Dann heißt es fummeln bis der Arzt kommt.


Hausfrauen-Rating Löffel-Ablage

2 – Silikon-Kronkorken

Spätestens jetzt wird klar: Es geht um echte Probleme von Hausfrauen. Sonntagabend, der Tatort beginnt und Willi macht zwei Bierchen auf. Aber Hildegard ist nicht gut drauf. Die Enkelkinder waren zu Besuch und haben sie ganz schön geschlaucht.

Was also tun, wenn die Flasche größer ist als der Durst? Und Alkohol wegschütten käme für Willi einer Kriegserklärung gleich. Der Modernen Hausfrau sei Dank, gibt es endlich eine Lösung – die Kronkorken (für unsere österreichischen Mitleser: Bierkapseln).

Mir stellt sich die Frage, wie Willi das Bier gekauft hat. Mit Alufolie oben drauf? Oder Frischhalte-Folie? Im Getränkemarkt meines Vertrauens werden Flaschen mit Kronkorkenverschluss in der Regel auch mit Kronkorken feil geboten.

Der Ordnung halber, sei darauf hingewiesen, dass die Flasche mit dem ursprünglich genutzten Kronkorken nicht mehr komplett abgedichtet werden kann.

Andererseits ist Silikon nicht unbedingt das sympathischste Material, da in Tests häufig Giftstoffe nachgewiesen werden. Und ob das Bier dann noch lecker riecht, möchte ich bezweifeln.

Was ist die Ursache des Problems? Richtig – hätte Willi seine Hildegard vorher gefragt, ob und wie viel sie trinken möchte, gäbe es auch kein Problem.
Kommunikation ist alles.


Hausfrauen-Rating Silikon-Kronkorken

3 – Dosen-Clou

“Wie öffnen Sie Dosen mit Ring?”
Mit dem Finger.

Falsch! Moderne Hausfrauen wissen es besser. Denn wie häufig sind schon Fingernägel zerbrochen beim Versuch die Dosen-Ravioli zu öffnen. Dieser “Kampf” hat nun endlich ein Ende.

Der Dosen-Clou eignet sich ebenfalls hervorragend als Verkeiler in den Sammelschublade (siehe auch Löffel-Ablage).


Hausfrauen-Rating Dosen-Clou

4 – Abgieß-Sieb “Edelstahl”

Die Nudeln sind al dente, der Kochlöffel liegt brav auf seiner Löffel-Ablage. Nun stellt sich die moderne Hausfrau die Frage. Wie kriege ich die Nudeln aus dem Topf?

Hier bieten sich grundsätzlich zwei Vorgehensweisen an. Entweder müssen die Nudeln raus aus dem Wasser oder das Wasser raus aus den Nudeln. Historisch betrachtet, hat sich die zweite Variante in den letzten Jahren durchgesetzt.

Der Experte nutzt dafür einen Prozess, der von der Mittelbayerischen Zeitung ausführlich beschrieben wird:
„Nudeln lassen sich zum Beispiel auch ganz leicht ohne Sieb abgießen“, sagt Katharina Bodenstein, Mit-Autorin des Buches „Urlaubsküche“ (AT-Verlag). Dazu benötige man nur ein sauberes Küchenhandtuch und ein Schneidbrett oder einen Topfdeckel.

„Setzen Sie Deckel oder Schneidbrett auf den Topf und fassen ihn mit dem Küchentuch beidseitig an den heißen Henkeln“, erläutert die Autorin. Der Topf werde nun vorsichtig gekippt, so dass durch einen Spalt das heiße Nudelwasser abfließen könne. „Halten Sie mit beiden Daumen die Abdeckung fest, dann kann nichts schiefgehen“, sagt Bodenstein.

Ganz schön pfiffig.

Beim angebotenen Nudelsieb ist der Begriff Edelstahl in Anführungszeichen gesetzt. Was sagt uns das? Die Stahlqualität wird mit 18/0 angegeben. Das bedeutet, dass der Chromanteil 18% und der Nickelanteil 0% beträgt. Der Rest ist legierter Stahl. Bestecke und Töpfe ohne Nickel gelten zwar als rostfrei, sind aber laut Experten nicht für die Spülmaschine geeignet [Quelle u.a.: Stiftung Warentest]. Die moderne Hausfrau wird also doch per Hand spülen müssen…


Hausfrauen-Rating Abgieß-Sieb “Edelstahl”

5 – Ausstechschablone “Plätzchen”

Bei uns wurde vor Weihnachten noch per Hand gestochen. Also die Plätzchen aus dem Teig. Meine Tochter – von oben bis unten bemehlt – zelebrierte Form und Position jedes einzelnen Plätzchens.

Die moderne Hausfrau hat dafür natürlich keine Zeit mehr. Der Junge muss noch zum Klavierunterricht, das Mädchen zum Ballett gebracht werden (oder andersherum). Außerdem klemmt ja noch die Sammelschublade. Und das Abgieß-Sieb muss auch noch von Hand gespült werden.

Da kommt die “GENIALE” Ausstechschablone gerade recht. Spart angeblich Zeit und mehrere Arbeitsgänge.

Ich frage mich, welche “mehrere Arbeitsgänge” gemeint sind. Naja, auf jeden Fall Ruck-Zuck fertig und Produktivität gesteigert!


Hausfrauen-Rating Ausstech-Schablone “Plätzchen”

Fazit:

Ein gewohntes Trauerspiel. Die Marketing-Gurus bieten ihr bekanntes Muster: Zunächst wird Vertrauen aufgebaut. Danach werden alltägliche Probleme aufgegriffen und “geniale” Lösungen angeboten. Dabei sind die Problemursachen häufig ganz andere. Konsum durch suggerierten Bedarf.

Es spricht nichts gegen die Anschaffung von Küchen- oder Haushaltshelfern. Man (ja, auch Mann) sollte sich aber immer fragen: Wie oft werde ich das nutzen? Habe ich dadurch wirklich einen Vorteil? Rechtfertigen die Antworten auf diese beiden Fragen des Preis des Produktes?

Häufig – und da nehme ich mich nicht aus – sind es die kleinen und mittelgroßen Ausgaben, die sich auf das Jahr gesehen summieren. Sparen heißt nicht am Urlaub oder Ausflügen zu knausern, sondern beim täglichen Konsum von Verbrauchs- und Gebrauchsgütern ein wenig wachsam zu sein.

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9 Gedanken zu „Finanz-Fundstück des Monats: Die moderne Hausfrau

  • Januar 12, 2017 um 11:11 am
    Permalink

    Einer meiner Mitbewohner hat kürzlich den Moderne Hausfrau Katalog extra bestellt, als amüsante Küchenlektüre 🙂 Vor ein paar Jahren hatten wir den Katalog schon mal, und es war echt faszinierend und lustig, darin zu blättern und zu lesen. “Ihr Arzt rät Ihnen zum Abnehmen? Aber nein – zum Glück gibt es doch den praktischen Hosenbund-Dehner…”
    Seitenweise unnützes, kurioses oder kitschiges Zeug, das aber in den höchsten Tönen angepriesen wird. Ganz ehrlich, die Beschreibungstexte waren echt gut geschrieben. Muss mal schauen ob das jetzt immer noch so ist.

    Antwort
    • Januar 12, 2017 um 11:14 am
      Permalink

      “Hosenbund-Dehner” 🙂 Klasse Küchenlektüre habt ihr. Da bekomme ich ja fast Lust, mal den gesamten Katalog zu bestellen.

      Antwort
  • Januar 12, 2017 um 11:48 am
    Permalink

    Danke für die vielen Geschenktipps für den nächsten Geburtstag meiner Mutter.
    Die würde glatt durchdrehen bei solch einem unnötigen “Küchenwerkzeug”.

    Es ist immer wieder interessant, was sich die Menschen so alles für Produkte ausdenken können.
    Anscheinend werden solche Produkte auch gekauft, denn sonst würde man sie bestimmt wieder schnell aus dem Katalog nehmen und garnicht erst produzieren.

    Schöne Grüße
    Dominik

    Antwort
  • Januar 12, 2017 um 4:34 pm
    Permalink

    Wenn ich nicht sowieso einen guten Tag gehabt hätte, dieser Satz hätte ihn gemacht:

    “Zur Ablage von verschmierten Kochlöffeln nutze ich sogenannte “Teller”. Fachleute arbeiten auch gerne mit “Küchenbrettern”.” 🙂

    Ich nutze z.B. auch mal gerne einen Streifen sogenannter “Küchenrolle”…

    Antwort
  • Januar 12, 2017 um 5:42 pm
    Permalink

    Mein Highlight war “…fummeln bis der Arzt kommt.” Im Artikel in einem negativen Zusammenhang, kann das ja auch eine durchaus GEILE Angelegenheit sein, wenn man die Zeit an der überfüllten Schublade spart und ins echte Leben investiert 😉

    Viel Spaß!

    Antwort
  • Januar 12, 2017 um 8:53 pm
    Permalink

    “Zur Ablage von verschmierten Kochlöffeln nutze ich sogenannte “Teller”. Fachleute arbeiten auch gerne mit “Küchenbrettern”.”

    Ich brech ab vor Lachen 😀 Echt lustig was das Blättchen hergibt. An Adjektiven erkennt man, wie stark beworben ein Produkt ist. Hier waren es vor allem die Rufzeichen!!!!! 😉 Ich stell mir dann immer vor, wie die Redakteure beim Schreiben vor sich hin brüllen.

    LG
    Johannes

    Antwort
  • Januar 13, 2017 um 6:29 am
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    “Schluss mit Ringkampf” … haha… Was für ein unnötiger Kram ist das denn bitte? Wenn ich den ganzen Mist kaufe, muss ich ja drei Mal mehr abwaschen. Da wisch ich lieber einmal mehr über die Arbeitsfläche! Also nicht dass ich wirklich in der Küche arbeite würde! Das übernehmen in unserem Haushalt andere “Parteien” 🙂

    Antwort
  • Januar 13, 2017 um 11:35 am
    Permalink

    Tja, teilweise ist die Kritik vielleicht berechtigt, vor allem wg. der Preise und der Qualität. Die Kritik an der Nützlichkeit einiger Dinge kann ich – langjähriger Hausmann – aus meiner Erfahrung nicht nachvollziehen. Z.B. habe ich eine – allerdings anders konstruierte und preiswertere – Löffelablage seit Jahren im Einsatz, weil sehr platzsparend. Ebenso finde ich ein Abgiessieb im Vergleich zu einem Seier sehr praktisch, meines war beim Topfset dabei. Ganz daneben finde ich die Kritik am Dosenclou. Im Alter lässt bei sehr vielen Menschen die Kraft in den Händen nach, so dass man z.B. Dosen und Gläser nicht mehr ohne Werkzeug öffnen kann. Mein Mutter hat solche Hilfsmittel wie den Dosen-Clou im hohem Alter viele Jahre lang genutzt, ohne hätte sie sich nicht mehr alleine versorgen können.

    Antwort
  • Januar 14, 2017 um 11:06 am
    Permalink

    Bitte weiter solche Artikel…*schmeiß mich weg*

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