Finanz-Fundstück des Monats: Sparkasse “Freiraum ist einfach”

Heute möchte ich dir mal wieder ein persönliches Finanz-Fundstück vorstellen. Bereits im August habe ich ja meiner Sparkasse den Rücken zugekehrt. Dennoch hat es mich neulich wieder in die örtliche Filiale verschlagen. Für den bevorstehenden Jahresfinanzbericht, sollte das Sparbuch meiner Tochter nachgetragen werden.

Außerdem ist noch die Frage offen, ob Madame weiter die nachteilige Behandlung beim Sparen erhalten soll. Das Gender-Save-Gap ist sozusagen noch offen.

Darum soll es aber an dieser Stelle nicht gehen.

Beim Besuch der Sparkassen-Filiale ist mir eine Werbewand aufgefallen. Dort fand sich folgende kleine Broschüre.

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Meine ersten Gedanken waren:

  1. Was macht der Typ mit dem Bolzenschneider im Wohnzimmer?
  2. Warum tragen sowohl die Frau als auch der Mann im Wohnzimmer Schuhe?
  3. Warum läuft die Frau nicht weg? Hier scheint Gefahr im Verzug.
  4. Was nehmen die für ihr Parkett? Bei uns zuhause glänzt das nicht so.

Das AIDA-Modell (nein, nicht das Schiff), hat hier wieder gewirkt.

A = Attention = Aufmerksamkeit

Also habe ich als interessierter, ja schier wissbegieriger Bürger zur besagten Broschüre gegriffen.

Schon die erste Seite beginnt mit einer ausgeklügelten Verbildlichung.

Löse die Ketten, befreie dich von Hörigkeit und Knechtschaft. Sehr schön.

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Aber auch inhaltlich fährt die Sparkasse sofort starkes Geschütz auf.

“Kredite und Ratenzahlungen gehören zum Leben dazu.” Oha.

Damit wird dem Leser schon mal das schlechte Gewissen genommen. Er denkt sofort: Gott sei Dank, ich leide zwar an Kaufrausch – scheint aber völlig normal zu sein.

Nein! Kredite müssen nicht zum Leben dazu gehören. Sie können notwendig werden, wenn hohe und unerwartete Kosten auftreten. Wenn der potentielle Kreditnehmer nicht vorzeitig ein Finanzpolster aufgebaut hat. Ein Kredit kann auch sinnvoll sein, um in die eigenen vier Wände oder das Studium/die Weiterbildung zu investieren.

Ein Kredit zur Finanzierung eines neuen Fernsehers oder neuer Möbel ist nicht normal. Er ist böse.

Und wir sind ja die Guten.

Fast noch besser gefällt mir aber der zweite Satz in Verbindung mit der Gesamtintention des Werbeflyers. Die mittlerweile gängigen 0% Finanzierungen, soll der Kunde nun in einem Kredit zusammenfassen, der (höchstwahrscheinlich) mehr Zinsen beinhaltet als 0%. Wo ist da der Vorteil?

Aus Sicht der Sparkasse ist es (neben dem eigenen Gewinn) der gewonnene Überblick.

Okay, das ist wichtig. Trotzdem schon recht dreist, dem Kunden ein Produkt anzubieten, für welches er am Ende diese doch recht kleinen Zuwachs an Transparenz recht teuer bezahlt.

Auf der nächsten Seite, gibt es nochmal die Vorteile kompakt zusammengefasst.

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“Eine Monatsrate statt vieler Kredite.” Kann man machen, ist aber eigentlich auch egal.

“Ihre monatliche Belastung fällt meist sogar geringer aus als bisher.” Da die Zinsen bekanntlich gesunken sind, kann das durchaus sein. Weniger als 0% werden es aber wohl kaum.

“Wir beraten Sie fair.” Die Sparkasse ist kein Berater. Die Sparkasse ist ein Verkäufer. Das sollte man stets im Hinterkopf behalten. Wer mehrere Kredite zusammenfassen möchte, sollte lieber bekannte Vergleichsportale nutzen. Die Frage ist auch, ob bei den bestehenden Krediten ein kostenloses Sonder-/Volltilgungsrecht besteht. Andererseits können Vorfälligkeitsentschädigungen fällig werden.

Der Schwachsinns-Satz auf dieser Seite aber lautet: “Sie erhalten mehr finanziellen Spielraum, z.B. für ihre Altersvorsorge.”

Die Altersvorsorge beginnt mit Schuldenfreiheit. Parallel dazu, sind existenzbedrohende Risiken abzusichern. Zum Beispiel über eine Risiko-Lebens- und Berufsunfähigkeits-Versicherung. Das gilt vor allem für Familien mit einem Alleinverdiener. Danach heißt es sparen und vernünftig anlegen.

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Auf der letzten Seite, spielt die Sparkasse nochmal den größten Trumpf aus: Wir kümmern uns.

Viele Menschen haben den Überblick verloren und sind aufgrund der laufenden Kredite und Zahlungen schier verzweifelt. Das nimmt die Sparkasse gerne auf. Und ohne Zweifel, kann die Beratung der Sparkasse einigen Kunden durchaus eine große Hilfe sein. Besser wären natürlich unabhängige Berater.

Der Top-Satz findet sich hier am Ende: “Verschaffen Sie sich jetzt finanzielle Spielräume. Für alles was nicht warten kann.”

Okay, sind zwei Sätze. Besserwisser.

Aber inhaltlich ist das schon ziemlich übel. Der Kunde soll seine Kredite zusammenfassen und im besten Fall ein paar Euro sparen, damit er das sofort wieder konsumieren kann.

Herrlich. Kapitalismus as it`s best!

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7 Gedanken zu „Finanz-Fundstück des Monats: Sparkasse “Freiraum ist einfach”

  • Oktober 25, 2016 um 12:19 pm
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    Schöne Analyse. Wer seine Finanzen im Griff hat, weiß das natürlich alles. Leider gibt es viele, die auf solches Marketing-Bla-Bla reinfallen. “Ihre monatliche Belastung fällt meist sogar geringer aus als bisher.” –> Das muss ja noch nicht mal einen geringeren Zinssatz bedeuten (bei 0% von Media Markt und Konsorten eh schwierig), sondern im Zweifel wird die Tilgung gestreckt. Wie jeder weiß, ist der Kredit mit der niedrigsten Monatsrate ja sowieso der günstigste 😉

    Antwort
    • Oktober 25, 2016 um 3:53 pm
      Permalink

      Guter Punkt. Der Trick greift dann im persönlichen Gespräch. Und die Schuldenspirale nimmt ihren Lauf…

      Antwort
  • Oktober 26, 2016 um 9:30 am
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    Kann Bodo nur zustimmen, gute Analyse!
    Die Bolzenschneider-Fotos finde ich lächerlich: der Kreditnehmer muss die Raten doch immer noch zahlen, er ist ja nicht plötzlich schuldenfrei. Im Gegenteil, vielleicht dauert es länger weil die Raten gestreckt werden (wie Bodo richtig andeutet) und/oder die Sparkasse ja sicher auch eine Bezahlung für ihren Service möchte und/oder schon wieder neue Kredite aufgenommen werden für neuen Konsum.

    Wobei mir jetzt auffällt: dieses Angebot ist kein “Service”, sondern ein neuer Kredit den man mit der Sparkasse abschließt. Sicherlich nicht zu 0% Zinsen!

    Antwort
  • Oktober 30, 2016 um 11:04 am
    Permalink

    Das sind schon Schwachmaten, die von der Sparkasse. Dass man sich durch Kreditaufnahme den finanziellen Spielraum beschafft, um für das Alter vorzusorgen, ist ein Schenkelklopfer. Wer das macht, braucht in 40 Jahren keinen Bolzenschneider mehr, eher ein Bolzenschussgerät. Das ist doch finanzieller Suizid.

    Antwort
    • Oktober 30, 2016 um 7:27 pm
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      Diese Formulierung gibt es nur vom Couponschneider 🙂 Danke!

      Antwort
  • Oktober 30, 2016 um 6:33 pm
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    Sehr schöner Beitrag.
    Wir überarbeiten gerade “deren” Kostenstruktur. Die Sparkasse hat die Gebühren für Ihre Konto deutlich angehoben. Daraufhin , wir wollen die Mehrkosten ja nicht tragen, haben wir das Depot überarbeitet und “umzugsfähig” gemacht. Was soll ich sagen, Kontogebühren sind tatsächlich Verhandlungssache und man hat uns vorgeschlagen die Gebühr 1 Jahr später zu erheben.
    Trotzdem, der LKW für den Umzug des Depots ist gepackt.

    Antwort
    • Oktober 30, 2016 um 7:24 pm
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      Sehr gut. Nur wenn die Kunden fkexibel bleiben, wird sich die Spsrkasse bewegen.

      Antwort

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