Finanz-Fundstück des Monats: WRINT – Target-Salden

Am 04. Juli 2018 fand das vierte Treffen der Autonome Finanzwesir-Zelle in Essen statt. Anders als die Bezeichnung vermuten lässt, nahmen auch diesmal keine linksradikalen, unorthodox-marxistischen oder anarchistischen Personen teil. Vielmehr war es wieder ein netter und unterhaltsamer Abend bei Bier, Brause und Brathähnchen.

Zu unserer Freude, waren auch diesmal neue Teilnehmer dabei. Ich denke, dass sich alle wohl gefühlt haben und mit neuen Anregungen nach Hause gefahren sind.

Gerne begrüßen wir jederzeit neue Mitstreiter. Die Anmeldung für alle autonomen Zellen findet ihr auf der Seite von Finanzwesir Albert.
Das nächste Treffen in Essen findet vermutlich im November 2018 statt.

Nun aber zum eigentlichen Thema.

WRINT – Wer redet ist nicht tot

Während des Treffens, konnte natürlich auch ich wieder einiges lernen. Beim Austausch über gute (und schlechte) Finanz-Podcasts, schwärmten einige der Teilnehmer über den Podcast WRINT (Wer redet ist nicht tot). Also habe ich ihn direkt mal in meiner Podcast-App abonniert.

Aufgrund ein paar anderer Ereignisse, habe ich mich erst einige Tage danach erinnert und erste Folgen heruntergeladen.

Laut Angabe auf der Webseite, ist WRINT “eine Sammlung von Podcasts”, die von Holger Klein produziert werden. Eine kurze Internet-Recherche zeigt, dass Holger Klein Radiomoderator bei Radio Eins ist. Radio eins ist ein Radioprogramm des Rundfunk Berlin-Brandenburg. Vorher moderierte Holger Klein bei Radio Fritz, dem Jugendprogramm des Rundfunk Berlin-Brandenburg.

Und diese Erfahrung macht sich bemerkbar. Die Stimme ist angenehm, die Fragen sind fokussiert und die Unterhaltung kommt auch nicht zu kurz.

WR834 Target-Salden

Gestern startete ich auf dem Weg zur Arbeit ist Wiedergabe meiner ersten Folge. Das Thema Target-Salden hatte mich sofort interessiert. Und ich sollte nicht enttäuscht werden.

In dieser Folge hat Holger Klein hat eine promovierte Ökonomin zu Gast, die unter dem Pseudonym Frau 700Sachen bloggt. Zum einen auf der Seite SIEBENHUNDERTSACHEN, zum anderen auf Beyond Milchmädchen.

In diesem Podcast erklärt sie das Zahlungsverkehrssystem Target2, welches nationale und grenzüberschreitende Zahlungen im Euro-Raum schnell und endgültig abgewickelt.

Inhaltlich möchte ich aber gar nicht in die Tiefe gehen.

Wer weitere Informationen zum Zahlungsverkehrssystem Target2 sucht, wird auch bei der Bundesbank fündig.

Quelle: Deutsche Bundesbank – TARGET2-Salden – Spiegel der Finanzmärkte (URL: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/Target2/2017_12_mb_target2_saldo.pdf?__blob=publicationFile

Vor allem die Schlussfolgerungen von Frau 700Sachen haben mir sehr gefallen.

Daher möchte ich drei ihrer Kernaussagen wiedergeben.

1. Target-Salden sind nicht grundsätzlich böse

In der Politik und auch in weiten Teilen der Medien, würde der Begriff Target-Salden regelrecht instrumentalisiert. So würde häufig behauptet, dass Griechen, Italiener und Spanier Schulden in Milliardenhöhe bei uns Deutschen hätten. Und dass wir diese unverzinsten Schulden niemals wiedersehen würden.

Frau 700Sachen beschreibt sehr anschaulich (und aus meiner Sicht korrekt), dass es verschiedene Ursachen für das Entstehen der Target-Salden gibt. Und dass nicht alle Ursachen ein Nachteil für uns Deutsche darstellen. Vielmehr entstünde ein Großteil der Salden durch den hohen Exportüberschuss Deutschlands. Aber auch das milliardenschwere Anleihe-Kauf-Programm der Europäischen Zentralbank habe seinen (negativen) Beitrag zum Anstieg der Target-Salden beigetragen.

Zudem würden die Vorteile der Target-Systems nicht ausreichend gewürdigt. Das Wachstum in Wirtschaft und Wohlstand durch die vereinfachte Zahlungsabwicklung sei eben nicht so einfach messbar.

Im Gespräch geht es außerdem um die Risiken und Chancen für Länder, welche aus dem Euro austreten. Die Gefahr, dass Deutschland am Ende auf den “Schulden” sitzen bleibt, sei verhältnismäßig gering.

2. Deutschland ist Täter und nicht Opfer

Okay, meine Formulierung klingt etwas hart. Aber dennoch ist die deutsche Wirtschaft eine der Ursachen für die hohen Target-Salden. Viele Ökonomen seien der Meinung, dass zu niedrige Löhne (ja, zu niedrige Löhne) dazu führen, dass deutsche Waren im Ausland zu günstig verkauft werden können.

Dies führe dazu, dass andere Länder in bestimmten Bereichen nicht konkurrieren können und Waren aus Deutschland importiert werden müssen.

Dass der deutsche Exportüberschuss seit Jahren (zu) hoch sei, würde von vielen Staaten zurecht kritisiert.

3. Target3 is coming

Man arbeitet bereits an der Verbesserung der Target-Systems. Möglich wären regelmäßige Salden-Ausgleiche wie am Vorbild des US-amerikanischen Federal Reserve Systems. Angedacht seien ebenfalls EU-Anleihen, die zu einer Stabilisierung der Target-Salden führen könnten.

Mein Fazit zur Podcast-Folge

Ich bin immer noch begeistert von dieser Podcast-Folge.

Das liegt zum einen am Gastgeber Holger Klein, zum anderen (wie bei jedem Podcast) aber vor allem am Gast. Frau 700Sachen beschreibt mit sehr angenehmer Stimme und inhaltlich fundierten Aussagen das Target-System, sowie dessen seine Vorteile und Risiken.

Dieser Podcast müsste Pflicht-Programm an jeder weiterführenden Schule und für jeden halbwegs politisch interessierten Bürger sein.

Ihre Appelle an die Vorteile dieses Systems, erinnern ein wenig an das Zitat von Winston Churchill: “Kapitalismus ist die schlechteste aller Wirtschaftsordnungen, außer allen anderen.”

Leider sind uns aber die Vorteile von EU und Euro nicht immer transparent.

Spätestens wenn wir wieder an geschlossenen Grenzen in der Passkontrolle stehen und im Italien-Urlaub Bargeld umtauschen müssen, werden wir uns die gute alte Welt von europäischer Freizügigkeit (Schengen-Abkommen) und einheitlicher Währung zurückwünschen.

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