Finanz-Fundstück des Monats: ADAC Motorwelt

In der aktuellen Juni-Ausgabe der ADAC Motorwelt habe ich einen Artikel mit dem Titel Der Trick mit dem Click gelesen. Im Beitrag geht es um den Autokauf über das Internet, mit all seinen Gefahren und Chancen.
So weit, so fad.

Im Artikel findet sich aber auch eine Grafik zur Entwicklung der Durchschnittspreise von Neuwagen in Deutschland. Kernaussage: Die Preise steigen seit Jahren an.

Hier mein Foto davon

Quelle: ADAC Motorwelt (Ausgabe Juni 2016)
Quelle: ADAC Motorwelt (Ausgabe Juni 2016)

Kommen wir nun zur Frage:

Wat sachse dazu?

Ich finde die Aussage ziemlich blöd. Und irreführend. Vielleicht bewusst irreführend, vielleicht weiß es der Autor aber selbst auch nicht besser.

Alle Preise steigen langfristig an. Diese Erhöhung des Güterpreisniveaus nennt man Inflation und ist gleichbedeutend mit der Kaufkraftminderung des vorhandenen Geldes.
Kurz gesagt: alles wird teurer – koste es was es wolle.

Die Inflationsraten in Deutschland der vergangenen Jahre sehen wie folgt aus.

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Quelle: Statistisches Bundesamt

Allein durch die allgemeine Preissteigerung, hat sich also der durchschnittliche Neuwagenpreis von 25.990 € (2008) auf 28.179 € (2015) erhöht. Statt der aufgezeigten 10%-igen Steigerung zwischen 2008 und 2015, beträgt der inflationsbereinigte Zuwachs gerade noch 1,6 %. Pro Jahr also ein mickriges Plus von etwa 0,2%.

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Jetzt sagst du vielleicht

So ein Blödsinn! Man muss doch schauen, wie sich die Löhne während dieses Zeitraumes entwickelt haben.

Guter Einwand! Die Entwicklung der Löhne (Brutto, Netto und Nettoreal) wird natürlich auch vom Statistischen Bundesamt erfasst. Sehen wir uns mal die Entwicklung der Nettolöhne in Deutschland für den Zeitraum zwischen 2008 und 2015 an.

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Quelle: Statistisches Bundesamt

Wie du siehst, sind die Steigerungsraten der Nettolöhne vor allem in den letzten Jahren größer als die Inflationsraten. Die Differenz zwischen den Zuwächsen der Nettolöhne und der Inflationsrate ergibt den Zuwachs der Nettoreallöhne.

Zuwachs Nettoreallohn = Zuwachs Nettolohn – Inflationsrate

Ist der Inflation stärker als die Steigerung des Nettolohn, heißt es “Arschbacken zusammenkneifen”. Denn “real” ist das Einkommen dann geschrumpft.

Aber nun zurück zur Entwicklung der Neuwagen-Preise. Durch die Steigerung der Nettoreallöhne, hat sich der durchschnittliche Neuwagenpreis von 25.990 € (2008) auf 30.522 € (2015) erhöht. Statt der 10%-igen Steigerung zwischen 2008 und 2015, beträgt der um die Einkommenssteigerungen bereinigte Zuwachs MINUS 7,4 %.

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Das bedeutet: Gemessen an den Einkommensteigerungen im Vergleichszeitraum, hat sich der durchschnittliche Preis für Neuwagen verringert. Der Durchschnitts-Bürger hat also Geld übrig, wenn er sich einen durchschnittlich teuren Neuwagen kauft.

Die Grafik des ADAC zeigt mal wieder, wie wenig die Themen Inflation und Einkommenssteigerungen in den Köpfen der Menschen ist. Wenn ich jemanden höre, der sagt: “Vor 20 Jahren hat das noch die Hälfte gekostet”, stellen sich bei mir die Nackenhaare auf.

Diese Unwissenheit führt auch dazu, dass wir uns bewusst verwirren und beeinflussen lassen. Sei es bei Immobilien oder bei anderen Geldanlagen. Der findige Verkäufer wird die Macht der Inflationsrate zu nutzen wissen, um uns von der scheinbar tollen Rendite zu überzeugen.



Also: Rechner raus beim Preisvergleich!

Die Inflationsrate betrug in der Vergangenheit im Schnitt 2%. Die “Macht des Zinses” macht daraus nach 10 Jahren 22%, nach 20 Jahren knapp 50% und nach 30 Jahren sogar über 80%.

Möge die Macht mit dir sein!

Am Ende bleiben zwei Fragen offen:
1. Warum bin ich überhaupt noch Mitglied im Automobilclub?
2. Kann Daniela Katzenberger mit High Heels Auto fahren?
Diese Frage beanwortet die “Katze” im ADAC Interview Mitgefahren bei.. auf Seite 82.
Das bringt mich wieder zur Frage 1…

Siehst du auch häufig Beiträge oder Grafiken, bei welchen die Themen Inflation oder Einkommenssteigerungen vernachlässigt werden? Glaubst du auch, dass die absichtlich verschwiegen bzw. bewusst eingesetzt werden, um zu täuschen?

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Ein Gedanke zu „Finanz-Fundstück des Monats: ADAC Motorwelt

  • Oktober 28, 2016 um 12:00 pm
    Permalink

    Daneben wird “vergessen” (oder doch eher: bewusst verschwiegen), dass Neuwagen seit Jahren immer größer und leistungsstärker werden, etc.
    Günstige Fahrzeuge gibt es zu Hauf, wenn man kauft was man braucht und sich (auch hier) nicht vom Verkäufer reinlegen lässt…

    Antwort

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