Geldanlage ist wie…Joggen!

Ich saß gestern Abend auf der Couch. Die Kinder waren im Bett und hatten ihren Kampf gegen das Einschlafen (mal wieder) verloren. Es war gegen halb neun.

Im Fernsehen gab es mal wieder schlechte Nachrichten und die folgenden Sendungen ließen nicht weniger Gewalt erwarten. Zumindest psychisch.

Also entschied ich mich kurzerhand dazu, eine kleine Runde zu Joggen. Früher (ohne Kinder, Job und Blog) gelang mir das regelmäßig. Mittlerweile heißt es: Nutze den Augenblick, wenn es passt.

Also ging es los. Fünf Kilometer rund um unser Dorf. Ohne Aufwärmen natürlich.
Es wurde ja langsam dunkel…

Während des Laufens sind mir 10 Punkte eingefallen, die sowohl auf das Joggen, als auch die Geldanlage zutreffen.

1. Du brauchst ein eigenes Ziel

Stell dir vor, du erklärst einem Freund, dass dieser unbedingt in Aktien investieren müsse. Weil die Renten nicht sicher seien und so weiter. Außerdem erzählst du ihm von deiner tollen Rendite in den letzten drei Jahren.

Angenommen, du kannst ihn überzeugen und er würde direkt am nächsten Tag einen Wertpapier-Sparplan anlegen. Was glaubst du, wie lange er diesen behalten und regelmäßig besparen wird?

Ich denke auf keinen Fall ein Jahr. Maximal ein paar Wochen.

Warum? Das Problem ist, dass dein Freund kein eigenes Ziel definiert hat. Er träumt lediglich von deiner tollen Rendite, vom schnellen Geld.

Bei der Geldanlage braucht man ein individuelles und langfristiges Ziel, auf welches man hinarbeitet. Egal ob Finanzielle Freiheit mit 50, Frührente mit 55 oder ein zusätzliches Dividenden-Einkommen von 1.000 € in 20 Jahren.

Auch beim Joggen ist ein konkretes Ziel sehr wichtig. Sei es der Marathon, Halbmarathon oder das Ziel, dreißig Minuten am Stück zu laufen. Aber irgendein messbares Ziel hilft, sich zu motivieren und letztendlich regelmäßig die Laufschuhe zu schnüren.

2. Nur wer durchhält, wird langfristig Erfolge sehen

Wer kennt es nicht: Zunächst wird der Entschluss gefasst, ein wenig mehr Sport zu machen. Daraufhin wird drei oder vier mal gejoggt. Anschießend stellt sich die Erkenntnis ein, dass es doch ganz schön anstrengend ist. Die Motivation lässt nach. Beim nächsten Mal fällt das Training aus, weil es “ein bisschen regnet“. Das nächste Mal, weil es “schon dunkel” ist. Das nächste Mal, weil die “Kinder gerade eine schwierige Phase” haben und nicht gut schlafen.

Auch im Leben des Investors sind die ersten Monate die schwierigsten. Kaum angefangen, fehlt im zweiten Monat schlichtweg das Geld für die Sparrate, weil es doch der neue Fernseher sein musste. Im dritten Monat hat man zwar eisern gespart, sich dann aber doch irgendwie nicht getraut das Geld anzulegen. Nur weil Marc Faber & Co. mal wieder von einem “bevorstehenden Systemcrash” sprechen.

Neben der fehlenden Kontinuität, ist es beim Joggen und bei der Geldanlage auch der (falsche) Glaube an schnelle Erträge. Es geht eben nicht von heute auf morgen. Wer als Untrainierter einen Marathon überstehen will (anders als der “Erfinder” des Laufes), muss sich lange und diszipliniert vorbereiten. Wer im Alter ein hohes passives Einkommen haben möchte, muss ebenfalls eine hohe Disziplin an den Tag legen.

3. Es ist kinderleicht

Trotz aller Mühen, gibt es eine gute Nachricht: Sowohl das Joggen, als auch die Geldanlage sind kinderleicht. Jeder kann es verstehen. Jeder kann es tun.

4. Der richtige Einstiegszeitpunkt hilft, ist aber nicht entscheidend

An der Börse heißt es: “Sell in May and go away, but remember to come back in September“. Mehrere Untersuchungen zeigen, dass während der Wintermonate leicht überdurchschnittliche Renditen am Kapitalmarkt erzielt werden können. Hinzu kommen natürliche einzelne Ereignisse, die Einfluss auf die Aktienkurse haben: Brexit, Wahlen, Zinsanhebungen etc.

Für den Kleinanleger sind diese Einflüsse aber zum einen nicht genau vorhersehbar, zum anderen im Bezug auf die langfristige Rendite nicht relevant.

Dennoch hilft es natürlich, zu einem Zeitpunkt einzusteigen, wenn die Kurse gerade im Keller sind.

Beim Joggen sind es eher die Sommermonate, die einen guten Einstiegszeitpunkt bieten. Auch im Winter kann man joggen – allerdings fallen die Ausreden dann deutlich einfacher (siehe Punkt 2 – “Dunkelheit”)

5. Man sollte nicht zu sehr auf die kurzfristige Performance achten

Laufanfänger achten häufig zu sehr auf Distanzen oder Geschwindigkeiten. Mir ging es genauso. Mittlerweile habe ich das aber gut im Griff. Ich laufe einfach los und nehme mir beispielweise vor diesmal dreißig Minuten gut durchzuhalten. Also…ohne dass der Kopf danach platzt.

Bei der Geldanlage in schwankende Anlageklassen ist es ähnlich. Viele Anfänger orientieren sich zu sehr an kurzfristigen Kursen.

Mir ist es mittlerweile egal, ob Amazon oder Procter&Gamle kurzfristig 10% zulegen oder abgeben. Das ist nur ein Kurs, der sich aus der aktuellen Nachfrage und dem aktuellen Angebot zusammensetzt. Entscheidender für mich ist der Wert eines Unternehmens. Und der ändert sich von Woche zu Woche nicht so stark.
Okay, bei Amazon stimmt das vielleicht nur bedingt 

6. Die richtigen Werkzeuge können helfen

Warst du schon mal im Januar bei Decathlon, Runnerspoint oder in einem anderen Sportartikel-Laden? Die Buden sind voll. Viele Menschen sind voll motiviert ins neue Jahr gestartet. Jetzt wird alles besser – es soll regelmäßig gejoggt werden.

Aber bevor es losgeht, wird natürlich erstmal Funktionskleidung gekauft. Dieses (künstliche) Bedürfnis kommt ja nicht von irgendwoher. Die Unternehmen bewerben am Anfang jeden Jahres ja ganz gezielt bestimmte Sportartikel.

Also denkt sich Lutz aus Wanne-Eickel: Ich brauch unbedingt auch so ein Accelerate Long Sleeve Laufshitrt aus feuchtigkeitsregulierendem Dri-Fit Material, mit scheuerarmen Flachnähten und einem wasserabweisend AdvancedSkin Shield.

Am Anfang hätte es aber vielleicht auch einfach eine Trainingsjacke getan…

Bei der Geldanlage machen viele Anfänger den Fehler, zu lange nach dem perfekten Produkt zu suchen. Ich nehme mich da nicht aus.

Anfangs ist es allerdings viel wichtiger, die Sparquote konstant zu halten und in ein möglichst einfaches und kostengünstiges Produkt zu investieren. Erst wenn das Depot auf einen fünfstelligen Betrag angewachsen ist, macht es Sinn an der Renditeschraube zu drehen. Und selbst dann ist nicht gesagt, dass das einfache Produkt nicht weiterhin am besten ist.

7. Mach dein Ding

Deine Kollegen machen sich über dich lustig, weil du lieber eine Runde joggen gehst, statt mit ihnen im Biergarten zu sitzen? Erfahrene Läufer belächeln deinen Laufstil?
Lass sie doch. Häufig macht man sich viel zu viel Gedanken darüber, was andere über einen denken.

Zieh dein Ding durch!

Wir langfristigen Aktienanleger, werden häufig auch als Freaks gesehen. Aktien – die sind nur was für reiche Leute oder Zocker. Außerdem ist das doch langweilig.
Und auf Frauen wirkt die Aktienanlage auch selten betörend. Manchmal aber schon. #MakeVermögensaufbauSexyAgain

Finde dich damit ab, dass die Anerkennung für große Disziplin und echte Mühen erst verzögert erfolgt. Man spricht von Delayed Gratification.

8. Du solltest dir deine Kräfte gut einteilen

Irgendein schlauer Mensch – wahrscheinlich Charlie Munger oder Warren Buffett – hat mal gesagt: “Eine Geldanlage ist kein Sprint, sondern ein Marathon.

In diesem Spruch stecken zwei Botschaften: Zum einen darfst du nicht davon ausgehen, dass du mit Aktien schnell reich wirst. Zum anderen sind finanzielle Reserven hilfreich, um im richtigen Moment nachzukaufen.

Keiner wird widersprechen, wenn ich sage: Wenn du Langstrecken läufst, sind körperliche Reserven ebenfalls sehr wichtig.

9. Der Weg ist nicht das Ziel

Dieser Punkt ist vielleicht etwas kontrovers. Was ich meine ist, dass es beim Joggen nicht darauf ankommt wo du lang läufst. Natürlich ist es schöner im Wald oder über Felder zu joggen, statt durch die Stadt oder ein Industriegebiet. Allerdings musst du dir vor dem Loslaufen keinen Plan machen. Du kannst während des Laufens entschieden, ob es an der nächsten Gabelung links oder rechtsrum geht. Das macht die Sache auch deutlich spannender.

Auch bei der Geldanlage, solltest du dich vom Glauben verabschieden, dass du von Anfang an weißt über welche Wege die Reise führt. Das Ziel sollte schon klar sein. Ob du allerdings manchmal abbiegen musst, weil ein Fonds geschlossen wird oder eine Firma eine andere aufkauft, weißt du heute nicht. Auch das Steuerrecht ändert sich regelmäßig. Dein Broker könnte pleite gehen oder fusionieren. Neue Unternehmen erscheinen an der Börse.

10. Du kannst heute anfangen

Zu dem Punkt möchte ich dir ein Zitat von Rainer Maria Rilke mit auf den Weg geben.

Ich kann mir kein seligeres Wissen denken, als dieses Eine: dass man ein Beginner werden muss. Einer, der das erste Wort schreibt hinter einen jahrhundertelangen Gedankenstrich.

Besser könnte ich es nicht beschreiben.

Du hast es nicht so mit dem Joggen und fährst lieber Rad? Dann schau doch mal hier 

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4 Gedanken zu „Geldanlage ist wie…Joggen!

  • Mai 25, 2017 um 8:06 am
    Permalink

    Moin Felix,

    super Artikel und Vergleich! Ich kann den Artikel komplett unterschreiben. Während meiner aktiven Zeit als Schwimmer war ich im Freiwasser auf den 5, 10 und 25km unterwegs. Um im entscheidenen Moment die Erfolge feiern zu können, waren tausende Kilometer Arbeit und Durchhaltevermögen nötig.

    Dafür waren die Erfolge viel intensiver und anhaltender. Selbst zehn Jahre später kann ich mich fast live in die Situationen zurückversetzen. Keine kurzfristige Belohnung kommt an diese Gefühle heran.

    Deine Liste würde ich gerne um Punkt 11 erweitern: “Selbst im Einzelsport bist Du als Team stärker!” Wenn schwere Zeiten an Deiner Disziplin, Deinem Durchhaltevermögen, Deinem Plan und vielem mehr nagt, dann ist ein Team, dass dir bedingungslose Rückendeckung gibt mehr Wert als jeder Erfolg oder jedes Vermögen. Dies erlebe ich nun erneut abseits vom Schwimmen in der Geldanlage. Noch war keine Krise vorhanden, aber der immense Austausch mit Gleichgesinnten und die motivierende Zusammenarbeit mit Marielle erleichtert die unangenehmen Pflichtübungen im Vermögensaufbau.

    Beste Grüße
    Mike

    Antwort
    • Mai 25, 2017 um 10:31 am
      Permalink

      Hi Mike,
      sehr gute Ergänzung – warum bin ich da nicht drauf gekommen?… 🙂

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
  • Mai 26, 2017 um 7:16 am
    Permalink

    Moin Felix,
    super Artikel! Da bekomme ich doch glatt Lust, mal wieder laufen zu gehen. Ich kann die 10 Punkte nur bestätigen.

    Beste Grüße
    der Finanzfisch

    Antwort
    • Mai 26, 2017 um 10:22 am
      Permalink

      Oh je – das war doch gar nicht meine Absicht 😉

      Antwort

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