Interview Deutsches Aktieninstitut

Das Deutsche Aktieninstitut ist ein Zusammenschluss von rund 200 Aktiengesellschaften, Anwaltskanzleien, führenden Beratungsunternehmen und anderen, am Kapitalmarkt aktiven Akteuren. Seit 1953 vertritt es die Interessen seiner Mitglieder und steht in engem Dialog mit der Politik. Als übergeordnetes Ziel, verfolgt der Verband die Weiterentwicklung der Kapitalmärkte und deren Rahmenbedingungen.

Diese Themen haben mein Interesse geweckt und einige Fragen aufgeworfen. Es freut mich sehr, dass sich Frau Dr. Bortenlänger als Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstitutes zu einem Interview bereiterklärt hat.

Frage: Frau Dr. Bortenlänger, warum ist die Aktie das beste Instrument für einen langfristigen Vermögensaufbau?

Antwort: Aktien haben bei langen Anlagehorizonten im Vergleich zu festverzinslichen Wertpapieren, Tagesgeld oder Sparbuch bei der Rendite die Nase vorn. Dabei muss der Anleger auch keine übermäßigen Risiken eingehen, denn nach 13 Jahren ist das Verlustrisiko gleich null, wie man an unserem Rendite-Dreieck ablesen kann.

Dazu muss der Anleger aber die Grundregeln der Aktienanlage beachten: Er muss kontinuierlich, breit gestreut und langfristig investieren. Unser Rendite-Dreieck beweist auch, dass unter diesen Bedingungen eine Rendite von sechs bis neun Prozent pro Jahr realistisch ist. Dabei ist es zweitrangig, wie das Aktieninvestment erfolgt – als Direktanlage oder über Investmentsfonds – Hauptsache, der Anleger ist überhaupt und mit einem angemessenen Anteil seines Gesamtvermögens am Aktienmarkt investiert.

Das Deutsche Aktieninstitut setzt sich auf politischem Weg für die Interessen seiner Mitglieder ein. Wie dürfen wir uns diese Arbeit im Detail vorstellen?

Um unsere Themen, wie beispielsweise die Förderung der Aktie als Finanzierungs- und Anlageinstrument, voranzubringen, stehen wir im engen Dialog mit der Politik. Im letzten Jahr haben wir mehr als 25 Stellungnahmen zu aktuellen Gesetzesvorschlägen in die nationalen und europäischen Gesetzgebungsprozesse eingebracht. Dazu kommen regelmäßig Hintergrundgespräche mit Politikern und Mitarbeitern von Ministerien. Erleichtert wird diese Arbeit dadurch, dass wir sowohl in Berlin als auch in Brüssel mit kompetenten und ausgezeichnet vernetzten Mitarbeitern vor Ort sind.

Unsere Stellungnahmen und Positionspapiere bereiten wir in Abstimmung mit unseren Mitgliedsunternehmen vor, mit denen wir über unsere verschiedenen Arbeitskreise in regelmäßigem fachlichen Austausch stehen. Aktuell haben wir mehr als zehn Arbeitskreise zu unterschiedlichen Themen wie beispielsweise zum Brexit, Belegschaftsaktien oder zur Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Wir führen aber auch regelmäßig Studien durch wie zuletzt die Studie „Lebensstandard im Alter sichern – Rentenlücke mit Aktien schließen“. Einmal im Jahr veröffentlichen wir unser Rendite-Dreieck und die Aktionärszahlen, die Auskunft darüber geben, wie viele Deutsche ihr Geld in Aktien anlegen.

Last, but not least unterstützen wir die Geschäftsstelle der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex bei ihrer Arbeit am Kodex und für bessere Corporate Governance.

Welche Ideen hat das Deutsche Aktieninstitut in den vergangenen Monaten und Jahren entwickelt und mit den politischen Entscheidungsträgern diskutiert?

Wir haben uns zuletzt das Thema Aktienorientierte Altersvorsorge auf die Fahnen geschrieben. Im Dezember 2016 haben wir dazu die bereits genannte Studie „Lebensstandard im Alter sichern – Rentenlücke mit Aktien schließen“ vorgelegt. In dieser zeigen wir, dass der Einsatz von Aktien zumindest in der betrieblichen und privaten Altersvorsorge zwingend erforderlich ist, wenn die Deutschen im Alter nicht deutlich weniger Geld in der Tasche haben wollen. Seit Dezember sind wir mit verschiedenen Politikern im Gespräch, um ihnen die Vorteile der Aktie für die Altersvorsorge zu erläutern und sie für unseren Aktionsplan Aktienorientierte Altersvorsorge zu gewinnen. Der Aktionsplan, der auf Basis der Studienergebnisse entwickelt wurde, enthält eine Reihe von Vorschlägen, wie die Aktie in der Altersvorsorge besser genutzt werden kann.

Sozusagen ein Dauerbrenner für uns ist natürlich die Unternehmensfinanzierung mit Aktien. Wenn wir die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Deutschland langfristig erhalten wollen und diese in der Lage sein sollen, in Innovationen, Wachstum und Beschäftigung zu investieren, brauchen wir mehr Risikofinanzierung. Wir setzen uns daher seit Jahren dafür ein, unnötige Hürden bei der Kapitalaufnahme über die Börse zu beseitigen.

Auf Kapitaleinkünfte, zum Beispiel auf realisierte Gewinne aus Wertpapiergeschäften oder Einnahmen aus Dividendenzahlungen, fällt in Deutschland die Kapitalertragssteuer an. Die Gesamtbelastung liegt bei 26,375 % (zzgl. Kirchensteuer). In fast allen europäischen Staaten unterliegen Erträge aus Kapitalvermögen der jeweiligen Einkommenssteuer. Dieses Modell wird auch in Deutschland diskutiert. Wie steht das Deutsche Aktieninstitut zu dieser Frage?

Vielleicht sollte man sich erst einmal klar machen, worum es sich bei Dividenden eigentlich handelt. Unter der Dividende versteht man den auf die einzelne Aktie entfallende Anteil am Gewinn des Unternehmens. Der Unternehmensgewinn wird zuerst auf der Unternehmensebene (Körperschaftsteuer und Gewerbesteuer zusammen ca. 30 Prozent) versteuert, bevor er nach der Ausschüttung an den Aktionäre auf Anlegerebene mit dem von Ihnen genannten Steuersatz noch einmal besteuert wird. Damit liegt die steuerliche Gesamtbelastung auf Unternehmensgewinne/Aktien bei rund 50 Prozent. Zinserträge von Sparbüchern und festverzinslichen Wertpapieren werden dagegen nur mit ca. 26 Prozent besteuert. Aktien werden also steuerlich erheblich diskriminiert, was in der jetzigen Diskussion um die Abschaffung der Abgeltungsteuer berücksichtigt werden muss. Eine Rückkehr zum persönlichen Einkommensteuersatz ist zwingend mit Maßnahmen – wie der Wiedereinführung der Spekulationsfrist – zu flankieren, um die steuerliche Diskriminierung zumindest zu verringern.

Bei Vergleichen mit dem europäischen Ausland muss man immer sehr vorsichtig sein, damit nicht Äpfel mit Birnen verglichen werden. So werden in anderen Staaten Kursgewinne nicht zwingend besteuert oder es gibt sehr viel höhere Freibeträge als in Deutschland.

Im deutschsprachigen Raum hat sich eine kleine, aber immer reichweitenstärkere Finanzblogszene entwickelt? Blogger und Blogleser haben die Möglichkeiten der Finanzmärkte für einen langfristigen Vermögensaufbau erkannt und diskutieren über Chancen und Risiken. Steht das Deutsche Aktieninstitut bei seiner Arbeit auch im Austausch mit Anlegergruppen?

Wir freuen uns sehr über diese Entwicklung, denn Finanzblogger erreichen durch ihre Blogs jüngere Zielgruppen in der Bevölkerung und leisten so wichtige Aufklärungsarbeit im Bereich der Finanzfragen. Unser Kernauftrag liegt allerdings in der politischen Arbeit und in der allgemeinen Aufklärung über die Chancen und Risiken der Aktienanlage. Wir beschäftigen uns nicht mit Analysen einzelner Aktien oder der Prognose kurz- und mittelfristiger Marktbewegungen. Das wäre mit der Aufgabenstellung des Deutschen Aktieninstituts nicht vereinbar.

Blogger, die unseren Grundansatz beziehungsweise unsere politischen Positionen teilen, unterstützen wir gerne. Sie können beispielsweise auf unsere Inhalte verlinken. Das bietet sich bei der Zielgruppe Privatanleger besonders beim Rendite-Dreieck an.

In den USA gibt es steuerlich geförderte Programme zur Altersvorsorge. Sehr bekannt und beliebt sind beispielsweise die 401k-Pläne. Hierbei können Arbeitnehmer Teile ihres Gehaltes in Investmentfonds anlegen. Der Anlagebetrag wird vom steuerlichen Einkommen abgezogen. Wie steht das Deutsche Aktieninstitut zu einem derartigen Modell?

Ein Blick über den Tellerrand hilft immer, Ideen zu entwickeln. Die USA haben es u.a. mit der Einführung der 401k-Pläne geschafft, die Kapitaldeckung in der Altersvorsorge auszubauen und die Vorteile von Aktien zu nutzen. Dies kann Vorbild für Deutschland sein, da sich die Deutschen immer noch viel zu stark auf das gesetzliche Rentensystem verlassen. Das staatliche Umlageverfahren wird aber künftig immer mehr an seine Grenzen stoßen, weil die Anzahl der Beitragszahler demografisch bedingt zwingend zurückgeht. Daher müssen wir viel stärker den Aktienmarkt als zusätzliche Absicherung nutzen und zu einer Mischfinanzierung aus Umlageverfahren und Kapitaldeckung kommen, um den Lebensstandard künftiger Rentnergenerationen zu sichern.

Aktien sind für die Altersvorsorge mit ihrer langen Ansparzeit von 30 und mehr Jahren prädestiniert. In der langen Frist fallen die Auswirkungen von Kursschwankungen immer weniger ins Gewicht und der Anleger erhält Renditen, die er mit anderen Wertpapieren wie Staatsanleihen nicht erwirtschaften kann.

Langfristige Investition in Wertpapiere als Grundlage für den Ruhestand aller Einkommensgruppen. Wie wirbt das Deutsche Aktieninstitut für die Aktie in der Bevölkerung?

Wir stellen Aufklärungsmaterial wie das Rendite-Dreieck bereit, halten regelmäßig Vorträge und geben über das Jahr verteilt zahlreiche Interviews rund um die Geld- und Aktienanlage. Darüber hinaus konzentrieren wir uns darauf, Multiplikatoren für unserer Sache zu gewinnen. Dazu zählen neben den Medien, natürlich auch Bankberater und Politiker. Denn eins ist klar, die Aktienkultur können wir in Deutschland nur verbessern, wenn wir alle Kräfte bündeln.

Darüber hinaus müsste auch in den Schulen mehr getan werden. Ein Schulfach Wirtschaft, in dem auch Fragen der Geldanlage ihren Platz hätten, steht ganz oben auf unserer Wunschliste.

In den letzten Jahren erfreuen sich Indexfonds (ETFs) immer größerer Beliebtheit. Welche Chancen und Risiken sieht das Deutsche Aktieninstitut in diesem Anlageprodukt?

Für uns ist zunächst einmal wichtig, dass die Menschen überhaupt in Aktien investieren. Mit Aktienfonds und ETFs lassen sich die Grundprinzipien der Aktienanlage (Langfristigkeit und breite Streuung) quasi automatisch umsetzen. Die Wahl des konkreten Produktes hängt dabei von vielen Faktoren ab und ist letztlich eine individuelle Entscheidung.

Wer sich für die Direktanlage in einzelne Aktien entscheidet, sollte eine größere Summe investieren können, um sein Geld breit, also in verschiedenen Branchen und Regionen, anlegen zu können. Und ein bisschen was sollte immer auf den Girokonto oder in Tagesgeld liegen. Unerwartet auftretender Ausgaben, wie dem Ersatz des Kühlschranks oder Fernsehers, dürfen nicht der Grund sein, dass Aktien – womöglich in einer Abschwungphase des Aktienmarktes – verkauft werden müssen. Wer diese Regeln beachtet, wird viel Freude an seiner Aktienanlage haben.

Zum Abschluss noch eine Just-do-it-Frage: Wie können wir als Finanzblogger Aktien und Fonds als geeignetes Mittel zum langfristigen Vermögensaufbau noch mehr Menschen näher bringen?

Argumentieren Sie auf Grundlage von Fakten und nutzen Sie dazu gern unser Rendite-Dreieck oder Material aus unseren Studien. Erzählen Sie Geschichten über Unternehmen, die nicht nur aus Zahlen bestehen. Denn die Diskussion um eine bessere Aktienkultur in Deutschland ist häufig auch zu kopflastig, man sollte viel öfter das Bauchgefühl der Anleger ansprechen. Gerade jüngere Anleger können wir möglicherweise eher von Aktien überzeugen, wenn wir die Produkte der Unternehmen in den Vordergrund stellen. Warum nicht Miteigentümer an Apple, Samsung, Instagram oder Activision Blizzard werden?

In dieser Hinsicht ist die Direktanlage unschlagbar, denn sie vermittelt das direkteste Feedback zu den Chancen unternehmerischer Entscheidungen. Gerne lernen wir aber auch von der Bloggerszene: Welche Stories kommen aus Ihrer Sicht gut an und was bewegt die Web-Community beim Thema Aktie? Wie gesagt, es kommt darauf an, die Kräfte für eine bessere Aktienkultur in Deutschland zu bündeln!

Frau Dr. Bortenlänger, ich danke Ihnen vielmals für dieses Interview.

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7 Gedanken zu „Interview Deutsches Aktieninstitut

  • Februar 3, 2017 um 8:44 am
    Permalink

    Hallo Felix,

    das ist ein Top-Beitrag! Glückwunsch an dich ein solches Schwergewicht als Interview-Partnerin an Land gezogen zu haben! Inhaltlich auch sehr interessant. Vor allem freut mich natürlich, dass das DAI unsere Arbeit als Finanzblogger befürwortet. Sowas motiviert. Es bestätigt mich, den Menschen zunächst einmal den grundsätzlichen Umgang mit dem Vermögensaufbau nahebringen zu wollen. Ergebnisse und Statistiken kommen dann später. Zunächst einmal finde ich es wichtig, Ängste abzubauen und den Leuten Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu vermitteln.

    Schöne Grüße
    Marco

    Antwort
  • Februar 3, 2017 um 6:11 pm
    Permalink

    Hui, hochkarätige Interviewpartnerin, obwohl das DAI vorher an mir vorbeigegangen war. Das Steuerthema wird uns leider alle noch viel beschäftigen und sich sicherlich noch häufig ändern.

    Antwort
    • Februar 3, 2017 um 6:51 pm
      Permalink

      Bei uns kommen nur die Hochkarätigen zu Wort. Das Thema Steuern werde ich in den nächsten Wochen noch vertiefen. Lediglich Schäuble hat noch nicht zugesagt – ich arbeite dran 🙂

      Antwort
  • Februar 6, 2017 um 7:07 am
    Permalink

    Moin Felix,

    meinen Glückwunsch zu diesem tollen Interview! Solche Interviewpartner sind immer etwas tolles, um auch die Sichtbarkeit der Blogger zu stärken. Aber wie man sieht, werden wir ja wahrgenommen.

    Mach weiter so!

    Viele Grüße
    Daniel

    Antwort
    • Februar 6, 2017 um 10:50 am
      Permalink

      Hi Daniel,
      die Bereitschaft hat mich auch positiv überrascht. Gerade weil es ja schnell in die Schublade “Lobbyarbeit” geschoben wird.

      LG
      Felix

      Antwort
  • August 21, 2017 um 7:48 pm
    Permalink

    Sehr gutes und lesenswertes Interview! Danke. Besser kriegt das die Wirtschaftsredaktion meiner Tageszeitung auch nicht hin.

    Antwort
    • August 22, 2017 um 5:40 am
      Permalink

      Danke 🙂

      Antwort

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