Liebe Sparkasse, ich bin dann mal weg!

Seit Anfang diesen Jahres, führe ich ein digitales Haushaltsbuch. Alle Ein- und Auszahlungen des normalen Girokontos, sowie der Onlinekonten, tippe ich gewissenhaft in eine Excel-Tabelle ein. Mein oberstes Ziel: Transparenz – Welche Ausgaben fallen wann und wieso an?

Im nächsten Schritt, versuche ich jetzt nach und nach, unnötige Kostentreiber zu reduzieren oder ganz zu beseitigen.

Ein Ausgabenpunkt, der zwar vergleichsweise gering ausfällt, dafür aber allmonatlich seinen Weg in die Liste findet, lautet “Gebühr Sparkasse“.

Um zu bewerten, welcher Mehrwert uns im Gegenzug zu den anfallenden Kosten geboten wird, habe ich mir den Punkt mal genauer angeschaut.

Beim letzten Umzug, hatten meine Frau und ich ein Konto bei der örtlichen Sparkasse eröffnet. Dabei standen bereits damals grundsätzlich drei Kontenmodelle zur Auswahl.

  • S-Giro Plus – “für hohe Ansprüche”
  • S-Giro Classic- “Umfassende Leistungen – fester Preis”
  • S-Giro Light – “Das Online Girokonto”

Ich hätte gerne ein Modell für hohe Ansprüche mit einem kleinen Preis gehabt, aber das stand nicht zur Auswahl…

Mein bisheriges Kontenmodell

Weil ich Überweisungen ohnehin lieber schnell am Automaten mache und Onlinebanking damals durchaus eine Option war, haben wir uns damals für die Variante S-Giro Light entschieden. Monatlicher Grundpreis 2,95 €, zwei Ein-/Auszahlungen an der Kasse (am Schalter), sowie fünf Ein-/Auszahlungen am Automaten pro Monat kostenlos. Alle weiteren gegen Gebühr. Für Auszahlungen an fremden Geldautomaten, werden jeweils 0,50 € fällig. Zudem kostet jede Sparkassenkarte zusätzlich 5  € pro Jahr.

Bei Betrachtung dieser Konditionen, wird die Sparkasse schnell zur Spaßkasse. Ein schlechter Scherz, oder?

Das Onlinebanking bei der Sparkasse nutzen wir bis heute nicht, da wir die Anzahl der oben genannten Freiposten in der Regel nicht überschreiten. Außerdem ist die Filiale fußläufig erreichbar und bei jedem Kinderwagen-Spaziergang ein nützliches Ziel. Zudem würden auch die Grundgebühren durch Nutzung des Onlinebankings nicht entfallen.

Was also tun – Kündigen oder nicht?

Ich mag ja das Flair in Sparkassen-Filialen. Junge, aufstrebende Bankkaufmänner tragen teure Anzüge, aber schlecht sitzende Krawatten. Ihre älteren Kollegen wissen zwar wie ein Windsor-Knoten gemacht wird, scheitern aber optisch durch das 70er Jahre Muster des Modells. Wahlweise auch mit Donald Duck Motiven.

Und am Schalter lässt sich Frau Czibulka aus Castrop-Rauxel Pöppinghausen den neuen 20 Euro Schein erklären. Sie braucht wohl nur jemanden zum Reden.

Außerdem hat der latente Plastikgeruch im Automatenbereich auch einen gewissen Charme.

Aber – wie argumentiert meine große Tochter gerne: “TROTZDEM”. Es geht ums Prinzip. Warum soll ich meiner Bank Geld dafür zahlen, dass sie mein Geld parken darf? Auch in Zeiten negativer Zinsen, ist das aus meiner Sicht ungerechtfertigt.

Und es gibt es ja durchaus Alternativen. Auf girokonten-vergleich24.org findest du eine sehr gute Übersicht zu den Vor- und Nachteilen, sowie den Konditionen aller Girokonten-Anbieter. Wie erwartet, stechen hier die Onlinebanken, die häufig ja nur Ableger der Filialbanken sind, ihre Konkurrenten aus.

Für welches Angebot ich mich entschieden habe, tut hier nichts zur Sache. Da musst du selber entscheiden, welche Konditionen dir wichtig sind und ob du zum Beispiel eine kostenlose Kreditkarte dazu haben möchtest.

Um keine zusätzlichen Wege und Aufwände zu haben,  solltest du aber darauf achten, an welchen Automaten du mit der jeweiligen Kreditkarte Geld abheben kannst. In der Regel geht das aber entweder bei jeder Sparkasse oder Volksbank.

Jetzt ist noch ein bisschen Papierkram fällig und dann heißt es Abschied nehmen liebe Sparkasse.

Fazit

Mit meiner Kündigung liege ich voll im Trend. Allein wischen 2010 und 2014 ist in Deutschland der Anteil der Nutzer von Onlinebanking von 35% auf 54% gestiegen.

Screenshot_2016-08-08-20-18-14
Quelle: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/3942/umfrage/anteil-der-nutzer-von-online-banking-in-deutschland-seit-1998/

Mit Begründung durch die Negativzinsen der EZB, verlangt die Sparkasse München nun zahlreiche neue Gebühren von ihren Kunden. Zum Beispiel müssen Kunden mit einem Geldeingang von weniger als 1.750 € pro Monat ab sofort eine monatliche Grundgebühr von 4,95 € zahlen. Aus meiner Sicht eine absolute Frechheit.

Dass den Banken jetzt vor allem die jungen und online-erprobten Kunden weglaufen, ist absolut verständlich.

In diesem Jahr sollen rund 30.000 Banken und Sparkassen geschlossen werden – eine große Kündigungswelle steht dem Bankensektor bevor.

Ich bin gespannt, ob die Onlinebanken, die aktuell auf die Automaten der Filialbanken und Sparkassen zugreifen, davon beeinflusst werden.

Wie bei Handy-, Strom- und Gasverträgen lautet das Motto: Stetig die laufenden Kosten im Auge behalten und flexibel bleiben. Wer mit höhen Gebühren ärgert, der soll sich andere Kunden suchen.

Liebe Sparkasse, ich bin dann mal weg!

Möchtest du ab sofort über neue Beiträge informiert werden?
Dann melde dich jetzt für meinen Newsletter an.

Email

Teilen macht Freu(n)de... Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+0Pin on Pinterest1Email this to someone

7 Gedanken zu „Liebe Sparkasse, ich bin dann mal weg!

  • August 9, 2016 um 9:28 am
    Permalink

    Wahnsinn, was die Sparkassen und Volksbanken teilweise für Gebühren verlangen. Lauter kleine Beträge, aber Kleinvieh macht ja auch Mist und bei einer Direktbank zahle ich eben keine Gebühren.

    Ich bin vor ein paar Jahren von der Volksbank weg zu einer Direktbank und habe es überhaupt nicht bereut. Den Schalterservice brauchte ich nicht und konnte ihn auch nicht in Anspruch nehmen da die Öffnungszeiten quasi identisch mit meinen Arbeitszeiten waren. Samstags geschlossen. Onlinebanking war verbesserungswürdig und der blöde TAN-Generator hat nur genervt (10 Euro für ein kleines Gerät berappen, mit dem man vor dem Bildschirm rumfuchteln muss um eine Überweisung frei zu schalten…). Die klotzig-protzige, zentral gelegene Bankfiliale will ich eigentlich auch nicht mitfinanzieren.

    Ich habe den Eindruck, dass die Sparkassen/Volksbanken irgendwie dem Trend hinterherlaufen. Vielleicht stehen jetzt bald viele zentral gelegene, großzügig dimensionierte Filialen leer und die Banker sitzen auf der Straße?

    Antwort
    • August 9, 2016 um 9:36 am
      Permalink

      Hallo Julia,
      dann warst du um einiges schneller als ich 🙂
      Vor einigen Jahren hatte ich bei der alten Sparkasse (andere Region) auch mal so einen TAN Generator. Grauenhaft.
      Wie sicher das SMS TAN Verfahren ist, kann ich technisch auch nicht einschätzen. Aber ich kenne aus dem Bekanntenkreis Fälle, wo illegale Abbuchungen von der Direktbank storniert bzw. sogar per Gutschrift (auf Kosten der Bank) beglichen wurden. Diese Haftung halte ich für eine clevere Strategie, um die Kunden langfristig bei der Stange zu halten.
      Da könnten sich die Filialbanken mal was abschauen…

      Viele Grüße
      felix

      Antwort
  • August 9, 2016 um 4:56 pm
    Permalink

    Hey Felix,

    die Gebühren der Hausbanken sind auch in Österreich untragbar. Speziell die etablierten Banken ziehen hier kräftig etwas ein. In einem meiner Artikel erwähnte ich das Thema auch schon einmal. Momentan sieht mich meine Bank noch als Student und verlangt keine Gebühren…Sobald sich das ändert bin ich weg, denn erstens gibt es Banken die günstiger sind oder dennoch gar nichts verlangen. Teilweise fällt der Papierkram auch weg, weil die Bank alles für dich erledigt. Lustig, dass die Münchner Menschen mit weniger Einkommen mehr abknöpft, oder wie sieht es mit den anderen >1.750€ aus?

    LG
    Johannes

    Antwort
    • August 9, 2016 um 6:08 pm
      Permalink

      Hi Johannes,
      alle mit einem Einkommen >1.750 € sind wohl erstmal fein raus.
      Das erinnert mich an einen Besuch von mir des VW Gebrauchtwagenhändlers vor ca. 5 Jahren. Da wurde ich behandelt wie ein Armer, weil ich einen günstigen Gebrauchten gesucht habe. Dieser Händler hat mich als Kunden für immer verloren, obwohl ich heute wohl ein guter Käufer für ihn wäre.

      Den gleichen Fehler macht nun die Sparkasse. Berufsanfänger suchen sich günstige oder gar kostenlose Alternativen. Diese dann wieder als Kunden zu gewinnen, kostet…

      Viele Grüße
      Felix

      Antwort
  • August 10, 2016 um 9:25 am
    Permalink

    Hi,
    ich bin von meiner Bank auch angeschrieben worden. Die wollen jetzt auch mehr Geld von mir. Bisher hatte ich ein “all inclusive Konto” für ca 100 € im Jahr. Teuer aber noch ok. Kreditkarte mit Reiserücktritt usw. war auch dabei….

    Jetzt wollen die jedoch 150 € für die selbe Leistung.
    Ich habe mich aus diesem Grund ebenfalls umgesehen. Bin auf das Start UP Number 26 gestoßen.
    Hat jemand Erfahrung damit?
    Meiner Meinung nach ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Onlinebanken (Richtig, oft Ableger der normalen Banken) mit den Gebühren nachziehen. Diese armen Teufel haben einfach keine andere Möglichkeit mehr Geld zu verdienen 🙂

    Antwort
  • Oktober 28, 2016 um 8:57 am
    Permalink

    Moin,

    ist es möglich, als Anregung mal Deine Excel-Haushaltsbuchdatei als Vorlage (d.h. natürlich ohne Inhalte) zu bekommen?

    Antwort
    • Oktober 28, 2016 um 9:38 am
      Permalink

      Hi, klar.
      Stelle ich bei Gelegenheit mal als Download zur Verfügung.

      Beste Grüße
      Felix

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.