Mach dir keinen Kopf um deine Rendite

Vor zwei Tagen, gab es im Finanzblog-Forum eine interessante Frage von Marcel.

Ich zitiere:

“Ich möchte gerne anfangen, in ETFs zu investieren. Auf den meisten Blogs habe ich gelesen, dass man mit einem Mix aus MSCI World und Emerging Markets anfangen sollte. Allerdings habe ich gehört, dass ein Mix aus dem amerikanischen S&P und einem kleineren Index (z.B. MDax) eine höhere Rendite bringt.

Welche Variante ist aus eurer Sicht besser?”

In der Frage steckt eine Vielzahl von Punkten, die aus meiner Sicht einen eigenen Blog-Beitrag rechtfertigen.

Punkt 1 – Anfangen ist gut!

“Ich möchte gerne anfangen, in ETFs zu investieren.”

Zu Beginn direkt mal ein Fleiß-Bienchen für Marcel! Anfangen ist besser als Nichtstun.

Punkt 2 – Fakten selber sammeln!

“Auf den meisten Blogs habe ich gelesen, dass man […]”

Stop! Finanzblogs sind immer subjektiv. Sie spiegeln lediglich die Meinung und Erfahrung der Bloggerin/des Bloggers wieder. Zusätzlich kann rege diskutiert werden.
Aus meiner Sicht, bieten Finanzblogs aber auch eine gute Informationsquelle. Sie vermitteln festgeschriebene Rahmenbedingungen und Fakten (nix post-faktisch also).

Beispiele:

Der Dax hat in der Vergangenheit 8% Rendite eingefahren. Punkt.
Indexfonds bieten die Möglichkeit in eine Palette von Aktien zu investieren. Punkt.
Die Gebühren des aktiv gemanagten Fonds xyz liegen bei 5,67684 %. Punkt.
Es heißt Fonds und nicht Fond. Letzteres ist der Bratensatz als Grundlage für Soßen. Punkt.

Niemand der bei Verstand ist, wird diese Fakten anzweifeln.

Punkt 3 – Ersetze Glauben durch Wissen!

“Allerdings habe ich gehört, dass ein Mix aus dem amerikanischen S&P und einem kleineren Index (z.B. MDax) eine höhere Rendite bringt.”

Einschub: Ich nehme an, dass Marcel den S&P 500 meint. Der Aktienindex S&P 500 umfasst die 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen, die er jeweils nach Marktkapitalisierung gewichtet. Der klassische S&P 500 ist ein Kursindex – beinhaltet also keine Dividenden.

“Ich habe gehört, dass…” oder “Ich glaube, dass…” sind immer schlecht.

Ersetzen wir also Glauben durch Wissen.

In einer vereinfachten, aber langfristigen Betrachtungsweise, finden wir folgende Performance-Ergebnisse:

MSCI World: ~7 % p.a. (Quelle)
MSCI Emerging Markets: ~9 % p.a.  (Quelle)
MDax: ~9 % p.a. (Quelle)
S&P 500: ~10 % p.a. (Quelle)

Nehmen wir jetzt noch die 70/30-Gewichtung hinzu, kommen wir auf folgende Gesamtrenditen (Gebühren und Steuern vernachlässigt):

0,7 x 7% (MSCI World) + 0,3 x 9% (MSCI Emerging Markets) = 7,6 %

0,7 x 10% (S&P 500) + 0,3 x 9% (MDax) = 9,7 %

Zwischenfazit: Ja. Es scheint so, dass ein Mix aus M-Dax und S&P 500 besser abschneidet, als das fundamentale MSCI-Duo.

Meine Meinung

Die Berechnung habe ich bewusst vereinfacht. Denn aus meiner Sicht, ist es vollkommen uninteressant, mit welchem Mix Marcel ins Rennen geht.

Anfangs geht es in erster Linie darum, Geld anzusparen und möglichst einfach zu investieren. Vielleicht kommt Marcel in den ersten Jahren aufgrund schlechter Marktphasen nur auf 2 oder 3 Prozent. Vielleicht rutscht er sogar erstmal ins Minus. Auf lange Sicht, wird sich das aber ausgleichen. Und richtig Rendite (absoluten Wertzuwachs) macht er erst, wenn der Kapitalstock entsprechend groß ist. Dann kann er sich immer noch Gedanken machen, ob er hier oder da an der Rendite-Schraube drehen kann und will (Stichwort Rendite-Risiko-Verhältnis).

An der Stelle, lege ich dir gerne einen alten Beitrag der Ex-Studentin ans Herz. Sie hat ausgerechnet, wann ihre Depotentwicklung (der Wertzuwachs) größer wird als ihre Sparrate. Hier bekommt man ein gutes Gefühl dafür, wie viel Geduld es anfangs benötigt.

Auch ich experimentiere noch fleißig herum. Den Grundstock bildet ein ETF-Mix. Allerdings fühle ich mich immer mehr zu “echten” Einzel-Aktien hingezogen. Daher investieren ich zunehmends in diese Richtung (per Sparplänen).

Fazit

Super Marcel, dass du langfristig und sinnvoll investieren möchtest! Ich würde anfangs allerdings nicht zu sehr auf Renditen schauen, sondern vielmehr auf eine breite Streuung (Diversifikation) und die Gebühren der jeweiligen Anlage-Möglichkeiten.

Ähnlich beschreibt es auch der Finanzwesir in einer Podcast-Folge mit dem Finanzrocker. Man wird selten von Anfang an “seine” eigene Anlagestrategie finden. Es ist ein iterativer Prozess. Man sollte sich also nicht zu sehr den Kopf darüber zerbrechen. Denn…

Bei allzu langem Nachdenken kommt man nicht auf den richtigen Gedanken.

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2 Gedanken zu „Mach dir keinen Kopf um deine Rendite

  • Mai 4, 2017 um 9:27 am
    Permalink

    @ Marcel

    Meine bescheidene Meinung dazu: mach´nicht das, was “alle” machen. Ich meine damit die typische 70/30 Aufteilung (MSCI World/Emerging Markets). Erstens ist diese viel zu US-lastig und zweitens viel zu populär („Nicht mit dem Strom schwimmen“). Gleiches gilt umso mehr für die zweite genannte “Alternative”, bezogen auf den US-Anteil: ein Mix aus dem amerikanischen S&P 500 und einem kleineren Index (z.B. MDax).

    Was hälst Du von einem reinen Aktien-Welt-Portfolio, bestehend aus 4 ETF-Fonds;
    1. Nordamerika
    2. Europa
    3. Emerging Markets (Schwellenländer)
    4. Japan (Pazifik-Raum)

    Diese Aufteilung erscheint mir jedenfalls sinnvoller als die 70/30-Variante.

    Gruß, DerMitleser.

    Antwort
    • Mai 5, 2017 um 10:39 am
      Permalink

      Den Hinweis, nicht alles nachzumachen, bloß weil es “alle” machen, halte ich für richtig und wichtig. Man sollte schon einen guten Grund für sein Vorgehen haben. Für die 70/30-Aufteilung spricht die Orientierung am Bruttoinlandsprodukt der Regionen. Ich halte die genauen Zahlen aber für relativ irrelevant. Ob 80/20, 90/10, 70/30 oder eine andere Aufteilung dann in 30 Jahren die bessere Aufteilung war, weiß heute kein Mensch.
      In wie fern die vorgeschlagene 4-ETF-Lösung jetzt “komplett anders als die Mainstreamlösung” ist, sehe ich allerdings nicht. Wer jemals das Wertpapierforum besucht hat, wird dort drei Standardempfehlungen finden: 1-ETF (ACWI), 2-ETFs (World/EM: 70/30) und 4-ETFs (wie oben mit 30/30/30/10). Betrachtet man diese Verteilung, so ähnelt die 4-ETF-Variante doch arg der 2-ETF-Variante. Die Gewichte im World-Bereich mögen leicht anders sein – es läuft aber auf ein ähnliches Konzept hinaus. Allen Verteilungen ist gemein, dass möglichst der gesamte Large-Cap-Bereich weltweit abgedeckt wird.

      Die von Leser Marcel vorgeschlagene Lösung orientiert sich allerdings nur an Renditezahlen. Sie entspricht einer Wette auf den US-Markt und einen kleinen deutschen Marktbereich (M-Dax). Damit wird vermutlich mehr als die Hälfte der Welt komplett ignoriert. Das sehe ich eher als Problem an. Die höhere Rendite des M-Dax wird der Anleger vermutlich mit einer höheren Volatilität “bezahlen” und ob der US-Markt tatsächlich weiterhin den Gesamtmarkt übertreffen wird, ist ebenfalls ungewiss. In meinen Augen bietet sich daher eher eine breite Streuung an – als Passivinvestor ist das zumindest das typische Vorgehen.

      Gerade am Anfang ist es tatsächlich viel, viel entscheidender, dass und wie viel gespart wird. Wer eine 2% höhere Rendite auf einem Gesamtvermögen von 10.000 Euro erzielt (also 200€) kann dies mit einer höheren Einzahlung am Jahresende kompensieren. Bei einem größeren Vermögen von z.B. 250.000 Euro ist man viel mehr von der Rendite abhängig. Da können 2% mehr oder weniger schon die Jahressparrate ausmachen.

      Also, Marcel: Fang an und spare. Wie genau du investierst ist nicht so wichtig – ich würde Dir eine breite Streuung ans Herz legen. Sammle Deine ersten Erfahrungen an der Börse und bleibe nach dem ersten bösen Crash dabei und verkaufe nicht. Dann wird das schon werden.

      Liebe Grüße
      Dummerchen

      Antwort

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