Mieten vs. Kaufen – Warum bei Elektrogeräten der Käufer gewinnt

Letzte Woche habe ich mich mit einem Bekannten unterhalten. Das Gespräch drehte sich um zwei Themen: (1) Wertpapiere und (2) das Mieten von Elektrogeräten.

Ich würde behaupten, dass ich von Börse, Aktien und Finanzprodukten mittlerweile ein bisschen was verstehe. Das hat nichts mit einer übermäßigen Intelligenz zu tun, sondern einfach mit der Tatsache, dass ich mich regelmäßig mit diesen Themen beschäftige. Mein Bekannter wusste nicht einmal, wie und wo man eine Aktie kauft.

Beim Thema Nummer zwei habe ich aber einiges dazugelernt. In einem Elektrofachmarkt war ich nämlich schon länger nicht mehr. Und so wurde mir zugetragen, dass Media-Markt und Co. derzeit ein neues Geschäftsmodell testen – das Vermieten von Elektrogeräten.

Hier nochmal die Kenntnisse meines Bekannten und von mir grafisch zusammengefasst

Soll ja keiner behaupten, es gäbe hier nix zu gucken…

Auf jeden Fall haben sich aus dem Gespräch für mich zwei Aufgaben ergeben. Heutzutage sagt man To Dos. Wobei Dos für mich immer noch dieses Fenster mit der weißen Schrift auf schwarzem Grund ist.
Naja, anderes Thema.

Meine “Zu Tuns”:
1. Ergänzung des Finanzblogrolls mit einem inhaltlichen Einstieg für Börsenanfänger.
2. Mich genauer über das Thema Mieten von Elektrogeräten informieren und selbst eine Meinung dazu bilden.

Punkt 1 ist hiermit vorerst erledigt. Es gibt haufenweise Seiten, welche die Grundlagen von Börse, Aktien etc. beschreiben. Da muss ich ja nicht nochmal alles neu erzählen. Falls du noch eine gute Seite kennst, kannst du sie mir gerne nennen.

Nun zu Punkt 2

Wie ich bereits erfahren hatte, testen derzeit einige Elektronikmärkte und Versandhäuser das Vermieten von Elektrogeräten. Im Zuge der “Sharing-Economy” ist das ja nicht ganz so abwegig. Bei Autos gibt es dieses Modell schon länger. Zielgruppe für diese Mietangebote seien vor allem junge Menschen, die flexibel bleiben wollen. Oder die immer das neuste Modell einer bestimmten Produktreihe besitzen möchten.

Ich habe mir die Angebote von Otto und Media Markt mal genauer angeschaut.

Mieten bei Otto.now

Der Name ist ziemlich genial. Hier bekommst du alles – nicht morgen oder übermorgen – now! Denn das Geld muss ja nicht sofort berappt werden. Das Gerät wird einfach gemietet. Ähnlich wie bei der Finanzierung, sieht das erstmal ziemlich günstig aus.

Quelle: Otto.now

Auf Otto.now kann man grundsätzlich aus drei Kategorien wählen: Technik, Haushalt und Sport. Weil Haushalt für mich am absurdesten klang, habe ich mal dort nachgeschaut.

Als Unterkategorien wurden mir Geschirrspüler, Kaffeevollautomaten, Kühl-Gefrier-Kombinationen, Topfreezer, Trockner und Waschmaschinen vorgeschlagen. Nachdem ich Topfreezer gegoogelt habe (Kühlschränke mit einem separaten Eisfach oben), habe ich mich für die Waschmaschinen entschieden. Untertitel: “Saubere Angebote”. Das wollen wir erstmal sehen…

Quelle: otto.now

Gewählt habe ich die MIELE Waschmaschine WKB130 WCS mit einzigartige Wäschepflege dank optimierter Trommelform, Watercontrol-System, Schaumregulierung und Optische Schnittstelle. Wofür letzteres benötigt wird? Keine Ahnung.

Quelle: otto.now

Der Mietpreis von 39,99 € pro Monat sinkt stufenweise – in Abhängigkeit von der Mietdauer . “Je länger du mietest, desto günstiger.” – praktisch geschenkt also 

Quelle: otto.now

Aber wie lange muss das Gerät mindestens gemietet werden? In den AGB steht dazu:
“Sie können im Rahmen des Bestellprozesses die Mindestvertragslaufzeit auswählen. Das Mietverhältnis beginnt mit Übergabe der Mietsache an Sie. Nach Ablauf der Mindestvertragslaufzeit verlängert sich das Mietverhältnis automatisch um jeweils einen Monat und kann von beiden Seiten mit einer Frist von zwei Wochen zum Ende der Mindestvertragslaufzeit oder des jeweiligen Verlängerungszeitraums gekündigt werden.” (Quelle: AGB Otto.now)

Bei unserer Waschmaschine beträgt die Mindestmietdauer 6 Monate.

Das gleiche Gerät kostet bei Amazon 979,00 € (Stand: 26.01.2017).

Anhand der Mietpreisstaffelung und des Kaufpreises, bekommen wir folgende Grafik, die jedes Controllerherz höher schlagen lässt.

Der Schnittpunkt/Break-Even liegt bei 28 Monaten.

Bevor wir zur Bewertung kommen, schauen wir erstmal bei Media Markt vorbei.

Mieten bei Media Markt

Media Markt arbeitet beim Modellversuch mit Grover zusammen. Grover ist eine Plattform, die schon seit längerem das Mieten von Elektronikgeräten anbietet.

Das erste was mir auf der Media Markt Seite ins Auge fällt, ist die Formulierung “ohne Mindestvertragslaufzeit”. Das klingt nicht schlecht.

Quelle: Media Markt

Weiter unten auf der Seite geht es direkt zu den Produkten. Hier gibt es Handys, Kameras, Kopfhörer, Fernseher und und und…

Ich entscheide mich für einen Fernseher – den Samsung UE65KU6079 mit Ultra Clear Panel, UHD Dimming, Contrast Enhancer und Auto Motion Plus. Aber ohne Schaumregulierung.

Quelle: Media Markt

Nachdem ich unten auf Mieten mit Grover geklickt habe, werden mir die ganzen Vorteile angezeigt. Auffällig sind folgende Vertragsbedingungen:

– Alle Produkte sind zu 50% versichert

– Jeder Vertrag endet maximal 3 Monate nach Erreichen der Unverbindlichen Preisempfehlung (es zählt der UVP zu Mietbeginn) zum Mietkauf

Zudem werden mir hier noch zwei Optionen angeboten. Bei Option 1 taucht auf einmal doch eine Mindestvertragslaufzeit auf. Dafür ist die erste Monatsrate etwas geringer. Bei Option zwei bleibt die Monatsrate von 119,90 € konstant über den gesamten Miet-Zeitraum. Ich entscheide mich für Variante zwei.

Quelle: Media Markt

Das gleiche Gerät kostet bei Amazon 1.199 € (Stand: 26.01.2017).

Jeder halbwegs begabte Mathematik-Schüler wird (mithilfe eines Taschenrechners) ausrechnen, dass der Break-Even hier genau bei 10 Monaten liegt.

Jetzt kommt der Clou

Die Unverbindliche Preisempfehlung des Gerätes liegt bei 2.099 €. Wir haben gelernt, dass das “faire” Abrechnungsmodell die UVP als Referenz heranzieht. Mietet also jemand dieses Gerät über den maximal möglichen Zeitraum, sieht die Grafik wie folgt aus.

 

Die Summe der Mietzahlungen erreicht im 18. Monat die Höhe der unverbindlichen Preisempfehlung. Danach werden noch drei Monatsraten fällig. Insgesamt würde der Mieter einen Betrag von 2.500 € zahlen. Nach weniger als zwei Jahren, hat er mehr als doppelt so viel Geld für das Gerät berappt, als wenn er es cash bezahlt hätte.

Zusammenfassung

Ob sich die Miete eines Elektrogerätes oder anderer Einrichtungsgegenstände lohnt, ist schwierig zu beantworten. Rechnerisch könnte man allerlei Varianten durchspielen. Vielmehr möchte ich aber meine (subjektiven) Gedanken zusammenfassen.

Was spricht für die Miete:

(1) Man kann ein Produkt erstmal und scheinbar unverbindlich testen.

(2) Man ist flexibel. Wenn zum Beispiel eine längere Abwesenheit ansteht, kann man alle Geräte vorher zurückgeben.

Was spricht gegen die Miete:

(1) Ich behaupte, dass die wenigsten Mieter wirklich frühzeitig ihren Mietvertrag kündigen. Steht die Waschmaschine im Keller, so wird sie ort auch erstmal stehen bleiben. Jeder, der schon mal so ein Ding mit einer Sackkarre die Kellerstufen runter gewuchtet hat, weiß was ich meine.

(2) Der Besitz von Geräten wie einem Fernseher, einer Kamera oder einer Waschmaschine ist in der Regel zeitlich nicht begrenzt. Das heißt, selbst wenn ich mein gemietetes Gerät nach kurzer Zeit wieder abgebe, möchte ich doch meistens ein anderes Gerät haben. Und rechnerisch zahlt man dann eben gleich viel Geld, als wenn man ein Gerät lange nutzt.>

(3) Ich behaupte, dass das Thema Flexibilität überschätzt wird. Auch wenn der Generation X immer wieder die Flexibilität ans Bein gebunden wird. Natürlich verlassen viele für ihr Studium oder ihren Beruf ihre Heimat und schlagen woanders ein neues Zuhause auf. Wir sind aber auch keine Nomaden.

(4) Das Thema Miete ist rentabel, wenn man bestimmte Dinge oder Geräte nur ab und zu benötigt. Car-Sharing macht daher Sinn. Den Fernseher an meiner Wand, kann aber niemand anderes benutzen.

(5) Ich hätte meine Bauchschmerzen bei der Rückgabe. Sind Kratzer oder sonstige Schäden am Gerät, würde ich gerne wissen, ob die Sachen wirklich zurückgenommen werden.

(6) Bei Otto läuft die Mietdauer endlos. Ein Kauf ist derzeit nicht vorgesehen.

(7) Media Markt nutzt den Trick mit der Unverbindlichen Preisempfehlung. Vor allem Technikgeräte, bekommt man aber in der Regel deutlich unter der UVP zu kaufen.

Fazit

Aus meiner Sicht sehen wir hier eine neue und wahrscheinlich sogar sehr erfolgreiche Marketingidee. Die Gesellschaft wird in ein bestimmtes Raster gesetzt (Flexibilität), nur damit sich das Rad des Konsums noch weiter und noch schneller dreht. Jeder kann alles haben, was er will – now!

Hast du schon einmal Elektrogeräte gemietet? Findest du noch gute Argumente für die Miete? 

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15 Gedanken zu „Mieten vs. Kaufen – Warum bei Elektrogeräten der Käufer gewinnt

  • Januar 26, 2017 um 2:24 pm
    Permalink

    Du hast nicht zufällig gestern Abend “markt” im WDR geschaut?
    Da hatten sie das selbe Thema und haben auch otto und grover vorgestellt.

    Antwort
    • Januar 26, 2017 um 2:29 pm
      Permalink

      Leider nein. Aber ich habe vor zwei Tagen auch einen Beitrag über msn gelesen. Mit Verlinkung zum Kölner Express glaube ich. Aber dann ich ja wirklich voll im Trend mit dem Thema 🙂

      Antwort
    • Januar 26, 2017 um 2:34 pm
      Permalink

      Wie ist denn das Fazit dort ausgefallen?

      Antwort
  • Januar 26, 2017 um 2:47 pm
    Permalink

    Ein allgemeines Grundfazit gab es nicht wirklich. Die haben aber eine ähnliche Berechnung angestellt wie du .. also wann / wie sich Kauf / Miete lohnt.

    Otto kam besser weg .. weil günstiger und keine Reparaturkostenbeteiligung anfällt.

    Also positives Mietbeispiel wurde glaube ich ein iPad gezeigt. Wenn man nicht sicher ist ob man sowas braucht oder nutzt kann man es halt mal drei Monate mieten.

    Da ich wiederkehrende Kosten meide wie der Teufel das Weihwasser ist mieten aber sowieso nichts für mich 😉

    Antwort
    • Januar 26, 2017 um 4:13 pm
      Permalink

      Ich habe es nicht so mit der Kirche 🙂 mag aber auch keine laufenden (Fix-)Kosten. Lieber einmal gezahlt und dann ist Ruhe.

      Antwort
    • Januar 27, 2017 um 6:56 am
      Permalink

      Das sehe ich eher als Tauschplatz. Du brauchtest deinen alten Rechner ja nicht mehr wirklich. Da macht so etwas auch Sinn
      Ist aber auf jeden Fall eine gute Sache.

      P.S. Ich bin immer noch (positiv) entsetzt über deine Sparrate 🙂 Super!

      Antwort
  • Januar 26, 2017 um 7:42 pm
    Permalink

    Moin Felix,

    klingt auf den ersten Blick wie eine Finanzierung – nur ohne jemals zum Besitzer des Produkts zu werden…
    Ich werde davon kein Gebrauch machen, dennoch glaube ich passt das Geschäftsmodell wunderbar in die Zeit. Wer will schon einen TV kaufen und den dann 6 Jahre lang behalten? In einem Jahr gibt es doch schon den Nachfolger. Mit 4D vermutlich! Alles schnell austauschen zu können passt also perfekt in die viel besungene “Wegwerfgesellschaft”.
    Mir wäre das einerseits zu viel Stress andererseits zu kostenintensiv. Mittlerweile gebe ich sogar lieber etwas mehr Geld aus, hab dafür was ordentliches, pflege es vernünftig und habe es dann für ne halbe Ewigkeit. Aber jeder wie er mag 🙂

    Beste Grüße
    Pascal

    Antwort
    • Januar 27, 2017 um 6:38 am
      Permalink

      Das mit dem “Stress” sehe ich auch so. Ich würde gerne mal sehen, wie so eine Rückgabe abläuft. Ich glaube, die meisten Mieter werden entweder zu träge sein, ihr Gerät irgendwann abzugeben oder sich vor einer möglichen negativen Reaktion scheuen (Gerät leicht beschädigt o.Ä.).
      Das Prinzip wird nur noch mehr Menschen in die Armutsfalle ziehen.

      Ist aber nur eine Vermutung von mir – time will show 🙂

      Antwort
  • Januar 27, 2017 um 6:31 am
    Permalink

    Otto now kannte ich z.B. noch gar nicht. Sehr interessante Perspektive, die du hier aufwirfst! Mieten kommt für mich nicht in Frage. Ich kaufe Produkte und nutze sie meist so lange, bis sie von alleine auseinanderfallen! 🙂

    Antwort
  • Januar 29, 2017 um 1:00 pm
    Permalink

    Faszinierendes Modell. Übernimmt man jetzt quas das Software-on-Demand-Konzept. “Internet of Things” mal anders?! 😉

    Ansonsten triffst du es mit einem Satz auf den Punkt: Es macht keinen Sinn Dinge zu mieten, die man sowieso dauerhaft nutzt. Im Endeffekt handelt es sich hier um klassisches Leasing neu verpackt. Bei Autos macht man das ja schon lange so…

    Der Einzige Vorteil ist, wenn man Liqudität sparen möchte. Wenn ich sofort 10 Geräte benötige, kann ich sie lieber alle jetzt mieten als mein ganzes Geld für eines auszugeben. Das funktioniert aber auch wieder nur, wenn man damit Umsatz generiert.

    Für Privatmenschen halte ich das Modell für vollkommen sinnlos. Dann lieber gleich ins Hotel ziehen und den ganzen Raum pauschal mieten 🙂

    Antwort
    • Januar 29, 2017 um 7:16 pm
      Permalink

      Das mit dem Hotel wäre ein Rechenbeispiel wert. Mehr darüber in einem der nächsten Beiträge 😉

      Antwort
  • Pingback: Vorteile von Leasing-Lösungen für Unternehmen | Bankenblatt Finanznachrichten

  • Mai 31, 2017 um 1:18 pm
    Permalink

    Hallo Felix,

    du schreibst “Rechnerisch könnte man allerlei Varianten durchspielen”. Kannst du das noch ein wenig präzisieren? An welche anderen Arten der Berechnung denkst du?

    LG Vincent

    Antwort
    • Mai 31, 2017 um 2:40 pm
      Permalink

      Hi Vincent,
      naja….die Zinsen fallen unterschiedliche aus. Manchmal sind Sondertilgungen möglich, manchmal nicht.
      Um Kunden zu locken, können Mietgeräte auch günstiger sein als Kaufgeräte.
      Wenn jemand aus bestimmten Gründen ein Gerät nur x Jahre benötigt, kann es Sinn machen, zu mieten statt zu kaufen.

      Die Varianten sind vielfältig 🙂

      LG
      Felix

      Antwort

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