Nachkaufen wenn die Börse fällt – Schlägt die Ex-Studentin den Finanzwesir?

Wie zu erwarten war, gab es auf meinen letzten Beitrag Buy-and-hold ist was für Idioten viele Reaktionen. Natürlich waren die Berechnungen vereinfacht und mit der einen oder anderen Annahme eingeschränkt. Dennoch gab es auch interessante Vorschläge, wie der Finanzwesir – oder gar Gott – doch geschlagen werden könnten.

Einen Vorschlag der von Ex-Studentin Jenny, sollten wir uns unbedingt näher anschauen.
In ihrem Kommentar schrieb sie:

Mich würde auch interessieren, wie jemand abschneidet, der sein Geld spart und auf einen Schlag investiert, wenn die Kurse kurzzeitig um 10% gefallen sind.

Ich selbst habe langweilige Sparpläne, weil ich keine Kurse bewachen will, aber es gab in den letzten 2 Jahren ein paar Zeitpunkte (Oktober 2014, September 2015, Februar 2016), wo ich “live” dabei war, als die Kurse fielen, aber meinen Sparplan deswegen nicht anpassen wollte.

Eine nachvollziehbare Idee, die mir allerdings Kopfschmerzen bis Schweißausbrüche bereitet hat.

Entwicklung einer KAUF-Strategie

Aus meiner Sicht, macht eine Renditeberechnung für den recht kurzen Zeitraum der letzten drei Jahre wenig Sinn. Daher sollten wir beim Vergleichs-Zeitraum Januar 1998 bis Dezember 2016 bleiben. Dann wird es allerdings schwierig mit der 10%-Regel. Bekanntlich ging es in den Jahren 2000 bis 2003 und von Mitte 2007 bis Anfang 2009 an den Börsen bergab. Hier hätten wir also recht häufig Gelegenheiten gehabt, um das angesparte Kapital für Nachkäufe einzusetzen. Damit würden wiederum die Transaktionskosten eine wichtige Rolle spielen.

Daher habe ich mich auf einen Kompromiss festgelegt. Keck wie ich bin, habe ich daher aus Jennys (Jennies?) 10% > 20% gemacht. Die Grundaussage bleibt. Nämlich, dass die monatliche Sparsumme auf einem Konto geparkt und bei scheinbar günstigen Einstiegszeitpunkten für den Kauf von Wertpapieranteilen genutzt werden sollte.

Allerdings bleibt eine wichtige Einschränkung erhalten: Wir betrachten nur die Kurse zum jeweiligen Monatsanfang. Das macht es scheinbar ungenauer. Dennoch sollte man sich immer vor Augen halten, dass wir eine Rückwärtsbetrachtung vornehmen. Und nachher ist man bekanntlich immer schlauer.

Nochmal zum Mitschreiben:

1. Die monatliche Sparsumme von 300€ wird auf einem Konto geparkt. Wir bezeichnen es hier mal als Verrechnungskonto, welches zudem nicht verzinst wird.
2. Wertpapieranteile des Dax werden gekauft, sobald der Kurs um ca. 20% zum letzten Hoch gefallen ist. Das letzte Hoch bezieht sich immer auf den Zeitraum nach dem letzten Kauf.
3. Es wird nie verkauft
4. Alle anderen Rahmenbedingungen (keine Transaktionskosten etc.) bleiben gleich

Günstige Zeitpunkte zum (Nach-)Kaufen

Mit ihrer Strategie, hätte Jenny möglicherweise zu folgenden acht Zeitpunkten Dax-Anteile (nach-)gekauft:

Analog zu den anderen Verkaufs-Strategien mit entsprechenden Hochpunkten, dürfen wir auch hier nicht annehmen, dass wir immer den absoluten Tiefpunkt zum Einstieg erwischt hätten.

Zur Erinnerung: Du bist nicht Gott!

Die Berechnungslogik sieht auszugsweise wie folgt aus

Kann die Strategie von Ex-Studentin Jenny den Finanzwesir schlagen?

Wie schneidet nun diese Vorgehensweise im Vergleich zu den ausgetüftelten Verkaufs-Strategien ab? In unserem Beispiel, erreicht Jenny ein Endvermögen von 120.262 €. Damit schneidet sie etwas schlechter als Schlaubi und der Finanzwesir ab. Die Rendite beträgt ca. 6,5 % p.a.

Das Ergebnis kann sich natürlich signifikant ändern, wenn man bessere beziehungsweise schlechtere Einstiegszeitpunkte wählt.

Zusammenfassung

Im Großen und Ganzen macht es scheinbar wenig aus, ob man sich gezielt günstige Einstiegs- oder Ausstiegs-Zeitpunkte sucht. Wer mit einer solchen Strategie seine Nerven beruhigen kann, sollte es ruhig so durchziehen. Allerdings sollte man dann auch die Börsenkurse im Blick behalten. Dafür reicht aber ein Strategie-Check pro Monat aus.

Die gute Nachricht ist und bleibt: Wer sich nicht mit der Entwicklung der Märkte auseinandersetzen möchte, kann einfach stur Monat für Monat seinen Sparplan laufen lassen.

Aber gibt es nicht doch eine Strategie, mit welcher ich den Markt schlagen kann?

In meinem nächsten Beitrag stelle ich dir eine Möglichkeit vor, mit der du todsicher den Markt schlagen kannst. Ohne Aufwand, ohne Risiko.

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Ist natürlich Quatsch, aber die Strategie stelle ich dir trotzdem vor. 

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8 Gedanken zu „Nachkaufen wenn die Börse fällt – Schlägt die Ex-Studentin den Finanzwesir?

  • April 7, 2017 um 2:24 pm
    Permalink

    Wenn du mir monatlich 5€ zahlst, verrate ich dir zusätzlich noch, wie ich ohne jegliche Extra-Arbeit jeden Monat 5€ dazuverdiene…

    Antwort
  • April 7, 2017 um 5:12 pm
    Permalink

    Du sagst es: Im Endeffekt kommt es darauf an, dass man seine Nerven beruhigt. Ich glaube an der Börse gibt es ohnehin kein richtig oder falsch. Jeder sollte nur das tun, was einem ruhig schlafen lässt. Dies ist denke ich das wichtigste am investieren.

    mfG Chri

    Antwort
  • April 7, 2017 um 7:54 pm
    Permalink

    hier hatten wir die Diskussion schon mal mit dem Nachkaufen und/oder Sparplan.
    Irgendso ein Dussel hat sich diebisch ueber einen “Schnaeppchen Deal” gefreut …
    https://www.finanzwesir.com/blog/wochenueberblick-kw25-2016
    Aber dies hat wenig mit langfristiger Vermoegensbildung zu tun … Weil: je groesser das Depot waechst ueber die Jahre, je weniger macht ein Schnaeppchen aus: Wenn ich 50k im Depot habe und dann mit 10k Cash ein 10% Schnaeppchen machen wuerde (also 1k guenstiger in den Markt kommen als mit Sparplan), waere es auf das Depot gerechnet immerhin 1,67% (1k gespart bezogen auf Depot von dann ~60k; den 10% Einbruch auf die 50k? vernachlaessigen wir hier mal)
    Bei 100k oder 200k Depots wird’s dann nur noch der Tropfen auf den heissen Stein…

    Deshalb suchen vor allem kleine Fische nach der Abkuerzung … (Dummerchen war vielleicht schon damals ein fetter Karpfen? und hat mir heim geleuchtet 🙂

    Antwort
  • April 7, 2017 um 9:36 pm
    Permalink

    @Joerg: Wer Dummerchen mal gesehen hat, weiß, das er – zumindest optisch – eher ein toller Hecht ist 😉

    Gruß
    Finanzwesir

    Antwort
    • April 8, 2017 um 7:14 am
      Permalink

      Jetzt wollen wir natürlich Beweise…

      Antwort
  • April 8, 2017 um 7:01 am
    Permalink

    Danke für dieses Gedankenspiel! Problem bei dieser Exstudentin ist, dass sie in aufstrebenden Phasen nicht nachkauft und dadurch viel verpasst. Auf kurze Zeiträume gesehen, macht es einen Unterschied ob man in der Krise mit dem Sparplan anfängt oder beim Alltime-High. Als ich vor 1,5 Jahren mit den Investieren anfing, hatten einige Angst vor einem bevorstehenden Crash. Mittlerweile glaube ich da nicht mehr dran. Ein Verlust des Jobs bzw. das Einknicken der Automobilindustrie könnte mal für Panik sorgen. Aber so lange man nicht in finanziellen Nöten ist, bekommt man von einem Börseneinbruch nicht unbedingt was mit (Ich schaue nicht jeden Tag ins Depot) bzw. man verfällt auch nicht in Panik.

    Antwort
    • April 8, 2017 um 7:13 am
      Permalink

      Aber woher sollte sie wissen, dass es weiter aufwärts geht? Mein Fazit der Gedankenspiele: Am besten man ist durchgehend mit möglichst viel Kapital im Markt. Aber vielleicht gibt es ja auch wirklich erfolgreichere Strategien?!…

      Antwort
  • April 9, 2018 um 7:01 pm
    Permalink

    Ich mag solche Gedankenspiele!

    In den vielen Börsen- und Fachmagazinen gibt es normalerweise nur Backtests zu Strategien, die in der Vergangenheit “super erfolgreich” gelaufen wären. Aber eben nur als Backtest.

    Die Kernaussage ist dann: “Abonniere unseren teuren Report und handle so häufig wie es geht.”

    Antwort

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