Rebalancing – bring dein Portfolio wieder ins Gleichgewicht

“Das Rebalancing ist eine Form von Körpertherapie, die in den 1970er-Jahren hauptsächlich im Ashram von Osho (Bhagwan Shree Rajneesh) in Pune aus Elementen anderer Körpertherapiemethoden, Meditationstechniken und Achtsamkeitsübungen zusammengestellt wurde. Die Methode soll zu einem neuen „Körper-Bewusstsein“ verhelfen. Eine evidenzbasierte medizinische Wirkung dieser Therapieform ist nicht belegt” (Quelle).

Ups – falsche Kategorie.

An dieser Stelle soll es natürlich um das finanztheoretische Rebalancing gehen. Der Begriff Rebalancing entstammt der modernen Portfoliotheorie von Wirtschaftsnobelpreisträger Harry Max Markowitz. Er beschreibt die Umschichtung von Geldanlagen. Ziel ist die Wiederherstellung der gewünschten Ziel-Asset-Allocation (Quelle).

Häh?

Die Ziel-Asset-Allocation ist die Aufteilung (Diversifikation) eines angelegten Vermögens auf verschiedene Anlageklassen.

Ahh!

Kunigunde fängt einfach an

Als Beispiel soll heute die liebe Kunigunde herhalten. Kunigunde hat vor drei Jahren begonnen, an der Börse zu investieren. Die Betonung liegt auf Investieren. Nicht spekulieren.

Kunigunde hat sich vorher natürlich in den besten Finanzblogs über die Grundlagen des Investierens und über die verschiedenen Anlageklassen informiert.

Und im Gegensatz zu einigen Altersgenossen, hat Kunigunde nach den Schritten (1) Lesen und (2) Verstehen auch Schritt (3) Tun umgesetzt.

Kunigunde wollte langfristig anlegen und entschied sich für einen Mix aus vier Aktien-/Indexfonds. Die Zusammensetzung hatte sie aus dem epochalen Beitrag  Der Vermögensaufbau beginnt mit einem ETF-Depot des Finanzwesirs. Kunigunde legte für diese Indizes jeweils einen Sparplan in folgender Aufteilung an:

 

Soll_Allokation

 

Kunigunde verdient als selbstständige Glückskeksautorin gutes Geld.

Außerdem ist sie recht sparsam, denn sie weiß…

glueckskeks1

Daher hat sie in den letzten 36 Monaten jeweils 500 Euro in besagte Sparpläne eingezahlt. Die monatlichen Sparraten verteilen sich gemäß der gewünschten Allokation wie folgt:

  • 150 € MSCI Europe (WKN: A0RPWG)
  • 150 € MSCI North America (WKN: A0J201)
  • 50 € MSCI Pacific (WKN: ETF114)
  • 150 € MSCI Emerging Markets (WKN: A0RPWJ)
Kunigunde und der Hundefrisör

Kunigunde hatte in den letzten drei Jahren viel um die Ohren und ist viel gereist. Sie hat wenig Gedanken an ihr Depot verschwendet.

glueckskeks2

In dieser Zeit, haben sich  ihre ETFs insgesamt gut entwickelt. Nur die Schwellenländer haben keine guten Zeiten hinter sich.

  • 150 € MSCI Europe/A0RPWG: 5,84 % p.a.
  • 150 € MSCI North America/A0J201: 9,34% p.a.
  • 50 € MSCI Pacific/ETF114: 6,82% p.a.
  • 150 € MSCI Emerging Markets/A0RPWJ: -1,03% p.a.

Nun aber hat Kunigunde beim Hundefrisör etwas vom „Mean Reversion“ Phänomen gelesen. Die Theorie der Mean Reversion (Mittelwertrückkehr) besagt, dass Aktienkurse früher oder später zum Durchschnitts- oder Mittelwert zurückkehren. Erleben bestimmte Märkte also über Jahre eine überdurchschnittlich gute Entwicklung, so ist es auch wahrscheinlich, dass eine Phase mit einer unterdurchschnittlichen Entwicklung folgt. Die Kurse kommen somit auf ihren “fairen Wert” zurück (Quelle).

Hier könne das regelmäßige Rebalancing des Portfolios helfen. Starke Positionen werden verkauft, schwache Positionen werden aufgestockt. Dadurch kann die Rendite erhöht werden – sagt Jürgen Nawatzki. Und der hat immerhin einen Doktortitel.

Kunigunde möchte sich einen Überblick verschaffen und sieht folgenden Depotbestand.

IST_Allokation

 

Macht in Summe 15.781 €. Nicht schlecht.

Kunigunde und die Volkshochschule

Aber Kunigunde denkt immer noch an dieses „Mean Reversion“ Phänomen. Hat der Finanzwesir nicht auch mal was über dieses Rehbalangsing geschrieben? Kunigunde sucht und findet den nicht weniger epochalen Artikel Taktisches Rebalancing nach Art des Hauses.

Kunigunde stellt fest, dass der Finanzwesir mit einer klugen Ingenieurin verheiratet ist (Schade…). Außerdem hat er sich aufgrund der Transaktionsgebühren und eben dieser ach so intelligenten Dame für die “schlamperte” Lösung entschieden. Hier kommt sie also nicht unbedingt weiter.

glueckskeks3

Nochmal bei wikipedia nachgeschaut: “Beim Rebalancing […] findet also kein Buy-and-hold statt.”

Waaaaas?

Stimmt…schwache Positionen sollen ja verkauft werden.

Ohne mich, denkt Kunigunde. Sie weiß zwar, dass Buy-and-hold nicht bedeutet, dass man jeden Mist kaufen und behalten muss. Aber sie weiß auch, dass das eher für Aktien gilt. Sie möchte mit ihrer einfachen und langfristig angelegten Strategie ganz einfach und langweilig am allgemeinen Wirtschaftswachstum profitieren.

Dafür braucht sie an der Strategie nichts verändern.

Und schon gar nix verkaufen. Das kostet nur Gebühren.

Kunigunde stellt sich also folgende Frage:

Welche Anteile muss ich um welchen Betrag aufstocken, damit ich wieder meine gewünschte Allokation erhalte?

Zum Glück hat Kunigunde an der örtlichen Volkshochschule einen Abendkurs in Excel belegt. Sie startet ihren Laptop und rechnet bis tief in die Nacht herum.

Gar nicht so einfach…

Aber die Kursgebühren waren gut angelegt. Kunigunde erhält folgendes Ergebnis.

Berechnung_Allokation

Etwas vereinfacht und gerundet, fasst Kunigunde folgende Entschlüsse:

  • In den MSCI Europe werden zusätzlich 300 € investiert
  • Der MSCI North America und der MSCI Pacific bleiben wie sie sind
  • In den MSCI Emerging Markets werden zusätzlich  4.400 € investiert

Das Geschäft als Glückskeksautorin läuft wunderbar. Der Sylvesterbetrieb hat viele Einnahmen gebracht. Zusätzlich arbeitet Kunigunde seit einigen Monaten am Wochenende für einen Brennholzverleih.

Somit kann Kunigunde die insgesamt benötigten 4.700 € locker aufbringen.

glueckskeks4

Da ihre Sparpläne kostengünstige Einmalzahlungen erlauben, fallen keine hohen Gebühren an.

Das Depot von Kunigunde sieht nun wie folgt aus.

Neue_Allokation

Die Berechnungshilfe von Kunigunde kannst du dir hier herunterladen: Portfolio Rebalancing

glueckskeks5

Fazit

So – jetzt habe ich Hunger auf Glückskekse.

Vorher aber nochmal in Kürze zusammengefasst:

  • Durch Rebalancing wird die ursprüngliche gewünschte Aufteilung von Anlageklassen bzw. Einzeltiteln wiederhergestellt
  • Rebalancing macht einmal im Jahr Sinn
  • Es kommt nicht auf Nachkommastellen an
  • Der Name Kunigunde kommt 25 Mal in diesem Artikel vor
  • Der Begriff Rebalancing nur 18 Mal
  • Der Finanzwesir hat wirklich eine clevere Frau
  • Im Gegensatz zum körpertherapeutischen Rebalancing, ist die Wirkung des finanztheoretischen Rebalancings wissenschaftlich belegt

Wenn du jetzt Lust auf Rebalancing hast, kann ich dir folgende Werke empfehlen*

       

Je nach persönlichem Bedarf…

Danke, dass du bis zum Ende durchgehalten hast. Im Artikel befindet sich übrigens ein Fehler. Wer ihn entdeckt ist der…äh…Pfiffikus der Woche!

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10 Gedanken zu „Rebalancing – bring dein Portfolio wieder ins Gleichgewicht

  • Oktober 11, 2016 um 12:38 pm
    Permalink

    Hi Felix,

    kurzweilig geschrieben – gefällt mir.

    Das Rebalancing eines aus (wenigen) Fonds bestehenden Portfolios ist allerdings einfacher, als die eines Aktiendepots. Denn hier muss man i.d.R. auch Aktien verkaufen, um zu der Wunschgewichtung zurück zu kehren, da kaum genügend Liquidität vorhanden sein wird, die Underperformer so weit aufzustocken, um die ursprüngliche Allokation wieder herzustellen. Und welche Aktien werden das sein? Natürlich die, die “zu stark” im Depot vertreten sind. Man verkauft dann also seine Erfolgswerte, um die Krücken nachzukaufen.

    Ich denke deshalb, dass “Die Theorie der Mean Reversion (Mittelwertrückkehr)” bei Einzeltiteln – im Gegensatz zu Märkten, welche z.B. über Fonds abgebildet werden – keine, bzw. nur eine sehr eingeschränkte, Gültigkeit hat.

    Gruß!

    Torsten

    Antwort
    • Oktober 11, 2016 um 5:51 pm
      Permalink

      Hallo Torsten,
      so sehe ich das auch. Rebalancing ist eher was, um die Asset-Allokation (Anleihen, Aktien-ETFs, Rohstoffe etc.) oder die Allokation innerhalb einer Anlageklasse wiederherzustellen. Bei Einzeltiteln macht (je nach Depotgröße) vielleicht eine Gruppierung der Einzeltitel Sinn. Davon ausgehend, kann es sinnvoll sein, Aktien bestimmter Branchen nachzukaufen bzw. Gewinne mitzunehmen.

      Beste Grüße
      Felix

      Antwort
  • Oktober 11, 2016 um 2:36 pm
    Permalink

    Hallo Felix,

    toller Artikel und sehr anschauliche Erklärung des Rebalancings. Auch die humoristischen Ausflüge gefallen mir sehr gut!
    Meine einzige Anmerkung bezüglich Rebalancing: Wenn dies jährlich geschieht, kommen auch nie so große Beträge zusammen, wie in deinem Beispiel und können somit leichter gestemmt werden!

    Liebe Grüße
    Florian

    Antwort
    • Oktober 11, 2016 um 5:46 pm
      Permalink

      Hi Florian,
      wie am Ende des Artikels ausgeführt, halte ich ebenfalls ein jährliches Rebalancing für sinnvoll.
      Oft genug, um das Depot entsprechend der Marktentwicklungen anzupassen. Selten genug, um die Transaktionskosten im Rahmen zu halten.

      Beste Grüße
      Felix

      Antwort
  • Oktober 11, 2016 um 8:19 pm
    Permalink

    Hi Felix,

    das Bild von Kunigunde, der Glückskeksautorin macht mich fertig. Sehr schön und amüsant geschrieben!

    Ach ja, und ganz nebenbei noch das Rebalancing anschaulich erklärt.

    Beste Grüße
    Pascal

    Antwort
  • Oktober 12, 2016 um 7:27 am
    Permalink

    Hallo,
    auch von mir Danke und ein dickes Lob für diesen Artikel.

    Mein Rebalancing mache ich ohne Verkäufe. Meine ETF-Sparpläne kann ich im Betrag erhöhen oder senken oder auch mal ein paar Monate aussetzen. Und diese Möglichkeiten mache ich mir zunutze.

    Viele Grüße
    Julia

    Antwort
    • Oktober 12, 2016 um 8:32 am
      Permalink

      Hallo Julia,
      das ist eine Alternative, über die ich noch gar nicht nachgedacht habe.
      Klasse Idee! Danke für deinen Kommentar!

      Beste Grüße
      Felix

      Antwort
  • Oktober 12, 2016 um 7:50 am
    Permalink

    Hi Felix,

    dein Artikel ist eine sehr nette und anschaulich verpackte Erklärung des Rebalancing.
    Wirklich gut geschrieben, weiter so!

    Grüße ETF-Wahl

    Antwort
  • Dezember 29, 2016 um 2:54 pm
    Permalink

    Hat denn keiner den Fehler gefunden?

    Schwache Positionen sollen natürlich nachgekauft werden und nicht VERKAUFT!

    Liebe Grüße Eva

    Antwort
    • Dezember 29, 2016 um 4:35 pm
      Permalink

      Hallo Eva,
      leider habe ich deinen Kommentar nicht verstanden.
      Was meinst du? Und wo liegt der vermeintliche Fehler?

      Liebe Grüße
      Felix

      Antwort

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