Trump der Horrorclown und Investmentpornografie

Beim EU-Referendum am 23. Juni 2016 haben britische Rentner ausschlaggebend für den EU-Austritt abgestimmt. Damit hinterlassen sie allen jungen Briten wirtschaftliche, soziale und politische Herausforderungen für einige Jahrzehnte. Ob und wann der Austritt wirklich kommt, steht zwar noch in den Sternen. Die Frage aber bleibt, warum vor allem alte Menschen so EU-kritisch sind und über kommenden Generationen entscheiden können.

2016-11-10 08_11_51-Wahlergebnisse_ So haben die Briten abgestimmt _ ZEIT ONLINE
Quelle: Zeit.de

Am 09.11.2016 haben amerikanische Rentner die Wahl des US-Präsidenten zugunsten von Donald Trump entschieden. Sie wählten einen Präsidenten, der im Wahlkampf vor allem durch rassistische, frauenfeindliche und ausländerfeindliche Äußerungen auf sich aufmerksam gemacht hat. Einen Mann, für den Arbeitsplätze vor Umweltschutz stehen und der vor allem Superreiche steuerlich entlasten möchte. Zumindest in der “Verteidigungs”-Politik schlägt Trump vorsichtige Töne an und will sogar UN-Mandate ernst nehmen. Hört, hört! Aber hier werden die hohen US-Militärs schon Argumente finden, um die Daseinsberechtigung ihrerseits und die immensen Militärbudgets andererseits zu rechtfertigen.

2016-11-10 08_16_26-US-Wähler_ Der Aufstand gegen Trump ist ausgefallen _ ZEIT ONLINE
Quelle: Zeit.de

Und was für Auswirkungen hat die Wahl von Mr. Trump auf die Wirtschaft und die Finanzmärkte? Vor der Wahl mussten wir uns täglich Horrorszenarien anhören. Enorme Crashs an den Börsen wurden vorhergesagt. Investmentpornografie vom Feinsten, die sich noch am Morgen des 09.11.2016 fortsetzte.

euronews vom 02.11.2016 – Börsen zittern vor Trump
“Schreckgespenst Trump an die Börsen”

Böhms Dax Strategie vom 03.11.2016 – Bei einem Wahlsieg von Donald Trump droht Chaos an den Märkten
“Bei einem Trump-Wahlsieg käme es zu einem Kursrutsch am Aktienmarkt”

Manager Magazin vom 04.11.2016 – Warum Trump für Anleger schlimmer als ein Brexit ist
“Die Investmentbank Barclays rechnet […] mit einem Absturz des US-Leitindex S&P 500 zwischen 11 und 14 Prozent.”

Onvista vom 04.11.2016 – Aktien Europa Schluss: Börsen zittern vor Trump
“Während im Fall eines Sieges von Clinton mit einer “Erleichterungsrally” gerechnet wird, wird ein Sieg von Trump als möglicher Schock für die Finanzmärkte gesehen.”

Business Insider vom 09.11.2016 – An den Aktienmärkten steht ein Crash bevor
“Marktbeobachter: ‘Horrorszenario eingetreten'”

Tatsächlich kam es ja auch zu einem vorbörslichen Abrutscher, der allerdings schon im Laufe des 09.11. wettgemacht werden konnte. Investoren, die an Trumps Versprechungen zu staatlichen Investitionen, Steuersenkungen für Unternehmen und Liberalisierungen der Märkte glauben, gewannen zunehmend die Oberhand.

Für den Dax steht in dieser “Horrorwoche” bisher ein Plus von 2%.

2016-11-10 09_57_24-DAX aktuell _ Index _ Stand _ Kurs _ (846900,DE0008469008) _ finanzen.net
Quelle: finanzen.net (Stand: 10.11.2016 10:00 Uhr)

Und die Moral von der Geschicht’?

  1. Ignoriere Investmentpornografie. Macht dich nicht verrückt. Investiere langfristig, verkaufe nie.
  2. Die Experten glauben zu glauben, was andere glauben. Die haben auch keine Ahnung.
  3. Wählen ab 16 Jahren? Klar. Aber bitte nur bis zum Alter von 65 
Und was gab’s sonst so?…

An Tagen wie gestern, schaue ich immer auch genauer auf die “sonstigen Nachrichten”. Aufgrund des allüberlagernden Themas, rücken andere Meldungen in den Hintergrund. Und häufig sind darunter interessante Parlamentsbeschlüsse oder richtungsweisende, politische Entscheidungen.

Gestern hat Sigmar Gabriel (SPD) seine Chance genutzt. Alles redet über Trump. Was macht Herr Gabriel? Praktisch über Nacht wischt er den Klimaschutzplan der Bundesregierung vom Tisch. Derzeit findet die Klimakonferenz in Marrakesch statt. Hier sollen die Vereinbarungen des Klimaschutz-Abkommen von Paris konkretisiert werden. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks wollte mit dem Klimaschutzplan aufzeigen, wie Deutschland bis 2050 den Netto-Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen Richtung Null bringen und so die Klimaziele von Paris erreichen kann. Dabei sollten alle Sektoren wie Verkehr, Landwirtschaft oder Energiewirtschaft bestimmte CO2-Einsparziele erreichen. Konkrete Zahlen waren bereits vereinbart.

Nun ist die Ministerin leider nicht für ihre Durchsetzungsstärke bekannt. Und weil Alexander Dobrindt (Verkehrsminister), Christian Schmidt (Landwirtschaft) und nicht zuletzt Sigmar Gabriel nicht mehr sind, als Marionetten von Lobbyisten, kam es wie es kommen musste. Die Unruhen vom 09.11.2016 wurden genutzt, um – möglichst unbemerkt – längst überfällige Maßnahmen in die Tonne zu treten.

Warum regen wir uns in Deutschland über Trump auf? Wir haben doch unsere eigene Politik nicht im Griff.
Und in Sachen Klimaschutz machen wir uns gegenüber anderen Ländern lächerlich.

Zumindest die oben genannten Herren haben bald einen sicheren und trockenen Arbeitsplatz in den Aufsichtsräten von VW, RWE & Co. Sie hätten natürlich auch ihren Beitrag zur Klimarettung beitragen können. Dafür gibt’s halt keine Kohle…

Am Ende wird alles gut.
Und wenn es nicht gut ist, ist es noch nicht das Ende.

Möchtest du ab sofort über neue Beiträge informiert werden?
Dann melde dich jetzt für meinen Newsletter an.

Teilen macht Freu(n)de... Share on Facebook0Tweet about this on TwitterShare on Google+0Pin on Pinterest1Email this to someone

6 Gedanken zu „Trump der Horrorclown und Investmentpornografie

  • November 10, 2016 um 10:49 am
    Permalink

    Der Vollständigkeit halber sollte man erwähnen, dass den meisten jungen Leuten der Verbleib oder nicht Verbleib in der EU einfach egal war. Unter den 18-24 jährigen hat ja gerade mal ein Drittel an der Abstimmung teilgenommen. In der Altersgruppe darüber waren ebenfalls nur 50% für den Verbleib. Mir fehlt also die Grundlage, dass es in irgendeinem Teil der demographischen Verteilung einen übermäßig hohen Teil mit abweichender Meinung gab. England hat eine abweichende Meinung zu vielen Themen und kann sich in der EU nicht verwirklichen. Ein Status wie die Schweiz oder Norwegen wäre Top! Präferiere ich auch für Deutschland, wenn man das inzwischen schon sagen darf

    Was die Handlungsempfehlung angeht unterstreiche ich jedoch alles 🙂
    Vom investieren sollte einen das alles nicht abhalten!

    Antwort
    • November 10, 2016 um 11:54 am
      Permalink

      Berechtigter Einwand. Wahlbeteiligung EU-Referendum nach Altersgruppen: https://www.welt.de/politik/ausland/article156576085/Unfassbar-niedrige-Wahlbeteiligung-junger-Briten.html
      Die jungen Menschen wählen zwar richtig, gehen aber nicht wählen.
      Die alten Menschen gehen zwar wählen, wählen aber falsch.
      Falsch und Richtig liegt natürlich im Auge des Betrachters 🙂

      Im Falle des EU-Referendums wurde aus meiner Sicht der Fehler gemacht, dass eine einfache Mehrheit für den Ausstieg als ausreichend definiert wurde. Man hätte von vornherein eine 2/3 Mehrheit oder eine qualifizierte Mehrheit (mind. 50% aller Stimmberechtigten) voraussetzten müssen. Ein EU-Austritt ist ja nicht mal eben gemacht oder zurückgedreht…
      Bei der US-Wahl von einer qualifizierten Mehrheit zu sprechen, fällt mir hingegen schwer 😉

      Antwort
      • November 10, 2016 um 2:19 pm
        Permalink

        Was die Wahlbeteiligung in Amerika angeht sind die Statistiken ganz interessant:
        http://www.pewresearch.org/fact-tank/2016/11/09/behind-trumps-victory-divisions-by-race-gender-education/
        Trump konnte mehr Menschen zwischen 18 und 25 zu den Republikanern holen und junge Menschen haben sich von den Demokraten eher abgewandt. Gleichzeitig hat Trump bei Frauen nur marginal schlechter abgeschnitten als seine Vorgänger.
        Besonders interessant: Die Schwarze Bevölkerung ist, wenn auch marginal eher zu den Republikanern abgewandert, die Hispanics haben es ihnen gleich getan.
        Ich verstehe die Hysterie Trump gegenüber nicht. Sicher er ist ein Egomane, aber was ist mit Clinton? Eine eiskalte, korrupte Machtpolitikerin und Lügnerin. https://www.youtube.com/watch?v=FmIRYvJQeHM
        Sie hat jeden Kriegseinsatz in den Jahren ihrer politischen Tätigkeit bejaht, selbst im Amt Millionen Dollar für ihre Foundation (ab 2012 zumindest nicht mehr offiziell im Vorsitz) angenommen, davon auch eine Millionen vom deutschen Staatsunternehmen GIZ. Sie hat unter Eid vor Gericht gelogen etc.
        Meine Meinung: Trump hat gewonnen, weil die Alternative zu schlecht war. Jeder halbwegs sympathische und moderate Demokrat hätte eine bessere Figur gemacht. Sanders wäre noch schlimmer gewesen, aber auch hier war wieder ein schöner Clinton Skandal, weil sie vor der Debatte mit Sanders die Fragen erhalten hat usw.
        Wer die wirklichen Verlierer dieser Wahl sind? Die Medien, dazu habe ich einen interessanten Kommentar gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=m2so_Qj-vyo

        Antwort
  • November 10, 2016 um 7:54 pm
    Permalink

    Hey Felix,

    war eine spannende Wahl und noch spannender ein Blick in mein Depot zu werfen…
    Werd’ jetzt mal in amerikanische Bauunternehmen investieren *hust* 😉

    LG
    Johannes

    Antwort
  • November 10, 2016 um 9:51 pm
    Permalink

    Wer über die Amis lästert, hat die AfD-Ergebnisse in Deutschland vergessen. Frustrierte Wähler entscheiden oft auch Protest. Ich fand beide Kandidaten mies. An sich war ich gegen Trump, aber ob Clinton wirklich besser wäre? Sie und Ihr Mann sind nicht vertrauenserweckend. Also lass ich mich mal überraschen, bisher ist noch nichts passiert.

    Antwort
    • November 11, 2016 um 6:22 am
      Permalink

      Puh, eigentlich geht es mir gar nicht darum, ob Trump besser ist oder nicht 🙂 Es macht mir nur Sorgen, wie abgestumpft eine Gesellschaft ist, die sich von den Äußerungen dieses Mannes nicht abschreckend lässt. Aber das ist wohl die Entwicklung der Zeit und der Verdienst der Medien. Gestern auf Bild.de: “FRAU TRINKT SAMEN-SMOOTHIE GEGEN GRIPPE – Ist Sperma wirklich gesund?” Entsprechendes Bild dabei. Ich verzichte auf den Link – bitte selbst googeln 🙂 Ich bin nun nicht wirklich prüde, aber dieses Frauenbild gefällt bestimmt auch Mr. Trump.
      Was ich mit dem kurzen Artikel sagen wollte:
      1. Haben die jungen Wähler einen besseren Blick, wer oder was in den nächsten Jahrzehnten für ihr Land sozialer ist?
      2. Lies keine Börsenbriefe, höre auf keine Experten.
      3. Wir sollten uns mal mehr mit uns selbst beschäftigen. Wir haben genug eigene Baustellen.
      Und ich befürchte, dass die Deutschen auch Trump gewählt hätten…

      Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.