Vergesst mir nicht die Aktien aus Japan!

Meine Anlagestrategie besteht zu 90% aus dem Kauf von Einzelaktien. Dafür habe ich grundsätzlich zwei Gründe: Zum einen möchte ich die zunehmende Macht der ETF-Anbieter nicht unterstützen. Zum anderen möchte ich mich direkt (und nicht über Dritte) an Unternehmen beteiligen.

Hinzu kommt auf lange Sicht ein kleiner Kostenvorteil, da es bei Einzelaktien keine laufenden Gebühren gibt.

Aber um meine Vorliebe zu Einzelaktien soll es in diesem Artikel gar nicht gehen.

Auf die Strategie kommt es an! Oder?

In den letzten Monaten habe ich viel an meiner Einzelaktien-Strategie gebastelt. Nicht weil ich glaube, dass es DIE optimale Strategie braucht, um langfristig erfolgreich zu sein. Aber ich bin davon überzeugt, dass es entscheidend ist, überhaupt eine eigene Strategie zu definieren und diese auch konsequent umzusetzen.

Ansonsten werden alle möglichen Aktientipps von hier und dort aufgeschnappt und umgesetzt. Von vermeintlich unterbewerteten und kurzzeitig vom Markt abgestraften Aktien – bis hin zu den angeblichen Rennern in der Zukunft.

Aber auch um meine eigene Strategie zur Aktienauswahl soll es an dieser Stelle nicht gehen.

Sondern um eine Beobachtung, die ich bei der Aktienauswahl gemacht habe.

Japan häufig im Schatten der Großen

Ich verfolge natürlich einige Blogs – auch solche mit Aktientipps und öffentlichen Depots. Zudem bin ich in zwei Aktien-Gruppen auf Facebook aktiv. Das Niveau dort ist größtenteils sehr ordentlich und der Umgang untereinander fair. Wer gerne in Einzelaktien investiert, dem kann ich die Facebook-Gruppe Börsentalk sehr empfehlen. Von den mittlerweile 8.500 Mitgliedern lesen die meisten eher passiv mit. Viele diskutieren aber auch inhaltlich intensiv über langfristiges Investieren, Einzelaktien oder situatives Trading.

Im Fokus sind meist US-amerikanische, deutsche oder – dank bestimmter Gruppen-Administratoren schweizerische Aktien

Worüber aber fast nie geschrieben und diskutiert wird sind Aktien japanischer Unternehmen.

Die Frage nach dem “Warum” kann ich gar nicht beantworten. Vielleicht werden diese Aktien in den einschlägigen Web-Portalen und Fachzeitschriften weniger erwähnt und daher von vielen Anlegern nicht beachtet.

Zugegeben…von seinem Absturz im Jahr 1990 hat sich der japanische Aktienindex NIKKEI 225 nie erholt. Noch heute notiert er bei knapp der Hälfte der damaligen knapp 40.000 Punkte. Zudem kämpfte die japanische Wirtschaft auch in den letzten Jahren immer wieder mit Rezessionen.

Dennoch gibt es aus meiner Sicht einige spannende und aussichtsreiche Unternehmen.

Fünf davon möchte ich dir gerne kurz vorstellen.

Nidec Corp

Die Nihon Densan K.K. (engl. Nidec Corporation) ist ein Hersteller von Elektromotoren mit Hauptsitz in Kyōto. Zur Produktpalette gehören elektronische und optische Komponenten, Industrieroboter, Messgeräte, Bearbeitungsmaschinen und Wasserpumpen. Die Produkte werden in elektronischen  Geräten oder Autos verbaut.

Zum Unternehmen gehören heute 46 Firmen in Asien, Europa und Amerika. Auch in Deutschland ist Nidec präsent. Zu den Beteiligungen zählen die Unternehmen Nidec ASI GmbH in Essen, Nidec Copal GmbH, Nidec Electronics GmbH und Nidec Motors & Actuators (Germany) GmbH in Bietigheim-Bissingen, Nidec Copal Electronics GmbH in Eschborn, Nidec Sankyo Europe GmbH in Meerbusch und Minster Machine GmbH in Halblech.

Umsatz:  ca. 9,0 Mrd. €
Operativer Gewinn: ca. 1,0 Mrd. €
Marktkapitalisierung: ca. 32 Mrd. €
Mitarbeiter: ca. 96.000

Der Umsatz steigt seit dem Geschäftsjahr 2010 konstant und auch die Gewinne haben in den letzten vier Jahren wieder angezogen.

Quelle: NIDEC Corporation – Fiscal 2016 Financial Results

Den aktuellen Geschäftsbericht gibt es hier.

Astellas Pharma

Die Astellas Seiyaku K.K. (engl. Astellas Pharma Inc.) wurde am 1. April 2005 durch den Zusammenschluss der Unternehmen Yamanouchi Seiyaku und Fujisawa Yakuhin Kōgyō gegründet. Heute ist Astellas eines der größten japanischen Pharmaunternehmen.

Das Unternehmen hat sich auf die Entwicklung, Herstellung und den Vertrieb von Arzneimitteln in den Bereichen Onkologie, Transplantationsmedizin, Antiinfektiva, Dermatologie, Schmerz und Urologie spezialisiert.

In Deutschland wird der Konzern durch die Astellas Pharma GmbH mit Sitz in München vertreten. Ein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Optimierung der Immunsuppression – ein Vorgang, bei dem unerwünschte Reaktionen des Immunsystems (z. B. nach Organtransplantationen) gehemmt werden.

Umsatz:  ca. 9,7 Mrd. €
Operativer Gewinn: ca. 2,0 Mrd. €
Marktkapitalisierung: ca. 21 Mrd. €
Mitarbeiter: ca. 17.200

Der operative Profit und die operative Marge stimmen.

Quelle: Astellas Pharma Inc. Annual Report 2017

Den aktuellen Geschäftsbericht gibt es hier.

Fast Retailing Company

Die K.K. Fast Retailing ist eine japanische Unternehmensgruppe des Bekleidungs-Einzelhandels. Nach der ursprünglichen Gründung im Jahre 1963, wurde das Unternehmen 1991 in Fast Retailing umbenannt.

Das bedeutendste Tochterunternehmen ist die Marke UNIQLO (eine Abkürzung für „unique clothing“). Diese hat sich in Asien durch günstige Preise und dennoch modebewusste Kleidung für Damen, Herren und Teenager zum Trendsetter entwickelt.  Ähnlich wie bei h&m, werden die Produkte in der gleichnamigen Ladenkette vertrieben.

Genau wie beim schwedischen Modehersteller, leidet aber auch das Image von Uniqlo unter seiner Allgegenwärtigkeit. So soll sich in der japanischen Jugendsprache bereits das Wort unibare (ユニバレ) etabliert haben, das in etwa soviel bedeutet wie „Erwischt! Ich weiß, dass du billige Uniqlo-Klamotten anhast“.

Zu den weiteren Marken von Fast Retailing zählen unter anderem Comptoir des Cotonniers (Damenmode), Cabin Co. (Damenmode), Princesse tam.tam (Lingerie und Bademode) und Foot Park (Schuhe).

Zwei große Übernahmen – unter anderem der US-Kaufhauskette Barneys – schlugen fehl. Nun liegt der Fokus auf der Expansion nach Russland und Indien.

Umsatz:  ca. 13,4 Mrd. €
Operativer Gewinn: ca. 950 Mio. €
Marktkapitalisierung: ca. 28 Mrd. €
Mitarbeiter: ca. 43.500

Das Umsatzwachstum (hier in japansichen Yen) ist beeindruckend.

Quelle: Fast Retailing Annual Report 2016

Auch der Blick auf die Umsatzentwicklung im Vergleich zu anderen führenden Modemarken ist bemerkenswert.

Quelle: Fast Retailing Annual Report 2016

Tadashi Yanai, der Gründer von Fast Retailing, gilt mit einem Vermögen von 21 Mrd. US-Doller (Stand 2015) als reichster Mann Japans.

Den aktuellen Geschäftsbericht gibt es hier (es gibt allerdings schon neuere Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2017).

NTT Docomo

Das Unternehmen K.K. NTT DoCoMo (engl. NTT DoCoMo, Inc.) zählt mit über 53 Millionen Kunden zum größten Mobilfunkanbieter in Japan.

NTT DoCoMo wurde 1992 gegründet und ging ab 1993 mit analogen mobilen Sprachdiensten an den Markt. Im Jahr 2001 startete es mit FOMA seinen mit UMTS vergleichbaren 3G Dienst. Das Unternehmen entwickelt zudem durchsichtige Touchscreens, die Smartphone sowohl über die Vorder- als die die Rückseite steuerbar machen. Außerdem gibt es eine App, die Simultanübersetzungen zwischen englischer und japanischer Sprache liefert. Außerdem fertigt NTT DoCoMo Handheld-PCs mit dem Windows-CE-Betriebssystem und diversen High-Tech-Features.

Außerhalb Japans betreibt NTT DOCOMO Forschungslabors in Palo Alto (seit 1999), Peking (seit 2003) und München-Laim (seit November 2000).

Seit Ende 2009 hält NTT DoCoMo zudem knapp 80% der Anteile am deutschen Mobilfunkunternehmen net mobile AG.

Bemerkenswert ist die steigende Anzahl der Mobilkunden.

Quelle: NTT Docomo Annual Report 2017

Als Wachstumstreiber sieht die Geschäftsführung von NTT Docomo aber vor allem das Business-Segment Smart Life Business. Hierzu zählen verschiedene Smartphone-Services (d market), aber auch eine neue Kollaboration mit der Perform Group – hierzulande zunehmend bekannt mit der Marke DAZN. Mit DAZN for docomo bietet man on-demand Übertragungen aus der japanischen Fussball-Liga, sowie von anderen Sportveranstaltungen aus Japan, Europa oder den USA.

Quelle: NTT Docomo Annual Report 2017

Umsatz:  ca. 34 Mrd. €
Operativer Gewinn: ca. 7 Mrd. €
Marktpkapitalisierung: ca. 78 Mrd. €
Mitarbeiter: ca. 24.700

Den aktuellen Geschäftsbericht gibt es hier

SoftBank Group

Die SoftBank K.K. (engl. Softbank Corp.) ist einer der führenden japanischen Telekommunikations- und Medienkonzerne. Zu den Unternehmensbereichen gehören Breitbandfernsehen, Festnetz-Telekommunikation, e-Commerce, Internet, Robotik, Finanzen, Medien und Vermarktung.

Zudem ist die SoftBank an einer Vielzahl von japanischen Unternehmen beteiligt. Zum Portfolio gehören unter anderem das japanische Unternehmen Cable & Wireless IDC, das Unternehmen BB-Service und das Computerspielunternehmen GungHo Online Entertainment. Außerdem bestehen zahlreiche Partnerschaften mit japanischen Tochterunternehmen ausländischer Unternehmen, zum Beispiel Yahoo! oder Morningstar. Außerdem ist SoftBank mit rund 28 % an der Alibaba Group beteiligt.

Im Jahr 2013 übernahm die SoftBank den amerikanischen Mobilfunkbetreiber Sprint Corporation. Im Juni 2017 wurde die Übernahme des vielversprechenden Robotik-Unternehmens Boston Dynamics von Alphabet Inc. (ehemals Google) bekanntgegeben.

Bereits 2016 übernahm SoftBank 100% des britischen Unternehmens ARM Limited, ein Anbieter von IP-Lösungen im Bereich Mikroprozessoren. Die lizenzierte ARM -Architektur kommt in den meisten Smartphones und Tablets zum Einsatz.

Somit ergibt sich ein beeindruckendes Konzerngebilde, das in Zukunft mit Sicherheit noch weiter wachsen wird.

Quelle: SoftBank Group Annual Report 2017

Im aktuellen Geschäftsbericht formuliert es Masayoshi Son (CEO der SoftBank Group) ganz bescheiden: “I’d like to shake up the world”

Die Kennzahlen stimmen natürlich auch. Der EBITDA beträgt 18,7 Mrd. €, die EBITDA-Marge liegt kontinuierlich um die 30%.

Quelle: SoftBank Group Annual Report 2017

Umsatz:  ca. 66 Mrd. €
Operativer Gewinn: ca. 7,7 Mrd. €
Marktpkapitalisierung: ca. 82 Mrd. €
Mitarbeiter: ca. 68.500

Den aktuellen Geschäftsbericht gibt es hier.

Fazit

Japan – das Land der aufgehenden Sonne – bietet weitaus mehr als bunte Manga-Comics und Mila Superstar. Das Land hat hinter den USA und China das drittgrößte Bruttoinlandsprodukt der Welt.

Ich habe bewusst auf Aktien-Kennzahlen wie das KGV, das PEG oder die Dividenden-Rendite verzichtet. Zum einen solltest du dir auch noch ein bisschen Mühe machen , zum anderen halte ich diese Bewertungen für langfristige Investitionen nicht erforderlich.

Ich kann dir nur wärmstens empfehlen, dir diese Unternehmen mal selbst näher anzuschauen. Denn auch abseits von P&G, Netflix und Facebook gibt es interessante Alternativen.

Disclaimer gemäß §34b WpHG

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Quelle: www.e-recht24.de

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14 Gedanken zu „Vergesst mir nicht die Aktien aus Japan!

  • Oktober 23, 2017 um 3:12 pm
    Permalink

    Wie bist du ausgerechnet auf diese Unternehmen gekommen? Ich habe schonmal angefangen, den Nikkei zu durchforsten, habe aber schnell aufgegeben, weil ich über viele Unternehmen nicht so viele Informationen gefunden habe. Prinzipiell halte ich Asien auch für einen guten Anhaltspunkt. Südkorea ist bestimmt auch einen Blick wert.

    VG
    Anna

    Antwort
    • Oktober 23, 2017 um 7:26 pm
      Permalink

      Hi Anna,
      wie schon angedeutet, habe ich eine eigene (einfache) Auswahl-Strategie entwickelt. Im Grunde läuft es auch darauf hinaus, dass Aktien bei meinem Broker sparplanfähig sind. Zur Bewertung nutze ich vor allem gurufocus.com
      Und dann schau ich mir die Unternehmen genauer an.
      Welche Aktien aus Südkorea hast du im Blick?

      VG / Felix

      Antwort
      • Oktober 24, 2017 um 1:26 pm
        Permalink

        Also… na ja, wie bist du direkt auf *diese* Titel gestoßen? Hast du den Nikkei komplett manuell durchforstet nach deinen Kriterien oder hast du einen Screener benutzt oder hast du Artikel über diese Unternehmen gelesen und sie dann untersucht? Oder gegoogelt „Telekommunikationsunternehmen Japan“ und dann innerhalb der Branche durchforstet? Oder „größtes Telekommunikationsunternehmen Japan“?

        Ich schaue mich in Asien noch nicht groß um. Daher weiß ich noch nicht viel über südkoreanische oder andere asiatische Aktien 🙁 Wie gehst du genau vor, um in einem sehr fremden Raum das Richtige auszuwählen ? (Daher bin ich neugierig, wie du auf genau *diese* Werte gestoßen bist).

        Viele Grüße aus Bayern (heute :D), ansonsten BaWü (:D)
        Anna

        Antwort
        • Oktober 25, 2017 um 9:15 am
          Permalink

          Hi Anna,
          mein Haupt-Ausgangspunkt ist die Liste der sparplanfähigen Aktien meines Brokers (Consorsbank). Diese Liste lege ich dann gegen bestimmte Kennzahlen und Aktienscreener. Gurufocus.com gefällt mir da sehr gut.
          Wenn die Zahlen stimmen (Prio 1 ist Wachstum), schaue ich mir den letzten Geschäftsbericht und Unternehmenspräsentationen an.

          Man muss und kann aber auch nicht auf jeder Hochzeit tanzen. Wenn man 15-25 gute Aktien aus Europa und den USA hat, ist das doch erstmal auch okay.

          VG nach…Süddeutschland!
          Felix

          Antwort
  • Oktober 24, 2017 um 4:57 am
    Permalink

    Wie du 6stellig Steuern sparen kannst: Buy&Hold mit Fonds (ETFs) statt Einzelaktien!
    Moin Felix, macht es dir nix aus, dass du als Einzelaktienanleger keine 30%ige Teilfreistellung auf Kursgewinne ab 2018 bekommen kannst?
    Ein ideales Anlegerleben verlaeuft ja so, dass du ueber viele Jahrzehnte ein huebsches Depot aufbaust. Schliesslich sind 6stellige Werte erreicht.
    In der Entsparphase (bei Verkaeufen) werden jedoch in D Steuern auf Kursgewinne faellig. Kursgewinne machen nach 25-40 Jahren Anlagedauer (Buy&Hold) ~60-90% vom Depotwert aus.
    Wenn es Aktienfonds waeren, wuerdest du nur 70% der Kursgewinne beim Verkauf versteuern muessen, bei Einzelaktien jedoch 100%!
    Ist dir das klar und macht es dir gar nix aus?
    BspRechnung: ueber 20-30 Jahre Entnahmephase werden insgesamt 500k entnommen (zB 25k/a), durchschnittlich ist der Kursgewinnanteil 80% also wuerden auf 500k*0,8=400k Kursgewinne realisiert werden: aus Aktien waeren 400k zu versteuern, aus Fonds nur 400k*0,7=280k. Differenz: 120k Steuern (6stellig).

    Antwort
    • Oktober 24, 2017 um 6:20 am
      Permalink

      Hallo Jörg,
      die Differenz (120k) wären die zu versteuernden Erträge, nicht die Steuerlast.

      Durch die neue Regelung ab 2018 werden allerdings die Bruttodividenden bereits auf Fondsebene zu 15% versteuert. Dividendendepots bzw. Depots mit ausschüttenden Aktienfonds werden dadurch eher benachteiligt.
      Der Finanzwesir hat das sehr anschaulich und mit hinreichend Beispielen durchgerechnet: https://www.finanzwesir.com/blog/besteuerung-fonds-etf-2018

      Selbst wenn der Anleger durch die neue Regel minimal besser da stehen würde – mir ist das zu kompliziert. Und wer weiß wie die Regelungen in einigen Jahren aussehen. Ich hoffe auf eine politisch geförderte Wertpapier-Altersvorsorge (steuerfrei, ggf. Zuschüsse). Wer weiß…vielleicht werden wir schon in der neuen Legislaturperiode positiv überrascht. Die Zeichen stehen gar nicht so schlecht.

      Und meine Vorbehalte zu Fonds bleiben. Ich will mein Geld selbst und nicht über Dritte anlegen.

      VG / felix

      Antwort
      • Oktober 25, 2017 um 2:57 pm
        Permalink

        Stimmt, sind nur 30k Unterschied (die Abgeltungssteuer auf 120k), also nur 5stellige Differenz 🙂

        Mit den Ausschuettungen aus Fonds ist es so:
        Auf Fonds-Ebene (gilt nur fuer in D aufgelegte Fonds): 15% der Dividende geht an’s Finanzamt, 85% zum Anleger. Steuerbemessungsgrundlage ist dafuer 2018 nur 70% (Teilfreistellung) mit 26,375% Abgeltungssteuer&Soli
        Bsp DAX-ETF in D aufgelegt (ohne Sparerfreibetrag):
        2017: 500 € Ausschuettung von der KapitalAnlageGesellschaft(KAG), nach Steuer bleiben dir 500*(1-0,26375)=368,13€
        2018: 500*0,85= 425 € Ausschuettung, nach Steuer bleiben dir (425-78,47teilfreigestellt)*(1-0,26375)= 346,53€ also etwas weniger (das war Dein Argument mit Link zum Finanzwesir)

        Aber keiner soll ja in diversifikationsarme DAX-ETFs anlegen! sondern in MSCI-WORLD und/oder MSCI-EM und da ist die Steuerreform sehr vorteilhaft, weil da so gut wie keine dtsch Aktien drin sind und deshalb v.a. die Teilfreistellung wirkt!

        Bsp MSCI-World-ETF in D aufgelegt:
        2017: 500 EUR Ausschuettung, ~4% am MSCI-World sind dtsch Aktien, Versteuerung wie oben *0,73625 (368,13 bleiben fuer dich, ggfls noch etw. mehr Quellensteuerrueckerstattung). Annahme 5% der Ausschuettung von 500 EUR stammen aus D (etw hoehere Div-Rend in D als im World) also 25€
        2018: von den 25 EUR aus D muss die KAG 15% gleich abfuehren (2,75EUR), d.h. die Ausschuettung/Steuerbemessung sinkt fuer Dich von 500 auf 497,25€ ABER: wegen der Teilfreistellung von 30% auf die Gesamtausschuettung kannst du 2018 etw mehr Geld erwarten (aber keine Quellensteueranrechnung mehr):
        497,25*0,7 (30%Teilfreistellung): 149,18 steuerfrei und 348,08€ zu versteuern *0,73625= 256,27; bleiben fuer Dich zusammen 149,175+256,27= 405,45€ also 58,92€ mehr als 2017 = Hurra!
        (In Wirklichkeit ist die Differenz nicht ganz so hoch, weil in 2017 konntest du ggfls noch eine Quellensteuerrueckerstattung bei der Ausschuettung geltend machen ca. 5% der Ausschuettungssumme, die faellt im Gegenzug fuer die Teilfreistellung 2018 weg).

        Fuer im Ausland aufgelegte ETFs (die meisten sind in Irland oder Luxemburg domiziliert, um die max. Quellensteuer auf Fonds-Ebene zurueckzuholen) gibt es Vorteile ab 2018! 30% Teilfreistellung auf Ausschuettungen UND Kursgewinne.

        Also werden ab 2018 fruehere, kleine Nachteile der Fonds-Anlage gegenueber Einzelaktien in Vorteile umgemuenzt: 30% Teilfreistellung auf Ausschuettungen sowie auf Kursgewinne.
        Der Preis fuer eine ETF-Anlage ist die (kleine) TER,
        der Gewinn ggueber EinzelAktien ist die hoehere Diversifikation, und
        keinen Aerger mit Quellensteuer-Problemstaaten wie I, FR, etc, die die meisten Einzelaktien-Anleger deshalb nicht zur Diversifikation nutzen/vermeiden.

        Willst du dich nicht aendern und an deiner mentalen Einstellung arbeiten?
        Du brauchst ja nix zu verkaufen, aber Ansparen/Kapitalaufbau wuerde ich ab jetzt nur noch in ETFs.

        Oder hast du noch mehr Argumente fuer Einzelaktien? Schaffst du eine Ueberrendite oder ist das dein messbares Ziel fuer die naechsten 10 Jahre?

        Antwort
        • Oktober 26, 2017 um 5:24 am
          Permalink

          Hallo Jörg,
          danke für deine ausführliche Beschreibung und Berechnung.
          Am 15.11. findet der 2. Finanz-Stammtisch in Essen statt. Falls du in der Nähe wohnst, hätten wir einen ganzen Abend Gesprächsstoff 🙂

          Ich bin gerne bereit meine Meinung zu ändern und offen ggü. anderen Meinungen.
          Aber, es gibt für mich immer noch gewisse Gründe, um auf Einzelaktien zu setzen:.

          1. Mir wird ein wenig mulmig, wenn ich mir den zunehmenden Einfluss der ETF Anbieter anschaue: Blackrock (iShares), Société Générale (Lyxor Asset) oder Vanguard.
          Nenn’ es Naivität oder Utopiedenken – aber ich möchte das nicht unterstützen. Eine Aktie ist immer noch eine Unternehmensbeteiligung mit all den dazugehörigen Rechten.

          2. Auch eine niedrige TER ist eine TER. Aus monatlich 200€ im Sparplan werden mit 8% p.a. und einer TER von 0,5% nach 30 Jahren 252.000€. Ohne TER (Aktien) wären es 279.000€

          3. Es ist nicht mein Anliegen eine Überrendite zu erzielen, halte es aber für machbar. Warum verlieren viele Anleger (privat oder institutionell) gegen den Index: Weil sie nicht geduldig sind.
          Fondsverwalter müssen jedes Jahr liefern, der Kunde versteht häufig keine langfristige Ausrichtung. Der Privatanleger handelt einfach zu viel. Ich erinnere mich an eine Auswertung (ich glaube von comdirect), in der herauskam, dass die privaten Anleger überdurchschnittliche Renditen erzielten, die sich am seltensten ins Online-Depot eingeloggt haben.
          Ein halber Punkt für dich, denn das geht mit ETFs/Fonds natürlich einfacher als mit Einzelaktien 😉

          4. Es macht mir Spaß mich mit spannenden Unternehmen zu beschäftigen. Das müssen nicht nur Tech-Werte sein, sondern auch Daimler, P&G oder Walt-Disney (der gilt ja schon bald als Tech-Wert).

          Es ließe sich unendlich darüber diskutieren… 🙂

          VG / Felix

          Antwort
          • Oktober 26, 2017 um 4:46 pm
            Permalink

            Danke fuer die Einladung Felix, aber Essen ist mir zu weit weg.

            Vielen Dank fuer deinen Blogroll, den ich gerne nutze!

            Ich selber habe die letzten Einzelaktien vor ca. 10-12 Jahren verkauft, weil es fuer mich nicht geklappt hat:
            – Einzelaktien fallen in der Baise unvorstellbar viel tiefer als Indices. Wie sich das anfuehlt, lernst du erst im Crash (nicht in der Theorie).
            – Emotionale Bindung: du musst irgendwann zugeben, dass DU diese Titel bewusst, nach deiner Recherche ausgewaehlt hast. DU hast es verbockt … (Index-ETFs sind dagegen selbstheilend, Luschen werden marginalisiert)
            – zu viel Arbeit: auch wenn du planst, dich auf wenige Titel zu konzentrieren, haelst du irgendwann doch zuviele Werte = zuviele Kapitalmassnahmen (Splits, Stock-Dividenden, Dividenden, Namensaenderungen, …), zuviel Tracking-Arbeit.
            Am Anfang wird das noch als “Hobby” abgebucht, aber die Zeit fehlt dir fuer Menschen/Beziehungen (ist in meinem Werte-Modell wichtiger): “ist die Trennungsrate bei Einzelaktien-Investoren womoeglich hoeher”?
            – zu viele Kosten: selbst wenn du deine Arbeit/Beschaeftigung nicht mitzaehlst, sind es mehr Kaeufe/Verkaeufe/Aktionen mit vielen Aktien als mit wenigen ETFs
            – Endspiel: beim Entsparen ist es wieder komplizierter/teurer, die gewuenschte Regionen/Sparten-Aufteilung aufrecht zu erhalten. Auch weniger steuerl. Freiheitsgrade, da zu zersplitterter Vermoegensstock.
            – Steuer: in D ist kein steuerfreies Umschichten vor/in der Entsparphase moeglich. Deshalb ist es vorteilhaft, sich sehr frueh auf die “richtige” Strategie festzulegen und moeglichst ueber Jahrzehnte daran festzuhalten.
            Quellensteuerrueckerstattung ist aus manchen Laendern ein Greuel oder teuer oder beides … deshalb Diversifikations-Luecke bei Einzelaktien oder Verzicht auf Rueckerstattung. Bei ETFs macht das die KAG (aber gibt ggfls nur einen Teil weiter)
            Thesaurierung (Steuerstundung/-verschiebung) ist fuer mich die Methode der Wahl, v.a. ab 2018
            Deshalb investiere ich nur noch in ETFs. Thesaurierer haben uebrigens ~0,2% TER (Ausschuetter eher 0,5%)

            Ich finde es gut, wie du vorgehst und das machst, was du fuer richtig haelst und es begruenden kannst, ohne zu dogmatisch oder festgelegt zu sein.
            Es ist wichtig, als junger Mensch (mit weniger Geld) diese Erfahrungen zu machen. Es bleibt ggfls genug Zeit/Ansparphase zur Korrektur bis zur Rente.
            (Falls du diesen Faden von allgem. Interesse an anderer Stelle fuer besser aufgehoben findest, kannst du ihn gerne dorthin kopieren)

  • Oktober 24, 2017 um 6:42 am
    Permalink

    Ohoh wieder einen der den Markt nicht dauerhaft schlägt :p

    Antwort
    • Oktober 24, 2017 um 9:17 am
      Permalink

      Entscheidend is’ auf’m Platz! 🙂
      Ich habe ja nicht gesagt, dass ich japanische Aktien im Depot habe. Aber einen Blick sind sie aus meiner Sicht wert.

      VG / Felix

      Antwort
  • Pingback: Millionär Interview Nr. 2 – Joerg | Die Freiheitsmaschine

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