Warum ich in Aktien investiere und mein Auto trotzdem fremdfinanziere

Auf ziemlich jeder Finanzseite und jedem Finanzblog, gibt es mindestens einen Beitrag mit dem Thema: „In x Schritten zur Finanziellen Freiheit“ oder „Die x Regeln bei der Altersvorsorge“. Es beginnt immer mit Schritt Nummer eins: Baue deine Schulden ab!

Vorher wahlweise noch Schritt null: Tue Buße und kaufe unser überteuertes E-Book.

Dem ersten Schritt stimme ich grundsätzlich zu.

Es ist schon erstaunlich und gleichzeitig verängstigend, wie schnell und häufig heutzutage Konsumkredite abgeschlossen werden. Der neue Fernseher, die neue Couch, der neue Kühlschrank. Alles auf Pump, in Unterschätzung der scheinbar niedrigen Monatsraten und in Überschätzung der eigenen finanziellen Situation in den nächsten Monaten.

Gelbe Engel, Bild der Frau und kolumbianische Bauern

Als ich Ende des letzten Jahres, meine persönlichen Finanzen auf den Kopf gestellt habe, sind zwei Kredite in der Bilanz aufgetaucht. Den ersten Kredit, hatten meine Frau und ich gemeinsam für ihr erstes Auto aufgenommen. Genauer gesagt, war es eine Drei-Wege-Finanzierung mit fest vereinbartem Restrückzahlungstermin.

Knapp drei Jahre zuvor war ihr alter Ofen auf der Autobahn stehen geblieben, was einen kleinen Adrenalinschub ihrerseits und einen Einsatz der Gelben Engel mit sich brachte. Danach haben wir uns für den Kauf eines „Jungen Gebrauchten“ entschieden, was für mich drei Gründe hatte: Sicherheit, Verlässlichkeit & Ruhe.

Sicherheit: In den letzten beiden Jahrzehnten, gab es im Automobilbereich erhebliche Verbesserungen bei der Insassensicherheit, zum Beispiel die Einführungspflicht von Bremsassistenten für alle neuen Pkw-Typen (2009) und die verpflichtende Einführung von ESP bei Pkw (2011) [Quelle: wikipedia]. Die Investition in ein neues Fahrzeug mit diesen „Features“, hielt ich aus Sicherheitsaspekten für sehr sinnvoll.

Verlässlichkeit: Ich interessiere mich nicht für Klatschblätter – unabhängig von der Geschlechter-Zielgruppe. Auto Bild, Auto Motor Sport, Bild der Frau, Frau im Bild, Haus im Hund, etc… Eine bunte Melange dieser in Heftform gebrachten Sinnlosigkeiten, liegt in jeder Kfz-Werkstatt herum und wartet auf vom Ausharren gelangweilte, potentielle Leser.

Und egal wie grausam die angebotenen Zeitschriftenartikel sind, irgendwann greift jeder Wartende aus Frust und Verzweiflung zu einem dieser Klatschblätter. Im besten Fall gibt es eine spannende Werbeanzeige für Treppenlifte.

Zu viele Stunden meines Lebens habe ich in Werkstätten verschwendet, bis die ansässigen Kraftfahrzeugmechatroniker die alte und ziemlich Elektronik-lose Kiste wieder notdürftig fahrbereit gemacht hatten. Ich wollte keine alte Karre mehr, die ständig Öl oder sonstige Flüssigkeiten verliert und mich monatlich zum Besuch beim Kfz-Meister meines Misstrauens zwingt.

Außerdem hatte ich über die Jahre beim Warten so viel Kaffee getrunken, dass ich glaube, dass kolumbianische Bauern ein Bild von mir im Portemonnaie haben.

Ich wollte ein verlässliches Fahrzeug, dass möglichst wenig Aufwand erfordert.

Ruhe: Ich kenne einige Leute, die ständig neue Autos kaufen und ihre alten verkaufen. Wer Spaß am Verhandeln hat und gerne Leute kennenlernt, bitte. Aber im unteren Preissegment, kann ich auf die üblichen „Verhandlungspartner“ und die Treffen im Halbdunkel gerne verzichten.

Im Onlinebereich heißt das Darknet.

Biedermeiers und kreative Dieselmotor-Hersteller

Es gibt Momente im Leben, in denen Sparen und Anlegen, um irgendwann eine bestimmte Investition zu tätigen, aus meiner Sicht wenig Sinn macht.

Wir haben uns daher für den Kauf eines stinklangweiligen, aber günstigen und verlässlichen Autos entschieden. Kein neues Modell, sondern aus einer bereits erprobten Modellreihe. Passend zu den eigenen Anforderungen. Nicht mehr und nicht weniger.

Das Studium war gerade beendet und finanzielle Rücklagen in entsprechender Höhe nicht vorhanden. Daher haben wir uns für die bereits erwähnte Finanzierung entschieden. Die Zinsen waren damals ja schon auf Rekordtief und die Autobanken rissen sich bereits um neue Kunden.

Ein Jahr später haben wir für mein Auto den gleichen Ablauf gedanklich und kaufmännisch wiederholt. Auto Schrott > 3 Gründe + Niedrigzinsen > 3-Wege-Finanzierung

Wieder kam bei der Suche nach dem passenden Vehikel ein schnödes, fast schon biederes, aber verlässliches und günstiges Modell heraus. Gut – im Nachhinein muss festgestellt werden, dass der Hersteller beim Dieselmotor etwas kreativ war. Aber das soll ja hier nicht das Thema sein…

Die Zinsen waren zu diesem Zeitpunkt auf dem Rekord-Rekord-Tief.

Beide Finanzierungen haben wir zu 0% Zinsen abgeschlossen.

Dyskalkulie, Bluetooth Human Interface und 30% Puffer

Ich rechne damit, dass beide Autos jeweils zehn Jahre oder maximal 200.00 Kilometer halten. Bis dahin, müssen sie finanziell abgeschrieben und abbezahlt sein. Der Kredit für das Biederfrau-Auto ist bereits komplett getilgt, für das Biedermann-Auto läuft der ursprüngliche Kreditvertrag im Frühjahr des nächsten Jahres aus. Sollten die Zinsen bis dahin nicht durch die Decke gehen, werden wir eine Folgefinanzierung abschließen.

Bei der CreditPlus Bank, bekommt man derzeit zum Beispiel einen Kredit in Höhe von 7.000 € über 48 Monate zu einem effektiven Zinssatz von 2,59 %.

Bei der langfristigen Investition in Aktien, kann mit durchschnittlichen Renditen von 5% gerechnet werden.

Selbst für Menschen mit Dyskalkulie eine machbare Rechenaufgabe.

Aber verstehe mich bitte nicht falsch. Kredite für die Anschaffung des neusten Smartphones, einer CoolEfficiency Kühl-Gefrierkombination mit Wasserspender und crisperBox oder eines Ultra-High-Definition Flat TVs mit geschlossener Bassreflex-Box, Mobile High-Definition Link, Digital Clean View und Bluetooth Human Interface sind böse.

Denn hier überholt die Restkreditsumme ganz schnell den Restwert. Bei der Finanzierungsrate für die Autos, habe ich mich am minimal möglichen Betrag orientiert, den mir den Kfz-BeraterVerkäufer anbieten konnte. Dieser Betrag ergibt sich aus dem Restwert, mit dem der Kreditgeber als Träger des Restwertrisikos kalkuliert.

Das Auto sollte also zum Ende des Leasingvertrages nicht weniger wert sein, als der Kaufwert abzüglich der gezahlten Raten. Zinsen mal ausgenommen.

Um selbst etwas Puffer zu haben, habe ich auf den angebotenen Betrag jeweils zirka 30% draufgelegt.

Mein Fazit

Kredite für Anschaffungen mit echtem persönlichem Nutzen – also außer Jux und Dollerei – sind aus meiner Sicht zwar abzuwägen, aber keinesfalls grundsätzlich böse. Wird durch die Investition ein Mehrwert in Sachen Sicherheit, Verlässlichkeit oder Ruhe geschaffen, kann die Aufnahme eines Kredites durchaus sinnvoll sein.

Ebenso sehe ich es mit Investitionen in die eigene Person: Studium, Weiterbildung, Fortbildung. Klar, auch hier kann der Schuss nach hinten losgehen, wenn das Studium der Liturgiewissenschaften oder der Tanzpädagogik nicht zum gewünschten (und bezahlten) Arbeitsplatz führt.

Trotzdem wird kaum einer widersprechen, dass für die Investition in die persönliche Bildung eine Kreditaufnahme in der Regel Sinn macht. Vor allem in jungen Jahren, wenn die Liquidität fehlt, aber die Investition noch lange Früchte tragen kann.
Schlusswort

Leider haben wir bei uns kein vernünftig ausgeprägtes ÖPNV-Netz, weshalb wir auf den sogenannten Individualverkehr angewiesen sind.
Der laufende Autokredit stört mich aber nicht beim Sparen und der Investition in unsere Altersvorsorge. Wir brauchen sichere und verlässliche Autos, um mich zur Arbeit und meine Frau und die beiden Kinder heil von A nach B zu fahren.

Hier werden wir zwar vernünftige Entscheidungen treffen, aber nicht an der falschen Ecke sparen.

„Wir haben uns daher für den Kauf eines stinklangweiligen, aber günstigen und verlässlichen Autos entschieden. Kein neues Modell, sondern aus einer bereits erprobten Modellreihe. Passend zu den eigenen Anforderungen. Nicht mehr und nicht weniger.“

Kennst du das vom Investieren? Ich schon, denn ich lege unser Geld in vermeintlich langweilige, aber verlässliche Produkte an. Keine neuen Hypes, sondern seit Jahren erprobte Anlageformen. Aktien von Unternehmen mit einer langen und erfolgreichen Historie. Oder in breit aufgestellte Indexfonds, die zwar keinen Reichtum versprechen, aber den Grundstein für eine gesicherte Altersvorsorge legen können.

Nicht mehr und nicht weniger.

Zum Schluss möchte ich noch darauf hinweisen, dass sowohl die subtile Erwähnung des ADAC, als auch der Volkswagen AG in diesem Artikel reiner Zufall sind… 😉

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Ein Gedanke zu „Warum ich in Aktien investiere und mein Auto trotzdem fremdfinanziere

  • August 3, 2016 um 9:05 pm
    Permalink

    Oh da flackerm dem Hardcore Sparer aber die Ohren 😀
    Finde deine Entscheidung aber vollkommen nachvollziehbar.
    Demnächst steht bei mir auch die Umstellung meines fahrbaren Untersatzes an und ich bin auch noch unschlüssig was es werden soll. Der Aspekt “Ruhe” wird dabei an erster Stelle stehen, soll aber so günstig wie möglich erfüllt werden.

    Antwort

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