Was sind Dividendenaristokraten?

Die Politikwissenschaft bezeichnet Aristokratie als die Herrschaft einer kleinen Gruppe “besonders befähigter Individuen”. Die Art der Befähigung ist nicht näher definiert. Alternativ spricht man einfach von einer Herrschaft der Besten. Die Zugehörigkeit zu den Besten, ergab sich in der Praxis durch die Zugehörigkeit zu einer adligen Oberschicht. Daher versteht man unter Aristokratie auch die Herrschaft des Adels.

Was aber hatten die Patrizier mit der heutigen Börse zu tun?

Zwei wichtige Kennzahlen für Aktieninvestoren sind die Höhe, sowie die Entwicklung der Dividende, die ein Unternehmen an seine Aktionäre auszahlt. Kontinuierliche Dividendenzahlungen haben einen großen Vorteil für langfristige Investoren, da regelmäßige Renditen direkt ausgeschüttet werden. Zudem fällt der Schweißausbruch bei fallenden Kursen oder einem Bärenmarkt (anhaltend sinkende Kurse) deutlich geringer aus.

Denn was interessiert dich der aktuelle Kurs? Die Aktien sollen ohnehin über einen langen Zeitraum gehalten werden. Bestenfalls bis zum Lebensende oder gar darüber hinaus.

Daher hat sich in den letzten Jahren die Dividendenstrategie zum echten Verkaufsschlager entwickelt. Die Idee dahinter ist einfach: Unternehmen, die es schaffen ihre Dividende über so einen langen Zeitraum kontinuierlich zu steigern, haben ein dauerhaft stabiles Geschäft, ein kontinuierliches Wachstum und eine gute Performance im Vergleich zum Gesamtmarkt.

Die Kredit-Ratingagentur Standard & Poors hat das erkannt und 2005 einen speziellen Index abgeleitet: den S&P 500 Dividend Aristocrats Index. Dieser enthält alle Unternehmen, die in den letzten 25 Jahren ihr Dividendenzahlung erhöht haben. Dabei geht es um den Auszahlungsbetrag pro Aktie, nicht um die Dividendenrendite.

Die Überperformance der Dividendenaristokraten

Die S&P Dividenden Aristokraten erzielten in den letzten 10 Jahren eine jährliche Rendite von 10,8% (siehe Factsheet). Der Benchmark-Index S&P 500, der die 500 größten börsennotierten US-amerikanischen Unternehmen enthält, erzielte im Vergleichszeitraum eine jährliche Rendite von 7,4%. Während dieses Zeitraums, also auch über die Finanzkrise hinweg, hat der S&P 500 Dividend Aristocrats also deutlich besser performed als der US-Gesamtmarkt.

2016-07-15 06_26_04-fs-sp-500-dividend-aristocrats (1).pdf

Quelle: S&P 500 Dividend Aristocrats Fact Sheet 

Auch die Volatilität (Schwankungsanfälligkeit) fällt bei den Dividendenaristokraten mit 13,8% geringer aus als beim Gesamtmarkt mit 14,9%. Das ist auch ein Zeichen für die stabile Aktionärsstruktur und verdeutlicht, dass Aktien von Dividendenaristokraten häufig länger gehalten werden und somit weniger sind anfällig für Kursschwankungen.

Aktuell befinden sich 50 Unternehmen in der Liste der Dividenden-Aristokraten, die alle gleich gewichtet sind und sich wie folgt auf die Sektoren verteilen.

2016-07-14 10_38_34-fs-sp-500-dividend-aristocrats.pdf

Quelle: S&P 500 Dividend Aristocrats Fact Sheet 

Auffällig ist die Übergewichtung in den Bereichen Konsumgüter, Industrie und Materialien. Dahinter stehen eben die Unternehmen, dessen Aktien man wohl ein Leben lang halten kann: Procter & Gamble, Colgate-Palmolive, Coca-Cola oder Wal-Mart.

Untergewichtet gegenüber den Gesamtmarkt ist hingegen der Bereich IT. Unternehmen aus dieser Branche fallen eher in die Investmentstrategie Wachstumswerte, schütten selten Dividenden aus und/oder sind noch nicht lange börsennotiert.

Geht die Erfolgsstory von Dividendenaristokraten weiter?

Ich glaube grundsätzlich an den Spruch: Was runter geht, geht auch wieder rauf, und andersherum. Die überdurchschnittliche Performance von Aktien mit hohen Dividendenzahlungen, könnte in den nächsten Jahren vielleicht etwas rückgängig sein. Allerdings wird der Aktienmarkt in den USA immer mehr zur Altersvorsorge genutzt und auch staatlich unterstützt. Tim Schäfer berichtet in seinem Blog regelmäßig darüber. In Europa stehen wir hier noch am Anfang, aber die staatliche Förderung regelmäßigen Aktiensparens wird immer häufiger diskutiert und kommentiert.

Von diesen zusätzlichen Investitionen, würden vor allem die Aktien von Dividendenaristokraten profitieren. Zum einen über den Kauf entsprechender ETFs, in denen die Unternehmen gelistet sind. Zum anderen von der direkten Aktien-Nachfrage. Denn was für ein Unternehmen sollte ich kaufen, wenn ich lieber direkt in Aktien investieren möchte? Netflix oder Coca Cola, Tesla oder Procter & Gamble, Wirecard oder Allianz? Natürlich, vielleicht geht der eine oder andere Wachstumswert in den nächsten Jahren durch die Decke und schlägt die Dividendenaristokraten um Längen. Aber dann heißt das Spiel Gambling und nicht Altersvorsorge.

Dividendenaristokraten sind gemäß der Begrifflichkeit die langfristig besten Aktien auf dem Markt. Ob die Geschichte letztendlich mit der von Karl dem Großen, Richard Löwenherz oder dem tragischen Ende von Friedrich I. (Barbarossa) vergleichen werden kann, bleibt abzuwarten.

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2 Gedanken zu „Was sind Dividendenaristokraten?

  • Juli 14, 2016 um 6:19 pm
    Permalink

    Hallo Felix,
    ich möchte kurz ein bis zwei Anmerkungen/Fragen loswerden:
    1. Du hast einen Link auf ein lokales Dokument gesetzt – so kann ich leider nicht abschätzen, auf welchen Index/ETF/Fonds Du Dich beziehst.
    2. Sind beim Aristokraten-Index die Dividenden reinvestiert worden oder wie beim S&P 500 üblich nur die Kurse enthalten? Oder anders gefragt, sind es beides Preis- oder beides Performance-Indizes oder werden beim Renditevergleich Äpfel mit Birnen verglichen?
    3. Müsste es statt
    “Dividendenaristokraten sind gemäß der Begrifflichkeit die langfristig besten Aktien auf dem Markt.”
    nicht heißen:
    “Dividendenaristokraten sind gemäß der Begrifflichkeit die in der Vergangenheit rückblickend betrachtet langfristig besten Aktien auf dem Markt gewesen.”
    Vor 25 Jahren war ja schließlich nicht notwendigerweise ersichtlich, dass gerade diese Unternehmen die Dividenden kontinuierlich erhöhen würden. Und eine Garantie für die nächsten 25 Jahre gibt es ja auch nicht. (Vgl. http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2015/11/uberlebens-rate-und-turnover-von.html)

    Gruß
    Dummerchen

    Antwort
    • Juli 15, 2016 um 4:42 am
      Permalink

      Hallo “Dummerchen”,
      “ein bis zwei” macht drei – endlich wirst du deinem Pseudonym mal gerecht 😉
      zu 1.) Das war natürlich semi-clever von mir. Der Link ist aktualisiert und ich habe die Tabelle mit den Renditen aus dem S&P Factsheet in den Beitrag als Bild eingefügt. Danke für den Hinweis!
      zu 2.) Die erwähnten Renditen beziehen sich – wie du jetzt auch in der Tabelle sehen kannst – auf den Total Return. Also unter der Annahme, dass Dividenden wieder reinvestiert werden. Aber auch der Vergleich der Preis-Indizes fällt ähnlich aus. Egal ob Price- oder Total Return, die Dividendenaristokraten liegen für den betrachteten Zeitraum etwa 45-50% vor dem Vergleichsindex. Also Äpfel mit Äpfeln bzw. Birnen mit Birnen. Je nach Geschmack.
      zu 3.) Mein Satz war der Versuch einen Bogen zurück zum Begriff der Aristokraten zu schlagen. Aber da ist deine Anmerkung natürlich ganz interessant. Aristokratie, das ist ein Begriff von gestern. Die Welt hat sich zumindest teilweise hin zur Demokratie entwickelt. Die breite Masse hat (zumindest theoretisch) die Macht. Vielleicht sollte S&P langfristig nochmal über eine neue Begrifflichkeit nachdenken…

      Beste Grüße
      Felix

      Antwort

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