Friedrich August von Hayek vs. Air Berlin

Friedrich August von Hayek war ein österreichischer Ökonom und Sozialphilosoph. Er zählt zu den wichtigsten Denkern des Neoliberalismus im 20. Jahrhunderts. Im Jahr 1974 erhielt er zusammen mit Gunnar Myrdal den Alfred-Nobel-Preis für Wirtschaftswissenschaften.

Die Air Berlin PLC & Co. Luftverkehrs KG (airberlin) ist [war] die zweitgrößte deutsche und siebtgrößte europäische Fluggesellschaft. Mit Sitz im Flugverkehrs-Mekka Berlin (kleiner Scherz ), ist [war] sie eine hundertprozentige Tochtergesellschaft der börsennotierten Air Berlin PLC. Deren größter Einzelaktionär ist [war] die emiratische Etihad Airways.

Am 15. August 2017 beantragte die Air Berlin PLC die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung. Mit Hilfe einer Bundesbürgschaft, wird der Flugbetrieb vorläufig fortgeführt.

Das Leben und die Werke von Friedrich August von Hayek

Friedrich August von Hayek wurde am 8. Mai 1899 in Wien geboren. Dort studierte er auch Rechts- und Politikwissenschaften mit erfolgreichem Abschluss.

Zudem studierte er Philosophie, Psychologie und Ökonomie. Später lehrte er an der London School of Economics, der University of Chicago, sowie den Universitäten von Freiburg und Salzburg.

Zu seinen wichtigsten Werken zählen Preise und Produktion (1931), The Road to Serfdom/Der Weg zur Knechtschaft (1944), Die Anmaßung von Wissen (1974) und Recht, Gesetz und Freiheit (1979).

Hayeks Theorien zu Freiheit, Markt und Demokratie

Hayek sah im wirtschaftlichen Wettbewerb ein „Entdeckungsverfahren“, dessen Ergebnisse offen sind. Demnach könne weder das Erreichen bestimmter Ergebnisse, noch eine bestimmte Form des Wettbewerbs angestrebt werden.

„Ungleichheit ist nicht bedauerlich, sondern höchst erfreulich. Sie ist einfach nötig.”
(Friedrich August von Hayek in einem Interview für die Wirtschaftswoche)

Für Hayek hat Freiheit nichts mit Demokratie oder Menschenrechten zu tun. Freiheit sei die schlichtweg die „Abwesenheit von willkürlichem Zwang“.

„Politische Freiheit im Sinne von Demokratie, innere Freiheit, Freiheit im Sinne des Fehlens von Hindernissen für die Verwirklichung unserer Wünsche oder gar Furcht und Mangel haben wenig mit individueller Freiheit zu tun und stehen oft in Konflikt mit ihr…Die Freiheit, um die es sich hier handelt, die allein als allgemeines Prinzip der Politik dienen kann und die auch das ursprüngliche Ziel aller freiheitlichen Bewegungen war, besteht ausschließlich in der Abwesenheit von willkürlichem Zwang“
(Friedrich August von Hayek in Die Ursachen der ständigen Gefährdung der Freiheit)

Der Staat dürfe keinen willkürlichen Zwang ausüben, der den Markt als Ergebnis der spontanen Ordnung in Frage stellt. Dies wäre eine Bedrohung der Freiheit.
Im Gegenzug sieht Hayek in Freiheit das Recht von Unternehmen, mit Konsumenten, Arbeitnehmern und der Umwelt nach eigenem Sinne zu handeln und zu verfahren. Alle Eingriffe des Staates zu deren Schutz (Verbraucherschutz, Arbeitsschutz, Sozialpolitik, Umweltschutz), versteht Hayek als freiheitsgefährdenden Zwang verstanden. Schlagworte wie Allgemeinwohl, soziale Gerechtigkeit und Gleichheit sind für Hayek gefährlich populäre Begriffe. Sie könnten die Menschen davon abhalten, der Logik des Marktes demütig zu folgen.

„Womit wir es im Falle der ‘sozialen Gerechtigkeit’ zu tun haben, ist einfach ein quasi-religiöser Aberglaube von der Art, dass wir ihn respektvoll in Frieden lassen sollten, solange er lediglich seine Anhänger glücklich macht, den wir aber bekämpfen müssen, wenn er zum Vorwand wird, gegen andere Menschen Zwang anzuwenden“.
(Friedrich August von Hayek in Recht, Gesetzgebung und Freiheit)

Zusammenfassung von Hayeks Theorien

Zusammenfassend lassen sich Hayeks Theorien wie folgt beschreiben:

1. Hayek hält nichts davon, die Ergebnisse des Marktes durch staatliche Eingriffe zu beeinflussen. Unabhängig davon, wie unerträglich diese Ergebnisse für die Betroffenen sein mögen.
Statt sozialer Korrekturen, fordert Hayek einen Grundschutz „außerhalb des Marktes“. Dieser solle allen Bürgern ein Mindesteinkommen sichern.

2. Hayek kritisierte stets, dass ökonomisch und sozial Benachteiligte in einer parlamentarischen Demokratie politischen Druck auf die Regierung ausüben könnten. So würden Gesetze zu Mindestlöhnen, Wertpapier-Kontrolle oder Umweltschutz entstehen, die lediglich Sonderinteressen einzelner Individuen beinhalten. Der Markt und dessen Ergebnisse würden dadurch verzerrt.

„Die heute praktizierte Form der Demokratie ist zunehmend ein Synonym für den Prozess des Stimmenkaufs und für das Schmieren und Belohnen von unlauteren Sonderinteressen, ein Auktionssystem, in dem alle paar Jahre die Macht der Gesetzgebung denen anvertraut wird, die ihren Gefolgsleuten die größten Sondervorteile versprechen, ein durch das Erpressungs- und Korruptionssystem der Politik hervorgebrachtes System mit einer einzigen allmächtigen Versammlung, mit dem Wortfetisch Demokratie belegt“.
(Friedrich August von Hayek in Recht, Gesetzgebung und Freiheit)

Das Leben und die Werke von Air Berlin

Der Amerikaner Kim Lundgren war Pilot bei der amerikanischen Airline Pan Am. Als er im Zuge der Ölpreiskriege dort seinen Job verlor, gründete er im Juli 1978 die Charterfluggesellschaft Air Berlin Inc. Der erste Flug der Gesellschaft am 28. April 1979 führte von Berlin nach Palma de Mallorca.

Nach der Wiedervereinigung gründeten Joachim Hunold und Kim Lundgren die Air Berlin GmbH & Co. Luftverkehrs KG. Es folgten die Einrichtung täglicher „Mallorca-Shuttles“, die Mitgliedschaft in der IATA und die Einführung der „City-Shuttles“.

 

Im Jahr 2004 erwarb Air Berlin 24%  der Anteile an der österreichischen Fluggesellschaft Niki.

Die angestrebte Übernahme der Fluggesellschaft Germania scheiterte, da sich deren Erbengemeinschaft nicht einigen konnte.

Für den Börsengang überführte die Air Berlin die GmbH in eine Aktiengesellschaft nach britischem Recht (PLC). Der Börsengang der Air Berlin PLC war zunächst für den 5. Mai 2006 angesetzt. Dieser Termin musste jedoch verschoben werden, da die ursprüngliche Preisspanne von 15 Euro bis 17,30 Euro zu hoch angesetzt worden war.

Ein schlechtes Omen…

Am 11. Mai 2006 war es dann soweit. Der Preis der Erstnotierung wurde mit 12 Euro je Aktie bekanntgegeben. Dadurch ergab sich ein Gesamterlös von 510 Millionen Euro ergab. Das waren rund 360 Millionen Euro weniger als ursprünglich geplant.

Ein schlechtes Omen…

Es folgten Übernahmen der deutschen Fluggesellschaft dba, der LTU und der Schweizer Fluggesellschaft Belair Airlines. Die angestrebte Übernahme der Fluggesellschaft Condor scheiterte im Jahr 2008. Nach Verzögerungen durch die Prüfung des Bundeskartellamtes, zog Air Berlin den Antrag aufgrund „erheblich veränderter wirtschaftlicher Rahmenbedingungen“ zurück.

Ein schlechtes Omen…

Aufgrund anhaltender Verluste, wurde im August 2011 das Ausscheiden des Mitgründers Joachim Hunold bekanntgegeben. Zum 1. September 2011 übernahm Hartmut Mehdorn (ehemaliger Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn) sein Amt als CEO.

Ein schlechtes Omen…

Es folgten ein Restrukturierungsprogramm der Flotte und Strecken, sowie das Effizienzprogramm Shape & Size. Dieses beinhaltete die Neuorientierung: Weg von Billigflügen, hin zu höherpreisigen Linien- und Urlaubsflügen.

Eine schlechte Entscheidung…

Im Dezember 2011 stockte die arabische Fluggesellschaft Etihad Airways ihren Anteil an Air Berlin auf 29,2% auf und wurde damit zum größten Einzelaktionär.

Es folgten Jahre mit weiteren CEO-Wechseln und finanziellen Verlusten. Der Rekordverlust von 315 Mio. € im Jahr 2014 musste größtenteils durch eine Wandelanleihe in Höhe von 300 Mio. € durch Etihad Airways ausgeglichen werden.

Ein schlechtes Omen…

Seit 2016 besitzt Air Berlin keine eigenen Flugzeuge mehr. Um Kosten zu sparen, wurden alle Flugzeuge geleast. Die Kreditraten belasteten den Cash-Flow und reduzierten zudem die Kreditsicherheit des Unternehmens.

Ein schlechtes Omen…

Am 11. August 2017 kündigte Etihad weitere finanzielle Unterstützung für Air Berlin.

Die weitere Entwicklung ist bekannt…

 Air Berlin Pleite – Hayek würde sich im Grab umdrehen

Gerade in Zeiten der Air Berlin Pleite, wirken die Theorien von Friedrich August von Hayek sehr aktuell. Was erlaubt sich der Staat, auch hier wieder in das wirtschaftliche System einzugreifen?

Seit 2008 schreibt Air Berlin (mit einer Ausnahme) rote Zahlen! Das Unternehmen hat den wirtschaftlichen Wettbewerb verloren.

Quellen: Lobbypedia / Wikipedia / Zeit Online

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3 Gedanken zu „Friedrich August von Hayek vs. Air Berlin

  • August 31, 2017 um 4:33 pm
    Permalink

    Schön, dass du die Gedanken von Hayek etwas unters Volk bringst! Auch, wenn Hayek einige Sätze und Gedankengänge zu Papier gebracht hat, die mein Denken grundlegend verändert haben, bin ich trotzdem noch begeisterter von Ludwig von Mises. Viele Bücher von Mises findest du kostenlos auf misesde.org, vielleicht ist ja etwas für dich dabei. Ich empfehle z.B. “Liberalismus”.

    Liebe Grüße
    Jasper

    Antwort
    • August 31, 2017 um 5:46 pm
      Permalink

      Hi Jasper,
      von Mises war ja Hayeks Freund und Mentor.
      Ich bin nun wirklich kein radikaler Liberaler, aber einige Ideen des freien Marktes sind wirklich richtig (aus meiner Sicht). Interessant finde ich auch, dass Hayek den Nationalsozialismus nicht nur selbst als antiliberal einstuft, sondern ihn sogar als Folge der staatlichen Überregulierung sieht.
      So ähnlich erleben wir es gerade in Europa. Die Menschen sind genervt von staatlichen Eingriffen znd tendieren leider politisch navh rechts.

      VG / Felix

      Antwort
  • Pingback:Air Berlin meldet Insolvenz an - Seite 161

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