Finanz-Fundstück des Monats: José “Pepe” Mujica

Heute möchte ich euch einen besonderen Mann vorstellen. Der eine oder andere von euch wird ihn kennen. Einige wahrscheinlich noch nicht. Ich bin der Meinung, dass JEDER ihn kennen sollte.

Der Mann heißt José Mujica und ist heute 81 Jahre alt. Er wohnt auf einem – sagen wir mal idyllischen – Bauernhof in der Nähe von Montevideo.

Quelle: Dokumentation – Pepe Mujica – Ein Präsident aus Uruguay ARTE (YouTube)

Auf den Feldern seines Hofes, pflanzt er Obst und Gemüse an. Und er züchtet leidenschaftlich gerne Blumen.

Quelle: Dokumentation – Pepe Mujica – Ein Präsident aus Uruguay ARTE (YouTube)

Er besitzt zwei Autos. Zwei VW Käfer – Baujahr “aus den 90er Jahren”.

Quelle: Dokumentation – Pepe Mujica – Ein Präsident aus Uruguay ARTE (YouTube)

Wer diesen Mann nicht kennt, wird sich nun die Frage stellen: Warum ist das jetzt so besonders? Ein alter, etwas übergewichtiger Mann mit zu kurzen Polohemden und alten Autos.

Nun ja, von 2010 bis 2015 war José Mujica der Präsident Uruguays. In dieser Zeit ging er als “weltweit ärmster Präsident” in die Geschichte ein.

Politische Karriere

Mujicas politische Karriere begann in den 60er Jahren als Gründer und Anführer der politisch (also nicht gewalttätig) geprägten Guerillagruppe Tupamaros. Zu dieser Zeit gab es in Uruguay große wirtschaftliche Probleme, Massenarbeitslosigkeit und (zu hohe) Inflation. Dies führte schließlich zu einer Militärdiktatur zwischen 1973 und 1985.

Aufgrund seiner Tätigkeit in der Guerillabewegung, saß Mujica insgesamt 14 Jahre im Gefängnis.

Nach seiner Entlassung, gründete er 1989 mit anderen Tupamaros die sozialistische Partei Movimiento de Participación Popular (MPP). Nach dem Durchlaufen verschiedener politischer Ämter, wurde José Mujica im November 2009 zum Präsidenten Uruguays gewählt.

Die Uruguayos lieben ihren Ex-Präsidenten und nennen ihn liebevoll “Pepe”.

Eine seiner ersten Amtshandlungen als Präsident war der Verkauf von staatlichen “Prunk-Gebäuden”. Mit den Erlösen, ließ Mujica neue Krankenhäuser und Schulen errichten.

Während seiner gesamt Amtszeit, behielt Mujica von den 12.500 US-$ Präsidentengehalt lediglich 10 % selbst. Den Rest spendet er an kleine Unternehmen und Nichtregierungsorganisationen.

Seine Frau Lucía Topolansky – die übrigens Senatorin im Oberhaus des Parlaments ist – spendet ebenfalls einen großen Teil ihrer Einkünfte.

Vor ein paar Tagen, wurde ich auf eine Dokumentation über diesen großartigen Mann hingewiesen.
Prädikat: absolut sehenswert!

Zu meinen persönlichen Highlights zählen die Treffen mit anderen Staatsoberhäuptern. Mit Barack Obama (4:20 Min.) witzelt er über dessen ergrautes Haupthaar. Und Angela Merkel erzählt er von seinem VW Käfer (1:18:30 Std.).

Dienstlich fuhr Mujica übrigens einen Opel Corsa.

Mujica ist Sozialist – wie passt das zu einem Finanzblog?

Wenn wir an Sozialismus denken, haben wir ein bestimmtes Bild im Kopf. Verstaatlichung, Enteignung, Gleichstellung. So haben wir es von den Regierungen der DDR, Russlands, Kubas und Nordkoreas gelernt.

Mujica und seine Partei, verstehen Sozialismus aber anders. Persönliche Freiheit und wirtschaftliche Selbstbestimmung sind für sie Teil des Sozialismus. Wettbewerb sei für den wirtschaftlichen, aber auch den kulturellen und sozialen Fortschritt erforderlich. Die Partei MPP reguliert daher nicht die Märkte oder schreibt Unternehmen vor, wie und was sie produzieren sollen. Zwar forderte er in Gesprächen mit Unternehmern immer wieder Investitionen in soziale und kulturelle Einrichtungen ein. Das “soziale Denken” in der Gesellschaft allerdings, hat Mujica vielmehr durch seine Worte erreicht.

Und der Erfolg gibt ihm Recht. Uruguay zählt wirtschaftlich zu einem der erfolgreichsten Länder Südamerikas. Das Brutto-Inlands-Produkt pro Kopf ist höher als in Kroatien, der Türkei oder China.

Quelle: makro (3sat)

Trotz steigender Kriminalität in den letzten Jahren, zählt Uruguay weiterhin zu den friedlichsten und ungefährlichsten Ländern der Welt.

Minimalismus und Kapitalismus

Mujica kann durchaus als Minimalist bezeichnet werden. Wie der Sozialismus, steht auch der Minimalismus auf den ersten Blick in einem Widerspruch zu Kapitalmärkten. Aus meiner Sicht passen die Begriffe aber durchaus zusammen. Ähnlich hat es auch “Finanzfisch” Tobias in seiner Minimalismus-Serie festgestellt.

Die Überwindung des Kapitalismus, wie es von Linksparteien gefordert wird, halte ich persönlich für wenig sinnvoll. Haben doch eben die weitestgehend liberalen Märkte für einen gewaltigen wirtschaftlichen, kulturellen und nicht zuletzt medizinischen Aufschwung in den letzten Jahrzehnten geführt. Auch die Kapitalmärkte haben ihren Beitrag dazu geleistet, weil dort Ideen auf Kapital treffen. Sollte man die Teilhabe an Wachstum den Banken und Finanzinstitutionen allein überlassen? Ich denke nicht. An der Börse, kann jeder am wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen teilhaben.

Der Konsum der Anderen, ist unsere Rendite. Das wissen auch die Frugalisten und Tim Schäfer.

Die Verknüpfung des aktuellen wirtschaftlichen Systems mit ein bisschen mehr Sozialismus fände ich perfekt. Und zwar kein staatlicher Sozialismus, sondern ein bisschen mehr Zusammenhalt. Ein bisschen mehr Wir als Ich, ein bisschen mehr “abgeben können”.

So ein Wandel funktioniert nur mit Vorbildern. José Mujica ist so ein Vorbild.

Die Welt braucht mehr Pepe Mujicas.

„Wir wollten eine perfekte Welt. Wir wollten, dass Menschen mehr zu essen, ein Dach über dem Kopf, bessere Gesundheit und Bildung haben. Nichts ist schöner als das Leben, und gleich danach kommt die Gesellschaft. Der Mensch braucht die Gemeinschaft. Er ist, anthropologisch gesehen, Sozialist.“
(Pepe Mujica)

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7 Gedanken zu „Finanz-Fundstück des Monats: José “Pepe” Mujica

  • März 6, 2017 um 1:04 pm
    Permalink

    Inspirierende Geschichte. Ich kannte seine Persönlichkeit noch nicht. Er definiert sich über seine Taten und nicht nur über Versprechen. Für mich ist das ganz einfach: Wirkliches Glück findet man nicht mit mehr materiellen Besitz, Macht oder Geld. Glücklich ist man doch erst, wenn man anderen Menschen mit dem was man gut kann, hilft. Jeder hat ein Talent, eine Bestimmung. Innerlich zufrieden ist man aus meiner Sicht erst, wenn man sie nutzt um zu helfen.

    Antwort
    • März 6, 2017 um 1:59 pm
      Permalink

      Besser hätte ich es nicht formulieren können 🙂

      Antwort
    • März 6, 2017 um 2:22 pm
      Permalink

      Schön gesagt, Sascha! Sehe ich ganz ähnlich!

      Danke an Felix für die Vorstellung dieser erstaunlichen Persönlichkeit. Ich hatte mal am Rande etwas von ihm mitbekommen aber nie Näheres gelesen. Schade, dass man in den Medien immer nur von Trump, Putin, Erdogan und Co. hört aber nie von einem Gegenmodell. Wahrscheinlich nicht aufregend genug. Schade.

      Die Doku werde ich mir bei Zeiten mal genehmigen!

      Beste Grüße
      Pascal

      Antwort
  • März 6, 2017 um 6:22 pm
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    Schön, dass du diesmal eine so positive Geschichte als Finanz Fundstück des Monats gewählt hast 🙂

    Antwort
    • März 7, 2017 um 5:39 am
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      Stimmt – war mal Zeit 🙂

      Antwort
  • März 6, 2017 um 11:40 pm
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    Ein fantastischer Artikel über eine faszinierende Persönlichkeit.

    Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich den Herrn nicht kannte. Das hat sich dank dir verändert. Vielen Dank dafür!

    Ein Artikel, den ich mir merken werde.

    Antwort
    • März 7, 2017 um 5:42 am
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      Leider berichten Medien in der Regel über negative Beispiele. So sagt es ja auch Pascal in seinem Kommentar. Aber auch wir selbst sprechen häufig über die “falschen” Personen.
      Ich werde in diesem Jahr versuchen, öfters mal positive Geschichten rauszusuchen.

      Die Hoffnung stirbt zuletzt! 🙂

      Antwort

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