“Finanzwissen für alle, bitte!” – Interview mit FunnyMoney

„Finanzwissen für alle, bitte!“ – so lautet die Philosophie von FunnyMoney, die ich gerne unterstreiche. FunnyMoney ist eine Initiative, die im Fachbereich Wirtschaft der Fachhochschule Dortmund entstanden ist.

Und auch als Schalker muss ich zugeben: Nicht alles, was aus Dortmund kommt, ist schlecht. 

FunnyMoney möchte vor allem jungen Menschen die Themen Sparen und Investieren näherbringen. Hierzu sind auf der Homepage (my-funnymoney.de) einige Informationen zusammengefasst. Da Finanzwissen aber wenig sexy ist und junge Menschen lieber auf anderen Webseiten unterwegs sind, liegt der Schwerpunkt auf Coachings vor Ort. In Schulen, weiterführenden Bildungseinrichtungen oder auch in Unternehmen.

Jacob von FunnyMoney

Die Ideen und Vorstellungen von FunnyMoney decken sich stark mit den Zielen der meisten Finanzblogs. Daher wollte ich mehr über das Projekt wissen und es auf meinem Blog vorstellen.

Jacob gehört zum Team von FunnyMoney und hat sich für ein kurzes Interview bereiterklärt.

Lieber Jacob, erläutere uns doch bitte noch einmal, wie das Projekt FunnyMoney entstanden ist.

Hi erstmal und cool, dass Ihr Euch für Finanzbildung für junge Menschen interessiert!

Die Entstehungsgeschichte hinter FunnyMoney ist spannend und aufregend und wenn man da mal ganz nüchtern drauf schaut, hat sie schon fast etwas Schockierendes. Begonnen hat das Ganze an der Fachhochschule Dortmund im Kopf von Prof. Dr. Katrin Löhr. Als Professorin für Finanzwirtschaft hatte Sie tagtäglich mit BWL-Studierenden zu tun und während ihrer Lehrtätigkeit ist ihr aufgefallen, dass selbst diese mit alltäglichen Geldangelegenheiten überfordert waren. Also hat sie den Ball einfach mal zurückgespielt und die Studierenden gefragt, wie sie sich allgemeine Finanzbildung vorstellen.

Im Zuge einer „Entrepreneuer Challenge“ des Fachbereichs Wirtschaft sollte dann erarbeitet werden, welche Themenbereiche finanzielle Allgemeinbildung enthalten müsste und vor allem, wie sie vermittelt werden sollten. So bin ich dann auch in das ganze Geschehen reingerutscht – zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen!

Welche Kurse und Seminare bietet ihr an, um euer Anliegen in die weite Welt zu tragen?

Die Basis bildet bei uns immer unser Outlines-Kurs. Dieser ist in fünf Säulen unterteilt: Kassensturz, Sparen, Investieren, Ausgeben und Spenden und ist die Grundlage für das Verständnis der privaten Finanzen. Darauf aufbauend bieten wir z.B. einen „Börsenkurs“ an, der Theorie und Praxis bei den ersten Schritten in Richtung Investor abdeckt und aufgrund der Notwendigkeit der privaten Altersvorsorge gerne gebucht wird.

Wir bieten aber auch Kurse rund um Themen an, die in dieser Gesellschaft einfach als verstanden vorausgesetzt werden, wie z. B „die erste eigene Wohnung“ oder „das erste eigene Auto“. Diese Kurse stoßen bei Jugendlichen auf großes Interesse.

Eigentlich bieten wir zu so ziemlich jedem Thema, das eine Schnittmenge mit dem lieben Geld hat, Kurse an.

Ich habe schon viel über Finanz- und Börsenkurse in Schulen gelesen. Auch das Planspiel Börse dürfte vielen bekannt sein. Wie unterscheidet ihr euch von diesen Veranstaltungen?

Ich habe als Schüler und Student ja auch viele von diesen Veranstaltungen besucht und auch heute verfolge ich deren Treiben weiterhin, nur halt aus einer anderen Perspektive. Das Planspiel Börse zum Beispiel kann ein guter Einstieg ins Thema sein, jedoch werden dort Verhaltensweisen belohnt, die im wirklichen Leben die Banken reich machen. Denn investiere ich im Rahmen eines Planspiels Börse breit in den Markt, werde ich nicht gewinnen können, da dieser den Durchschnitt widerspiegelt. Zocke ich jedoch und handele häufig, kann ich Glück haben und gewinnen. Mit einer soliden Investitionsstrategie hat das jedoch nichts zu tun, denn in der realen Welt gilt: „Hin und her – Taschen leer!“, da die Transaktionskosten in der Regel die potenzielle Überrendite übersteigen. Dennoch kann es ein Instrument sein, junge Menschen für das Thema Börse zu begeistern.

Wichtig ist aus unserer Sicht jedoch, dass früher oder später der Zugang zu unabhängigen Finanzwissen gewährleistet ist. Aufgrund der Tatsache, dass wir keine Finanzprodukte oder Versicherungen verkaufen, können wir komplett objektiv an das Thema herangehen. Bei unseren Veranstaltungen liegt der Fokus immer darauf, dass die Teilnehmer am Ende in der Lage sind, informierte und bewusste Finanzentscheidungen zu treffen.

Liegt euer Schwerpunkt eher auf Terminen vor Ort oder auf Online-Seminaren? Welche Schulungsform wird häufiger nachgefragt?

Bis heute haben wir sehr viel vor Ort gearbeitet. Dass man uns sehen und anfassen kann war gerade am Anfang sehr wichtig, da das Thema Geld ja auch immer auf Vertrauen basiert. Da sich aber so langsam etwas tut in den deutschen Landen und immer mehr Leute merken, dass meine Generation sich dringend mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen muss, ergänzen wir unser Angebot momentan um Webinare. Zum einen, um die Reichweite unserer Botschaft zu erhöhen und zum anderen, damit niemand, der sich für das Thema interessiert, an der räumlichen Distanz scheitern muss.

Wie läuft ein typischer Kurs für Jugendliche ab? Gibt es auch praktische Übungen?

In der Regel starten wir immer mit einer lockeren Wissensstandsabfrage. Wir machen von Anfang an klar, dass bei uns keiner Angst haben muss, über das jeweilige Thema zu sprechen. Vor allem bei Kursen, an denen die Teilnehmer nicht aus eigener Motivation teilnehmen, ist es enorm wichtig direkt klar zu machen, dass das Thema Finanzbildung für die gesamte Gesellschaft ein Buch mit sieben Siegeln ist und dass man nicht alleine ist, wenn man noch so gar keine Ahnung hat.

Danach orientieren wir uns weiter am Publikum, indem wir es immer mal wieder durch Fragen oder Aufgaben in die Präsentationen einbeziehen. So wird es zum einen nicht langweilig und zum anderen bekommen wir auch regelmäßig Updates, wie es momentan bei den jungen Leuten aussieht.

Wenn ihr eure Inhalte in Schulen präsentiert: Habt ihr das Gefühl, dass es bei den Schülerinnen und Schülern „Klick macht“? Oder ist spätestens in der nächsten Pause alles vergessen?

Das kommt echt immer auf die Schule an. In Schulen, die in Fächern wie Sozialkunde oder Wirtschaft schon auf die Bedeutung von Finanzwissen hinweisen, werden unsere Inhalte verschlungen, da wir unseren Fokus ja immer auf praktisch einsetzbares Wissen legen. Nur leider gibt es von diesen Schulen viel zu wenige, darum starten wir meist bei Null und müssen erstmal das Bewusstsein schaffen. Wozu man sagen muss, dass wir auch da mit unserem Stil ganz gut ankommen. Bei uns gibt es keinen erhobenen Zeigerfinger, sondern Storys aus dem echten Leben von jungen Referent*innen bei denen man merkt, dass sie echt was verändern wollen.

Themen wie die erste eigene Wohnung, das erste eigene Auto und unglücklicherweise das Thema Schulden kommen in Schulen aber eigentlich immer super an. Das sind halt alles Themen, von denen wir uns damals auch gewünscht hätten, dass uns da mal einer sagt wie man so etwas plant, bzw. dass man so etwas überhaupt planen sollte.

Welches konkrete Ziel verfolgt ihr? Mal ehrlich: Nicht alle Kinder werden zu finanzieller Vernunft bekehrt werden können. Habt ihr Kenngrößen, an denen ihr euch auf eurem langen und steinigen Weg orientiert?

Da man ja nie so wirklich herausfinden kann, wer sich wie viel von unseren Tipps zu Herzen genommen hat, kann man leider auch nie wissen, wie viele Kids am Ende durch uns ein sorgenfreieres Leben führen. Darum orientiere ich mich gerne an den Mails die ich bekomme. Manchmal sitze ich morgens vor meinem Postfach und staune was so alles passieren kann.

Einmal habe ich z.B. eine Mail bekommen von einem Teilnehmer, bei dem es rund ums Thema Geld echt düster aussah. Mit dem bin ich nach dem Kurs nochmal unsere Spartipps und Möglichkeiten für kleine Nebenverdienste durchgegangen, musste ihm aber leider auch direkt die Nummer von der Schuldnerberatung dazu geben. Der schrieb mir dann nach über einem Jahr: „Hallo Jacob, ich bin jetzt wie unser Finanzminister und habe die schwarze Null erreicht…“. Das war dann natürlich direkt doppelt cool, da er nicht nur seine schwierige finanzielle Situation gemeistert hatte, sondern man auch direkt sehen konnte, dass er sich auch weiterhin mit dem Thema Finanzen auseinandergesetzt hat.

In einem Kennzahlenkatalog kann man so etwas zwar nicht listen, aber was soll ich sagen, das sind dann die Momente in denen man merkt, dass man anderen Leuten echt aus der Misere helfen kann, indem man sie mit den richtigen Informationen versorgt.

Ich finde euer Projekt toll. Kann man sich bei euch auch als „Externer“ irgendwie engagieren?

Danke, das bedeutet uns echt eine Menge! Auch so etwas würde ich in meinem idealistischen Weltverbesserer-Kennzahlenkatalog listen.  Und ja klar, zunächst einmal freuen wir uns natürlich über jedes Facebook-Like, da wir Facebook mehr wie eine Petition nutzen, um den Verantwortlichen im Bildungsbereich zu zeigen, dass junge Leute bei diesem Thema mehr Unterstützung brauchen. Ganz nach dem Motto „Finanzbildung für alle, bitte!“.

Ansonsten schreibt uns einfach eine Mail an team@my-funnymoney.de und dann schauen wir einfach mal, was man so alles zusammen auf die Beine stellen kann. Das ist ja das Schöne bei unserem Thema, da sich über Jahre keiner darum gekümmert hat, können wir gerade unsere eigene Finanzwelt zusammenbasteln. Und bei so einer großen Aufgabe freuen wir uns natürlich über jeden der Lust hat mit uns die (Finanz-)Welt zu verändern.

Liebes FunnyMoney-Team/Lieber Jacob, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg auf eurer Mission!

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5 Gedanken zu „“Finanzwissen für alle, bitte!” – Interview mit FunnyMoney

  • Juni 29, 2017 um 11:16 am
    Permalink

    Hallo,
    tolles Projekt, das wohl (leider) sehr nötig ist wie man am genannten Beispiel mit dem verschuldeten Teilnehmer sehen kann. Eigentlich traurig, dass Initiativen wie diese so wichtige Dinge vermitteln müssen – und das nur unzureichend in der Schule passiert oder wenn man die richtigen Eltern hat.
    Der Ansatz und das Konzept von FunnyMoney finde ich klasse, junge Leute da abholen wo sie sind.

    Im Text fehlt mir der Link zur Homepage von FunnyMoney (www.my-funnymoney.de).

    Antwort
    • Juni 29, 2017 um 12:06 pm
      Permalink

      Hi Julia,
      vielen Dank für den Tipp! Ist jetzt ergänzt.

      LG
      Felix

      Antwort
  • Februar 24, 2019 um 12:36 pm
    Permalink

    Grüß Dich Felix,

    gestern auf der didacta wurde ich auf genau dieses Interview angesprochen, was mich riesig gefreut hat 😀 Darum habe ich mir unser Gespräch heute noch mal durchgelesen und festgestellt, dass sich seit unserer letzten Unterhaltung eine Menge getan hat im Hause FunnyMoney Hättest Du vielleicht Lust, ein kleines Vorher/Nachher Interview zu führen?! Mir wäre es eine große Ehre hier noch mal sprechen zu dürfen!

    Gruß
    Jay – FunnyMoney

    Antwort
    • Februar 25, 2019 um 9:09 am
      Permalink

      Hi Jacob,
      der Finanzblogroll als Gesprächsthema auf der didacta – jetzt haben wir es geschafft! 😉
      Gerne können wir unser Interview fortsetzen. Ich bin gespannt, was sich bei euch so getan hat und an welchen Themen ihr derzeit arbeitet.
      Ich bereite mal was vor. Du kannst mir aber auch gerne schon mal ein paar Stichpunkte zu senden.

      Gruß, Felix

      Antwort
      • Februar 25, 2019 um 11:57 am
        Permalink

        Jau! Und wenn man sich überlegt, dass das Interview auch fast zwei Jahre her ist, scheint Dein Blog ja wirklich Eindruck zu hinterlassen 😀

        Toppi-Top! Das freut mich Ich schicke Dir gleich mal ein paar Stichpunkte rund um die Entwicklung der letzten Tage zu und dann basteln wir einen Artikel zusammen, auf den ich dann 2022 auf der nächsten didacta in Köln angesprochen werden kann 😀

        Gruß
        Jay

        Antwort

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