Starterkit für die Altersvorsorge – Der Pensionsfonds der CSU

Eigentlich liest sich das Treffen der CSU-Bundestagsabgeordneten im Kloster Seeon wie eine Kaffeefahrt ungeliebter und teils erfolgloser Marionettenpolitiker.

Zur Klausur treffen unter anderem ein scheinbar untergetauchter Bundesinnenminister Horst Seehofer, „Maut“-Dobrindt, sowie die deutsche Staatsministerin für Digitalisierung Dorothee Bär (Wer?) aufeinander. Als CDU-Gäste sind das Frauen-Power-Duo Annegret Kramp-Karrenbauer und die fast demokratisch-gewählte EU Kommissionspräsidentin Ursula (Gertrud) von der Leyen geladen.

Neben Schweinshaxn, Zwetschgendatschi und Prinzregententorte, gibt es einen herrlichen Blick auf den Chiemsee. Ja mei, is des schee!

Der gestrige Auftakt war allerdings wenig harmonisch. Hauptthema in der Tagesschau ist die Forderung von Markus (Thomas Theodor) Söder, durch „frisches Personal“ mehr Schwung in die „zweite Halbzeit“ der Regierung zu bringen.

Da stellt sich mir die Frage, ob das Wechselkontingent nicht bald mal erschöpft ist…

Die CSU will die Rentenwende mit dem Starterkit für die Altersvorsorge

Was neben dieser Initiativbewerbung von Markus Söder an das Kanzleramt leider untergeht, ist ein konkreter Vorschlag zur Verbesserung des Rentensystems.

In dem Papier, welches die CSU Landesgruppe in Seeon beschließen will heißt es dazu:

“Wir wollen für jedes Kind ein Starterkit für die Altersvorsorge. Wir wollen die Rentenwende – weg vom Generationenkonflikt hin zu mehr Generationengerechtigkeit.”

Oha!

Die konkreten Überlegungen führt Alexander Dobrindt im Interview mit Gabor Steingart aus. Dort spricht er von der Notwendigkeit einer vierten Renten-Säule, um Altersarmut und Generationenkonflikten vorzubeugen. Die bestehenden Säulen der gesetzlichen (umlagefinanzierten) Rente, der betrieblichen Altersvorsorge und der privaten Altersvorsorge (Riester & Rürup), müssten durch eine kapitalgedeckte Rentenversicherung ergänzt werden.

Halleluja!

Das Konzept bezeichnet die CSU mit dem etwas sperrigen Projekttitel Starterkit. Konkret soll für jedes Kind ein Betrag von 100 Euro in einen Pensionsfond fließen. Ab der Geburt bis zum 18. Lebensjahr. Die Einzahlungen soll der Fonds aktiv und (für deutsche Verhältnisse) offensiv am Kapitalmarkt anlegen dürfen. Ab dem 67. Lebensjahr soll dann die Auszahlungsphase beginnen.

Demos gegen Kohle sind cooler als gegen Altersarmut

Warum ist überhaupt eine kapitalgedeckte Rentenversicherung notwendig?

Die Nullzinspolitik-Politik der EZB führt zu Generationenungerechtigkeit und sozialer Benachteiligung. Wer Eigenkapital hat, ist privilegiert. Er bekommt Fremdkapital zum Nulltarif und kann Eigentum, zum Beispiel in Form von Immobilien, aufbauen und vermehren.
Wer kein Eigenkapital hat – vor allem junge Menschen – kommt gar nicht an Kredite oder muss die bereits stark gestiegenen Immobilienpreise, sowie erhöhte Zinskosten finanzieren.

Dadurch kommt es zu einer Zunahme des Vermögensungleichgewichtes zwischen jung nach alt, zwischen arm nach reich.

Hat die junge Generation dieses Problem verstanden?

Ich glaube nicht.

In der öffentlichen Diskussion zum Thema Rente und sozialer Gerechtigkeit, treten neben Ökonomen und politisch Interessierten vor allem die Baby-Boomer in Erscheinung. Sie haben die Notwendigkeit erkannt und sehen nun vermutlich die konkreten Probleme bei ihren Kindern und Enkeln.

Die jungen Menschen allerdings gehen (zurecht) auf die Straße für die Abschaltung von Kohlekraftwerken. Aber doch nicht für die Verbesserung des deutschen Rentensystems.

Die „Opfer“ der aktuellen Finanz- und Rentenpolitik interessieren sich nicht für ihre Altersvorsorge. Zumindest der große Teil von ihnen nicht.

Mein Fazit zum Starterkit für die Altersvorsorge?

Aus meiner Sicht, kann das CSU-Konzept eines Pensionsfonds die lang ersehnte vierte Säule des deutschen Rentensystems schaffen. Als erste verpflichtende kapitalgedeckte Vorsorge, könnte sie die Folgen des demografischen Wandels entgegenwirken und Altersarmut zumindest abschwächen.

Grundsätzlich stellt sich die Frage, warum man nicht gleich einen Staatsfonds à la Norwegen aufsetzt. Dort finanziert der 1967 eingeführte Versicherungsfond größtenteils das Gesundheitssystem. Arbeitnehmer und Freiberufler zahlen 7,8 Prozent ihres Brutto-Einkommens in den Fonds ein.

Für Deutschland halte ich allerdings die Rechtfertigung über das Rentensystem als gesellschaftlich tragbarer. Ein Volk der Sparkassen-Sparer wird nicht über Nacht zu Investoren. Vielmehr glaube ich, dass die Generation der Babyboomer, die es größtenteils zu Wohlstand geschafft hat, die Notwendigkeit der Generationengerechtigkeit erkannt hat.

Ich hoffe auf diese Weitsicht.

 

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6 Gedanken zu „Starterkit für die Altersvorsorge – Der Pensionsfonds der CSU

  • Pingback:CSU › Vorunruhestand

  • Januar 8, 2020 um 9:37 am
    Permalink

    Tja, klingt grundsätzlich ja nach einer hübschen Idee. Aber wenn ich so an unsere Regierung (“Sparbuch Scholz”) denke, wird mir ganz schlecht, wie wohl die Umsetzung aussehen könnte.

    Am Ende läuft das doch vermutlich darauf hinaus, dass der Bund nach der “versteckten” Subventionierung des Versicherungssektors (-> Riester und Rürup) dann ganz offen Geldgeschenke an die Versicherungen ausgibt.

    Denn mal im Ernst, glaubt irgendwer, dass die Bundesregierung Steuergelder in Aktien steckt? so ganz direkt und offen? Da findet sich doch eher eine gesellschaftliche Mehrheit für ein neues Opernhaus nahe Kiel (vielleicht eine NOKphi)…

    ————————

    Mein Vorschlag für eine Umsetzung:

    Mit der Geburt des Kindes bekommen die Eltern nicht nur den Brief mit der Steueridentifikationsnummer sondern automatisch auch “Souverän Investieren für Einsteiger” (bzw. ein vom Bund erstelltes Finanzbuch, dass nach aktuellen finanzwissenschaftlichen Erkenntnissen (-> Kommer, Weber) über das Wesen des Aktienmarktes aufklärt) zugeschickt, und dürfen für ihr Kind die prozentuale Gewichtung der folgenden Staatsfonds wählen: Aktien weltweit (MK oder BIP gewichtet); Anleihen Eurozone, höchste Bonität; Edelmetalle; sonstige Rohstoffe; REITs weltweit; Wohnimmobilien Deutschland

    Durch den letzten Punkt schafft man dann auch gleichzeitig sowohl Anreiz als auch Teilfinanzierung für staatlichen Wohnungsbau.

    Ähnlich einem 401K hat dann jedes Kind ein Depot mit den entsprechenden Fonds, welches erst mit Renteneintritt angefasst werden darf.
    Wenn es dann noch Steuerfreiheit auf die Erträge gibt, und man dieses Depot jederzeit weiter bestücken kann (mit den o.g. Staatsfonds, ggf. mit Höchstsätzen), vielleicht sogar noch steuerlich begünstigt, dann könnte Altersarmut vielleicht bald der Vergangenheit angehören..

    Antwort
    • Januar 8, 2020 um 12:01 pm
      Permalink

      Das mit dem Buch finde ich gut. Vielleicht richten wir einen Finanzblog-Fonds ein und schenken es jedem neuen Baby mit dem Namen Gerd.
      Oder Gerda.

      Antwort
  • Januar 8, 2020 um 5:39 pm
    Permalink

    Das mit dem Buch ist nett gedacht, aber es gibt zu viele, die mit einem BILD-Dreizeiler schon Schwierigkeiten haben. Da sollte man definitiv eine Lösung vorgeben…Aktien-/ETF-Quote von mindestens 50 % vorgeben. Über die weitere Hälfte entscheiden die Eltern, wenn keine Rückmeldung kommt gibt’s nochmal 50% Aktien-/ETF. Für zusätzliche freiwillige Einzahlungen würde ich eine Steuervergünstigung einführen(natürlich mit Höchstsatz, z.B. nochmal 100€ bis das Kind 18 ist). Erträge sind steuerfrei, angerührt werden darf der Kuchen erst bei Renteneintritt und frühestens mit 67

    Antwort
  • Januar 9, 2020 um 9:15 am
    Permalink

    stimmt schon mit der Überforderung. Es muss eine default Lösung geben. Ich würde die aber nicht auf 100% Aktien legen sondern auf das “Bogle’sche Ideal” des 60:40 Depots setzen. Der Finanzwesir rechnet dafür im historischen Mittel (Median) eine Rendite von 6,8% vor Inflation aus.

    100€ im Monat für 18 Jahre und dann 49 Jahre (=67 Jahre) liegen lassen bei 6,8% p.a. erwirtschaftet ziemlich genau 1 Mio€. Das heißt, die Regierung könnte sich sogar refinanzieren in dem sie alles über dieser magischen Summe zurückfordert (ergibt ca. 1% p.a. für die Rendite, was beim jetzigen Zinsniveau auch für die BRD gut ist).

    Bald sind alle Millionäre! Spannend was der exponentielles Wachstum so bewirkt, wenn man ihm Zeit lässt. Das wäre dann sogar für die BILD ausreichend wenig komplex 🙂

    Antwort
    • Januar 9, 2020 um 10:48 am
      Permalink

      Ich freue mich schon auf die BILD Schlagzeile, wenn der erste Redakteur mit rechnen fertig ist 🙂

      Antwort

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